Die 11 besten Italowestern

Staub, lange Mäntel, schweigsame Rächer und Musik von Ennio Morricone: Das ist der Italowestern. Das, und doch viel mehr, wie unsere Liste mit 11 Must-See-Italowestern zeigt.

Die Schnurregiige für die Ewigkeit.

Mit dem Ableben von Bud Spencer waren die italienischen Spaghetti-Western wieder mal in aller Munde. Doch das Genre hat viel mehr zu bieten als den Haudrauf-Klamauk von Spencer und Hill: Der Italowestern der späten Sechziger und frühen Siebziger wandte sich radikal vom "sauberen" US-Western ab und sorgte geradezu für eine Revolution der Filmlandschaft. Mit viel Zynismus, Gewaltdarstellungen und den schmutzigen Gesichtern von Anti-Helden wie Clint Eastwood, Franco Nero und Lee van Cleef schuf das Genre einige unsterbliche Klassiker.

11. Von Angesicht zu Angesicht / Faccia a faccia


Sergio Sollima ist von den "drei Sergios" des Italowesterns der am wenigsten bekannte. Schade, denn seine Trilogie mit dem Kubaner Tomas Milian gehört zu den Höhepunkten des Genres. Von Angesicht zu Angesicht ist war der zweite Western Sollimas: Ein Geschichtsprofessor fällt in die Hände einer Banditenbande und übernimmt langsam ihren Lebensstil, bis er selbst zum Anführer der Bande wird - und dabei mit eiskalter Effizienz vorgeht. Ein "intellektueller" Western, dessen Faschismus-Parabel sich aber etwas mit dem Trash-Charme und dem Overacting Milians beisst. Wettgemacht wird dies durch einen tollen Gian Maria Volontè und einen gewohnt grandiosen Score vom musikalischen Übervater des Genres, Ennio Morricone.

Bestes Western-Shootout: Bennet und Fletcher treffen in der Wüste auf Siringo.

10. Die gefürchteten Zwei / Il Mercenario


Der zweite "Sergio", Sergio Corbucci, wandte sich 1968 mit Die gefürchteten Zwei dem Revolutionswestern zu, auch Zapata-Western genannt. Diese sind während der mexikanischen Revolution angesiedelt und handeln oft von Bauern, Söldnern und Aussenseitern, die in den Strudel des Bürgerkriegs geraten. So auch in Corbuccis Film, wo sich ein polnischer Söldner (Franco Nero) einer kleinen, schlecht organisierten Gruppe von Revolutionären annimmt und diese schamlos ausnutzt. Für italienische Verhältnisse fast schon ein Blockbuster, besticht der Film mit rasanter Action, tollen Bildern, einem schmierigen Bösewicht (Jack Palance) und (schon wieder) einem grandiosen Morricone-Score. So gut sogar, dass Tarantino ihm mit Kill Bill: Volume 2 ein Denkmal gesetzt hat.

Bestes Western-Shootout: Das Duell in der Stierkampf-Arena.

9. Zwei Companeros / Vamos a matar, compañeros


An sich ist es recht einfallslos, dass Sergio Corbucci nur zwei Jahre nach Die gefürchteten Zwei mit Zwei Companeros ein quasi-Remake drehte. Wieder spielt Franco Nero einen Europäer, diesmal einen Waffenhändler, der sich mit ganz eigenen Zielen an der Revolution beteiligt. Wieder gibt Jack Palance den noch schmierigeren Bösewicht und wieder hat am Schluss der Bauerntölpel das Herz am rechten Fleck, diesmal Tomas Milian statt Tony Musante. Und natürlich brilliert Morricone auf der Tonspur. Und doch: Der Film bietet so viel rasante Unterhaltung voller Action und Humor, dass man jegliches Déjà-Vu glatt vergisst. Viva la Revolución!

Bestes Western-Shootout: Franco Nero wird mit seinem besten Freund wiedervereinigt - dem Maschinengewehr.

8. Töte Amigo / Quién sabe?


Während politische Untertöne bei Sollima und Corbucci ganz klar vorhanden sind, treten sie bei Damiano Damiani geradezu in den Vordergrund. Töte Amigo ist sein einziger Western und verwendet das Genre als Gefäss für einen bitterbös-zynischen Kommentar über die US-Intervention zugunsten südamerikanischer Militärregimes. Der Banditenchef El Chuncho zieht durchs Land und verkauft den mexikanischen Revolutionären Waffen. Er nimmt den Amerikaner Bill in seiner Bande auf, weiss jedoch nicht, dass dieser den geheimen Auftrag hat, den Revolutionsführer zu ermorden. Bei allem Opportunismus bekommt El Chuncho da natürlich Skrupel. Ein vielschichtiger, bissiger und mit Gian Maria Volontè als Chuncho grandios besetzter Film.

Bestes Western-Shootout: El Santo (Klaus Kinski) predigt das heilige Wort - mit Handgranaten.

7. Mein Name ist Nobody / Il mio nome è Nessuno


Tonino Valeris Mein Name ist Nobody ist ein absonderlicher Mix von einem Film: Auf der einen Seite ist es ein grosser Abgesang auf die Ära der Revolverhelden (verkörpert von Henry Fondas Jack Beauregard) mit Leone-esker Nostalgie - was nicht verwundert, da Leone selbst in einigen Szenen die Co-Regie übernahm. Auf der anderen Seite gehört der Film mit den zahlreichen Terence-Hill-Klamauk-Szenen schon deutlich zum Genre des "Prügelwestern", welches Hill drei Jahre zuvor mit Die rechte und die linke Hand des Teufels quasi erfunden hatte. Was in der Theorie nicht zusammenpassen dürfte, funktioniert aber in der Realität makellos: Mein Name ist Nobody mag nicht der beste Italowestern sein, aber auf jeden Fall einer der amüsantesten.

Bestes Western-Shootout: Henry Fonda ganz alleine gegen die "wilde Horde".

6. Der Gehetzte der Sierra Madre / La resa dei conti


Sergio Sollimas erster Western ist gleichzeitig sein Meisterwerk: Alle sind hier in Topform, sei es das intelligente, mit diversen Twists aufwartende Drehbuch oder Morricones Musik (sein vielleicht bester Westernsoundtrack ausserhalb von Leones Filmen) oder Lee van Cleef, der in Sachen Coolnes den Neros und Eastwoods des Genres in nichts nachsteht. Auch Tomas Milian bekommt hier die beste Rolle seiner Karriere und brilliert als vulgärer, gerissener Mexikaner Cuchillo, der vom berühmten Kopfgeldjäger Corbett bis nach Mexiko verfolgt wird, weil er ein 12-jähriges Mädchen vergewaltigt haben soll. Ganz grosses Kino!

Bestes Western-Shootout: Chuchillo im ungleichen Duell, mit dem Messer gegen die Pistole.

5. Django


Der allererste Eintrag in die Django-Reihe war ein durchschlagender Erfolg und neben Für eine Handvoll Dollar wohl die Initialzündung des Genres. Und das zu Recht: Zwar ist die Ausgangslage eine ähnliche wie bei Sergio Leone - ein schweigsamer Rächer zwischen den Fronten zweier Gangs -, doch die filmische Umsetzung von Sergio Corbucci ist richtig dreckig, und das wortwörtlich. Der Film kreierte quasi sein eigenes Subgenre des Schlammwesterns und erreicht bereits mit dem ersten Bild - dem Titelhelden, der seinen Sarg durch den Matsch zieht - eine surreale Suggestivkraft, die eher an El Topo denn an seine Genrekollegen erinnert. Viel wurde der Film kopiert und nachgeahmt, aber nie erreicht. Nicht einmal von Tarantino.

Bestes Western-Shootout: Jedes Mal, wenn Django seinen Sarg öffnet, geht die Post ab.

4. Leichen pflastern seinen Weg / Il Grande Silenzio


Nach Django war Sergio Corbucci wohl der gefragteste und meistbeschäftigte Regisseur Italiens und drehte einen Steifen nach dem anderen. Kaum zu glauben, dass er im selben Jahr wie Il Mercenario auch sein Meisterwerk veröffentlichte: Il Grande Silenzio. Dabei tauschte er Schlamm gegen Schnee ein und packte sein melancholisches Epos voll mit fantastischen Landschaftsaufnahmen und grandiosem Set-Design (von Tarantino in Hateful Eight wiederum nachgeahmt, aber nicht erreicht). Corbucci verzichtet hier auf grosses Spektakel, sondern erzählt die erstaunlich intime und feinfühlige Geschichte vom stummen Rächer Silencio. Zusammen mit einem Cast in Höchstform, bestehend aus Jean-Louis Trintignant und Klaus Kinski als "Loco", ergibt das den perfekten Schneewestern.

Bestes Western-Shootout: Loco lockt den Sheriff auf einem gefrorenen See in den Hinterhalt.

3. Keoma - Melodie des Sterbens


Ganz zum Schluss der Italowestern-Ära gelang Enzo Castellari (Inglorious Bastards) 1976 das letzte Meisterwerk des Genres. Ein düsterer, sozialkritischer Abgesang auf das Genre, ist Keoma thematisch eher bei New-Hollywood-Antiwestern wie McCabe and Mrs. Miller zu verorten, spannt aber in Sachen Surrealität und biblischer Symbolik gleichzeitig einen deutlichen Bogen zu Django. Franco Nero spielt wieder den schweigsamen Rächer, hier jedoch einen Aussenseiter wider Willens, ein sowohl von der Gesellschaft wie seiner Familie ausgestossenes Indianer-Halbblut. Am Ende bleibt ihm nur eine Hoffnung: «A man who's free never dies!» Gänsehaut pur.

Bestes Western-Shootout: Keoma zählt seine Gegner (und Kugeln) an den Fingern ab.

2. Die Dollar-Trilogie (Für eine Handvoll Dollar / Für ein paar Dollar mehr / Zwei glorreiche Halunken)


Viel gibt es nicht zu sagen über Sergio Leones so legendäre wie monumentale Dollar-Trilogie, mit der der Italowestern bei Filmfans salonfähig und Clint Eastwood zum weltweiten Superstar wurde. War Für eine Handvoll Dollar die Geburtsstunde des Genres unter dem Deckmantel eines Yojimbo-Remakes, brachte Für ein paar Dollar mehr dieselbe Formel zur Perfektion. Erwachsen wurde der Italowestern aber erst mit Zwei glorreiche Halunken, die kongeniale Vermischung von Gaunergeschichte, Actionfilm und Antikriegsdrama, und wohl das beste Bürgerkriegs-Epos seit Gone With the Wind - und das von einem Italiener! Kein Wunder, stehen die Namen Eastwood und Leone bis heute als Synonyme für den Italowestern, genauso wie Mifune und Kurosawa für den Samuraifilm.

Bestes Western-Shootout: Drei Männer, ein Friedhof, ein Grab eines namenlosen Soldaten.

1. Spiel mir das Lied vom Tod / C'era una volta il west


Seine Dollar-Trilogie waren zwar kolossale Kassenerfolge, vom zeitgenössischen Feuilleton wurde Leone aber oft als trivial belächelt. Erst dank seinem Nachfolgefilm mit dem ausnahmsweise tollen deutschen Titel Spiel mir das Lied vom Tod wurde auch dem hinterletzten Kritiker klar, dass hier ganz grosse Filmkunst am Werk ist. Nie zuvor und nie seither hat ein Kinofilm eine derart opernhafte Grandeur erreicht, ein von der ersten bis zur letzten Minute makellos durchchoreagraphiertes Ballet des Todes. Hier stimmt einfach alles: Nicht nur hat Tonino Delli Colli eine Handvoll der ikonischsten Bilder des 20. Jahrhunderts fotographiert, nicht nur darf Ennio Morricone behaupten, hierfür die wohl schönste seiner Filmmusiken geschrieben zu haben, nicht nur hat Leone die Gesichter von Henry Fonda, Claudia Cardinale, Charles Bronson und Jason Robards für die Ewigkeit in Grossaufnahme verewigt. Es stellt sich gar die Frage: Ist dies der beste Western aller Zeiten?

Bestes Western-Shootout: "Wenn ich mich so umsehe, dann sind nur drei Pferde da. Sollten wir denn tatsächlich eins vergessen haben?" - "Ihr habt zwei zu viel."

Welcher Italowestern ist euer Favorit?

Quelle: OutNow.CH

30.07.2016 11:00 / jon


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