Das OutNow.CH-Bestatter-Recap: "Wer zuletzt lacht"

Weiter geht's im Bestatter-Zirkus. Heute auf dem Programm: ein toter Clown, ein bedrohlicher Psychopath und eine tiefgreifende Erkenntnis darüber, was männliche von weiblichen Mördern unterscheidet.

© Media Relations SRF

WARNUNG: DIESER TEXT ENTHÄLT SPOILER!

Wer hat's erkannt? Die Harmonika-Melodie, die erklingt, während Dörig auf dem Zirkusgelände - ausgerechnet! - sein Online-Date sucht, ist eine Variation des Bestatter-Titelthemas, das später auch noch als melancholische Gitarrenmelodie wiederholt wird. Ich mag solche kleinen musikalischen Spielereien. Sie stimmen schön auf die kommende Zirkus-Folge ein, in dem ein Gift-Mord an dem Clown Pavel aufgeklärt werden muss. Wobei dieser Clown eher schon ein Horrorclown war, der unschuldige Kinder missbraucht. Und eines dieser Kinder ist mittlerweile erwachsen geworden und zahlt es seinem früheren Peiniger so richtig heim.

Jackie heisst die Übeltäterin dieser Folge, die sich gegenüber Luc Conrad zuerst als Pavels Halbschwester ausgibt. Ebenfalls eine Mitschuld an Pavels vergangenen Taten trug dessen Frau Ellie - verkörpert durch die aus Lüthi und Blanc oder Schellen-Ursli bekannte Tonia Maria Zindel -, die damals nur geschwiegen hat und deswegen heute im Episoden-Finale in einer rasanten Autofahrt beinahe ebenfalls noch dran glauben muss. Des Weiteren gab's noch Zirkus-Chef Leo, der sich mit dem Verstorbenen über einen möglichen Sponsor in den Haaren lag.

Ach, diese Zirkusleute - ein anstrengendes Leben, aber auch irgendwie romantisch. Findet jedenfalls der Bestattungs-Romantiker Fabio. Nur die Clowns, die mag er auch nicht. Nicht so wie das Publikum, das sich zum Anfang der Folge kaum mehr einkriegt vor Lachen ob den paar Pappnasen und auch nicht aufhört, als der Spassmacher auf der Bühne stirbt. Auf perfide Weise erstickt von seiner früheren Bühnenpartnerin und heutigen Chemielehrerin - letzteres für aufmerksame Zuschauer bereits ein erster Hinweis, dass sie die Täterin ist.

Die Bösewichtin, die ja eigentlich nur ein Opfer ist, sorgt jedenfalls für die Krimi-Weisheit des Abends: "Männer bringen Frauen um, weil sie sie nicht verlieren wollen. Frauen bringen Männer um, weil sie sie loshaben wollen". Hmmm. Da müsste man jetzt etwas länger drüber nachdenken. Aber da fehlt die Zeit, denn natürlich geht gleichzeitig auch die Rahmenhandlung weiter. Anna-Maria verweist darin auf ihren "Trainingsplan", was uns Zuschauer natürlich daran erinnert: Ah ja genau. Jogging. Bösewicht kennengelernt. Gefahr.

Und tatsächlich: Roeland Wiesnekker alias Sebastian nistet sich immer mehr in ihrem Privatleben ein. Das erste Date im Restaurant scheitert noch, weil im gleichen Restaurant Luc Conrad und die Kuratorin Judith Lunginbühl herumschäkern und er deswegen offenbar kalte Füsse kriegt. Dafür klappt's dann am Ende der Episode mit dem Date - im Zirkus. Wobei mich schon etwas erstaunt, dass diese es offenbar überhaupt nicht "creepy" und ein bisschen seltsam findet, das erste Date ausgerechnet an dem Ort abzuhalten, wo sie soeben frisch ihren Mordfall abgeschlossen hat.

Schade ist, dass Bösewicht Sebastian in dieser Folge etwas (zu) wenig direkte Screentime hat. Wir sehen ihn, wie er sich zu einem Schubert-Lied im Serienkiller-Psycho-Style "in Stimmung bringt" oder wie man das genau nennen will. Daneben kriegen wir ihn vor allem indirekt zu sehen oder spüren, wenn er seine Spielchen mit Luc Conrad spielt und diesem immer einen Schritt voraus ist. So genau weiss man als Zuschauer noch immer nicht, was genau seine Motivation ist. Aber die Lösung muss in der Vergangenheit liegen - möglicherweise bei Luc Conrads Vater?

Schmunzeln musste ich jedenfalls ob des herzhaften "Fuck!!", das Mike Müller alias Luc Conrad entgleitet, als er feststellt, dass er an der Nase herumgeführt worden ist. Ja, wir sind hier eben in der Schweiz, nicht in den USA, wo das ominöse Wort mit einem Beep zensiert wird. Am Ende der Staffel sitzt Conrad jedenfalls vor der leeren Wand des Museums - eine etwas plumpe Kunst-Parodie -, um die nächsten Züge seines ominösen Widersachers vorauszuahnen - während ihn letzterer via Video beobachtet.

Für den Rührmoment der Episode sorgt Erika, die nach langem Herumdrucksen zugibt, dass sie frühzeitig aus ihrer Weltreise zurückgekehrt ist, weil sie ihre "Bestatter-Familie" einfach so vermisst hat. Ok, das ist nun ein wenig viel Honigschmalz, aber eines "Aaaaaaw" kann man sich da doch nicht erwehren. Ja, wir haben dich doch auch ein wenig ins Herz geschlossen, Mami... äääh Erika. Ihr nimmt man auch die vorwurfsvolle Frage nicht übel, in was ihr Chef denn nun schon wieder verwickelt sei - ein Leitthema, das ein wenig an das "Jetzt ist schon wieder etwas passiert" erinnert, mit dem die Brenner-Krimis von Wolf Haas jedes Mal eingeleitet werden.

Fazit

Was für ein Zirkus! Folge 2 ist eine Steigerung gegenüber der nur durchschnittlichen Auftaktfolge - eine gelungene Mischung aus Spannung, Humor und Rührstück. Eine schöne Folge für alle, die den Zirkus schon immer ein bisschen unheimlich fanden.

Quelle: OutNow.CH

10.01.2017 23:20 / ebe


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