Das OutNow.CH-Bestatter-Recap: "Die herzlose Leiche"

Ein per Post verschicktes menschliches Herz, eine Leiche im Tiefkühler und eine Schiesserei im Schatten einer Linde - heute war ganz schön was los im Aargau. Eine überzeugende Folge!

Stopp! Oder die Kommissarin schiesst! © Media Relations SRF

WARNUNG: DIESER TEXT ENTHÄLT SPOILER!

Wow. Diese Folge war jetzt richtig... ereignisreich! Und lehrreich. Ich weiss gar nicht, wo ich beginnen soll. Am besten einfach mal mit dem Auftakt der Episode. Sie beginnt mit Roeland Wiesnekker als Bösewicht Sebastian, der ein Kind und dessen mutmassliche Mutter auf dem Schulhof mit der Kamera stalkt. Ebenfalls erfahren wir Zuschauer, dass offenbar auch er eine verstorbene Tochter hat. Und zwar eine gewisse Michaela Burgmüller, die gemäss Grabstein nur zwei Tage gelebt hat, vom 18. bis am 20. Juli 2006. Was es mit diesem toten Kind wohl auf sich hat? Und was der Bestatter Luc Conrad damit zu tun hat? "Mehr als er denkt", ist Sebastians vielsagende Antwort.

Bei dem lebendigen Kind, das er fotografiert hat, handelt es sich jedenfalls um die vermisste Anouk. Zumindest versucht er dies dem Vater des Mädchens, Tobias Hefti, anhand seiner Video- und Fotoaufnahmen glaubhaft zu machen. Der arme Tropf - neu frischrasiert - weiss immer weniger, wo ihm der Kopf steht und welch übles Spiel da mit ihm gespielt wird. Will er nach dem unliebsamen Besuch zuerst zur Polizei gehen, was auch uns Zuschauern nur logisch scheinen würde, entschliesst er sich dann schliesslich doch für die diskretere Variante - für den Bestatter Luc Conrad.

Dieser wiederum erhält ein Paket zugeschickt, bei dem der Seven-erprobte Zuschauer schon ahnt, dass da etwas Unappetitliches drin ist. Und tatsächlich: Es handelt sich um ein menschliches Herz. Hat sich jemand einen bekannten Züri-West-Song etwas zu wörtlich genommen? Nein. Denn mit Hilfe seiner gescheiten Kuratorin-Kollegin Katharina Pulver kommt Conrad schliesslich darauf, dass sich der Absender auf die Tradition der Getrennten Bestattung bezieht, bei der das Herz gesondert vom restlichen Körper bestattet wird.

Dies führt den Bestatter schliesslich zur Habsburgergruft in der Klosterkirche Muri, wo er vom unfreiwillig eingesetzten Boten Hefti eine Konzerteinladung erhält. Im dargebotenen Schubert-Lied wiederum versteckt sich der nächste Hinweis, geht es darin doch um die Rache eines enttäuschten Mannes an seiner verflossenen Liebe.

Puuh. Erstmal durchschnaufen. Der kulturhistorische Background dieses Katz-und-Maus-Spiels ist nicht nur für Luc Conrad, sondern auch für uns Zuschauer etwas anstrengend mitzuverfolgen. Gut, dass bald etwas Action ins Spiel kommt. Unter der regional bekannten "Linner Linde" kommt es am Ende gar zum regelrechten Showdown mit Schiesserei und Verletzten.

Das Ganze ist wirklich spannend und gut inszeniert - und präsentiert nebenbei noch ein regionales Ausflugsziel als Schauplatz, das selbst mir, der ich immerhin seit zehn Jahren im Aargau arbeite, noch völlig unbekannt war. Ähnliches gilt auch für das Kloster Muri. Toll, wie es die Serie immer wieder schafft, die Zuschauer ganz nebenbei auf einige unauffällige, aber schöne Örtchen abseits von Matterhorn, Grossmünster oder Bundeshaus aufmerksam zu machen. Da kriegt man richtig Lust, wiedermal die schöne Schweiz zu erkunden.

Aber zurück zur Handlung. Vor der finalen Schiesserei wird's zuerst noch etwas creepy. Möglich, dass einigen Zuschauern das Znacht wieder hochkommt, wenn Tobias Hefti in Sebastians Tiefkühltruhe eine verweste Frauenleiche entdeckt. Offenbar war das dessen Freundin, die er nun für den Tod ihrer gemeinsamen Tochter verantwortlich macht.

An dieser Leiche dürfte er sich wohl auch bedient haben, um Conrad das spezielle Geschenkpäckli zu schicken. Und möglicherweise handelt es sich dabei auch um die Tote, die er bestattet haben möchte, als er - sich als Tobias Hefti ausgebend - in Luc Conrads Geschäft auftaucht (das übrigens nach Fabios bestandener Bestatter-Prüfung neu "Conrad & Testi" heisst) und einen Lindensarg mitsamt Schubert-Lied bestellt.

Oder bezieht er sich eher auf Anna-Maria Giovanoli, als er ankündigt, die Verstorbene sei "bald soweit"? Will er sie etwa hinterrücks abschlachten, wie die Szene mit dem Messer andeutet? Jedenfalls hält er sich nochmals zurück beziehungsweise wird von seinem Vorhaben abgebracht. Stattdessen wird ein wenig geknutscht, bis es Anna-Maria dann doch plötzlich wieder zu viel ist. Die On-off-Beziehung zu Luc Conrad nagt offenbar an ihr mehr als an ihm.

Jedenfalls nimmt sie Reissaus und kurz darauf auch Sebastian, wonach sie diesen in seine tatsächliche Wohnung verfolgt - die mit der Tiefkühlleiche. Anscheinend schöpft sie trotz der reichlich düsteren Behausung nicht weiter Verdacht. Ein bisschen erstaunlich ist es ja schon, dass sich die mit allen Wassern gewaschene Polizistin so unbedarft in Gefahr begibt. Aber sei's drum. Alles nochmal gut gegangen, und am Ende ist sie dank Erikas Tipp zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Schade nur, dass der Bösewicht entwischen kann - verletzt zwar, aber noch nicht dingfest gemacht.

So kann er am Ende der Folge denn auch wieder die neue Mutter der mutmasslichen Anouk beobachten - wenn es sich denn tatsächlich um die Mutter handelt. Zuvor hat er sie mittels eines gefälschten Gutscheins in das Kleidergeschäft von Anouks leiblicher Mutter gelockt. Und kurz darauf deren unsympathischen Piloten-Freund niedergeknüppelt, als dieser Tobias Hefti in der Klosterkirche Muri abpassen will.

Aufgrund der sich überschlagenden Ereignisse kommen einige Nebenfiguren diesmal etwas zu kurz. Fabio macht sich mit Erikas Unterstützung nach seiner Beförderung an ein neues Lohn- und Arbeitszeitmodell, doch sein Chef - Verzeihung, sein Partner - hat leider wiedermal "Wichtigeres" zu tun. Und Polizist Dörig bleibt in dieser Folge vor allem durch die angewiderte Aussprache des Wörtchens "Schubert!?" in Erinnerung, das aus seinem Mund wie ein Ekzem klingt.

Fazit

Wow. Da ist jetzt richtig die Post abgegangen. Tolle Schauplätze, ein diabolischer Bösewicht, spannende Wendungen, ein lehrreicher Blick in alte Traditionen (Herzbestattungen kannte ich bis anhin nicht), Action, gruselige Momente - die Episode hatte alles, was eine gute Krimiserie ausmacht. Und noch ein bisschen mehr. "Die herzlose Leiche" ist bislang deutlich die stärkste Folge dieser fünften Staffel und für mich auch eine der besten Bestatter-Folgen überhaupt. Well done! Wenn's in diesem Rhythmus weitergeht, dürfen wir uns auf eine tolle zweite Staffelhälfte freuen.

Quelle: OutNow.CH

17.01.2017 22:24 / ebe


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