Warum "Casino Royale" der beste Film der Bond-Reihe ist

Heute vor genau zehn Jahren konnte man Daniel Craig zum ersten Mal als 007 sehen. Dem Briten gelang ein Start nach Mass, was auch mit dem Film zu tun hatte. Denn besser war noch kein Bond-Streifen.

Der Reihe nach

Dank der im Jahre 2012 erschienenen Bond-50-Jahre-Jubiläum-Edition ist der Film-Fan im Stande, jedes einzelne offizielle Abenteuer von 007 in High Definition zu bewundern. Ein kleines Grüppchen von OutNow-Redaktoren hat das ganze Set im Vorfeld von Skyfall und Spectre durchgeschaut. Das bedeutet stolze 2753 bzw. 2896 Minuten Girls, Guns und sechs Herren in adretten Anzügen, die sich mit "Bond, James Bond" vorstellen. Bei einem solchen Filmmarathon gibt es natürlich immer Filme, auf die man sich mehr freut, während andere als Pflichtaufgaben angesehen werden, damit man dann mit einem High-Five nach dem letzten geschauten Film feiern kann. Doch es bietet auch die Möglichkeit jeden einzelnen Film genauer zu betrachten und zu sehen, ob sie besser geworden sind oder abgegeben haben. Subjektiv ist das ganze sowieso, und während einer der Redaktoren aus dem Staunen beim Schilthorn in On Her Majesty's Secret Service fast nicht mehr herauskommt, fangen andere an zu gähnen. Einigkeit herrscht hingegen bei Casino Royale. Den im Jahre 2006 erschienene Film von Martin Campbell findet jeder toll. Ich stelle hier und jetzt jedoch die Aussage auf, dass Casino Royale der beste Film der James-Bond-Reihe ist.

"Ich muss weg"

Bevor jetzt aufgebrachte Fans die Kommentarsektion fluten, muss meine Aussage etwas spezifiziert werden. Ich sage nicht, dass Casino Royale der beste Bond-Film ist, sondern der beste Film der Reihe. Denn es gibt genug andere Filme, die das Bond-Feeling besser getroffen haben. Wie zum Beispiel Goldfinger, der viele Elemente platziert hat, die heute noch wichtige Bausteine eines 007-Abenteuers sind. Das Tolle an Casino Royale ist jedoch, dass er auch für Leute funktioniert, die mit der Reihe eher weniger am Hut haben. Einer meiner wenigen Aufreger in Goldfinger ist, wie leicht Bond Pussy Galore rumkriegt. Nach etwas "Heu-Action" hat er die Dame vom Handlanger des Bösen zu einer Verbündeten umgepolt. Selten war Bond mehr Bond. Solche Klischeeszenen, die einen aus dem Film herausreissen können, sucht man zum Glück in Casino Royale vergebens. Als er in einer Szene die benötigten Infos über einen Terrorplan aus einer Frau herausgekitzelt hat, verlässt er sie sofort um seiner Mission nachzugehen. Ein Moore wäre liegengeblieben.

Die Karten werden neu gemischt

Casino Royale entstand zu einer Zeit, in der sich die Reihe neu erfinden musste. Es waren vier Jahre vergangen, seit Pierce Brosnan in seinem letzten Abenteuer einen unsichtbaren Aston Martin gefahren war (seriously?!) und mit einem Fallschirm das Surfen geübt hatte (what the hell?!). Dass mit dem neuen Bonddarsteller die Reihe zwar neu lanciert, aber nicht völlig rebootet werden sollte, zeigt sich bereits am - unerwartet rockigen - Bondsong von Chris Cornell, der schon im Intro deutlich macht, dass es dem Film ein Anliegen war, die Balance zwischen Neuerfindung und Tradition zu halten. Denn vorstellen muss man den Agenten ja eigentlich nicht - wie der Songtitel schon sagt: "You know my name."

Neue Wege beschritt man auch in Sachen Action. So nahmen die Produzenten für den neuen Bond ein paar Seiten aus dem Jason-Bourne-Playbook. Bond wurde zum harten Hund gemacht, der sich nicht so leicht aus der Affäre ziehen konnte, sondern auch mal mehr Blut verlor als seine Gegner. Im Gegensatz zu den anderen 007 ist Daniel Craigs Bond noch ein Neuling, der das Agentengeschäft zuerst noch lernen muss, so des Öfteren über das Ziel hinausschiesst oder Fehler macht. Daraus resultiert unter anderem auch die wohl beste Actionszene der Reihe: eine Verfolgungsjagd in Madagascar, in welcher Jäger (Bond) und Gejagter (Terrorist) parkourmässig eine Baustelle und später eine Botschaft ohne Rücksicht auf Verluste verwüsten.

Dabei erstaunt es, wie oft Bond auf die Fresse fliegt und ein paar Mal sogar am sicheren Tod vorbeischrammt. Ein Superheld ist er definitiv nicht, und so ist das alles viel spannender als wenn Sean/Pierce/George/Roger/Timothy mit einem Lächeln ihre Gegner ausschalten. Schön ist zudem, wie jede Actionszene im Film eine direkte Konsequenz hat. Es gibt zu viele in der Reihe, die nur dafür verwendet werden, damit Bond seine Gadgets ausprobieren kann. Die Möglichkeiten sind hier aber auch begrenzt: Der Held kriegt gerade einmal ein Auto und zusätzlich unfreiwillig einen Ortungs-Chip in den Arm, damit er nicht noch mehr Mist baut. Daniel Craig passt mit seinem Charme, dem eiskalten Blick und dem Sixpack perfekt zum Bond-Typen der aufmüpfigen, aber sympathischen Dampfwalze.

Bösewicht in Todesgefahr

Wo sich Casino Royale weiter von den anderen Abenteuern unterscheidet, ist beim Antagonisten. Mads Mikkelsens Le Chiffre will nicht die Weltherrschaft und besitzt keine Katze, die er zu streicheln pflegt. Er spielte mit den Geldern seiner Kunden und hat nun das Messer am Hals. Beim organisierten Pokerspiel geht es um sein Leben. Verliert er, ist er tot. Dies macht ihn völlig unberechenbar, was Bond unter anderen bei seinen Kronjuwelen erfahren muss. Dass er danach überhaupt noch zum Liebesspiel mit Vesper Lynd kommt, grenzt an ein Wunder, womit wir bei einem der besten Bond-Girls der Reihe angekommen sind.

Tragische Femme Fatale

Eva Green kriegt als Vesper Lynd viel mehr zu tun als die üblichen Ladys an des Helden Seite. Ihre Rolle lässt sich nach dem Film als tragische Femme Fatale beschreiben. Sie hilft Bond durch das Abenteuer, damit sie einen anderen retten kann. Doch den Preis, den sie dafür bezahlt, ist harsch. Zuerst klebt das Blut anderer an ihren Händen - was zu einer gefühlsstarken Duschszene führt - bis sie am Ende selbst ums Leben kommt. Für Bond scheint sie nur mit ihm gespielt zu haben, was diesen danach veranlasst, keine zu grossen Gefühle mehr an sich heranzulassen.

Abstumpfung

So ist Casino Royale auch ein Film über Abstumpfung und zeigt, wie aus dem Jungspund mit einem "overdeveloped trigger finger", wie es M (Judi Dench) einmal so schön sagt, die eiskalte, berechnende Killermaschine wurde. Der Weg dorthin ist actionreich, spannend und tragisch zugleich. Ein komplettes Paket, das von Regisseur Martin Campbell perfekt orchestriert wurde und in dem Daniel Craig einen überzeugenden Bond abgibt. Die Hardcore-Fans mäkeln, dass dieser Film zu wenige bekannte Bond-Elemente beinhalte und dies sich gar nicht wie ein Film der Reihe anfühle. Doch genau deshalb funktioniert Casino Royale auch zehn Jahre nach dem Erscheinen immer noch so wunderbar und wirkt nicht so abgestanden wie manch ein anderes Abenteuer. Wie bereits gesagt: Der beste Bond-Film ist dies nicht, aber zweifelsohne der beste Film der Reihe und einer der besten Actionstreifen aller Zeiten.

Einverstanden, nicht einverstanden? Was sind eure Lieblings-Bonds?

Quelle: OutNow.CH

23.11.2016 07:00 / crs


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1 Kommentar

<3 <3 <3

Martin Campbell sollte auch den ersten Bondfilm mit dem Craig-Nachfolger drehen.

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