Deadpool: Das grosse Interview mit Ryan Reynolds

Deadpool metzelt sich durch seine Gegner, lässt freche Sprüche fallen und spricht ab und zu mit den Zuschauern. Wir drehten den Spiess um und sprachen mit ihm über sein starkes Solodebüt.

Er spielt nicht nur den "Merc with a mouth", er IST der "Merc with a mouth". Jahrelang kämpfte Ryan Reynolds für den Deadpool-Solofilm. Nun haben er und sein Team es vollbracht. Die Freude darüber war dem Kanadier beim Interview in Berlin eindeutig anzumerken. Im Gespräch mit OutNow.CH spricht Reynolds über den langen Weg bis zum Film, Jokes, die zu heftig waren sowie über Hugh Jackman.

Kannst du etwas von der mühsamen Entstehungsgeschichte erzählen?
Deadpool hat mich die letzten elf Jahre meines Lebens beschäftigt. Jedes Mal wenn ich versuchte, den Film zu machen, schlug man mir die Türe vor der Nase zu. Es brauchte viel Geduld und jetzt ist es ist wie ein Traum, der wahr geworden ist.

Warum genau schlug man dir immer wieder die Türe vor der Nase zu?
20th Century Fox verstand Deadpool lange nicht. Sie konnten nicht verstehen, dass Deadpool weiss, dass er in einem Comic bzw. einem Film ist, aber gleichzeitig Teil des Comicuniversums der X-Men ist. Sie sahen Deadpool als einen Unruhestifter in ihrem bereits aufgebauten Filmuniversum.

Wie kam es dann doch noch zur Freigabe?
Die Fans haben dies geschafft. Wir hatten Testmaterial gedreht, welches dann "versehentlich" im Internet gelandet ist (grinst). Innert 24 Stunden schrien alle Deadpool-Fans auf dem Planeten Erde auf Fox ein, damit sie diesen Film machen. So hatten wir 24 Stunden später plötzlich grünes Licht. Sie gaben dem Film sogar schon einen Kinostart: 12. Februar 2016. Uns teilten sie dies nicht mal mit. Als ich davon Wind bekam, nahm ich sofort mit Regisseur Tim Miller und den Drehbuchautoren Kontakt auf, um zu wissen, ob wir nun den Film machen oder ob wir gefeuert sind (lacht).

Fox hat sich also lange gegen den Film gestemmt. Wie war die Reaktion bei den Verantwortlichen, als sie den fertigen Film sahen.
Es war wie Tag und Nacht. Sowas hatte ich noch nie gesehen. Sie sahen ihn und setzten sofort ihre ganze Marketingmaschinerie in Gang. Wir waren sehr erfreut darüber, aber auch ein bisschen überrascht. "Wow, wir haben einen authentischen Deadpool-Film gedreht, der dem Studio gefällt." (lacht)

Dachtest du auch, dass es an der Zeit war, dass Marvel-Filme in die "Bad-Ass-Richtung" gehen?
Es freut mich riesig, dass wir einen Superhelden mit einem R-Rating in die Kinos bringen können. Doch nicht um die Leute zu schocken. Ich denke, es ist eine ideale Gelegenheit, das ganze Comicuniversum zu vergrössern. Mit einer tieferen Freigabe bist du immer eingeschränkt. Wir wussten von Anfang an, dass wir hier keinen Captain America machen. Bei Deadpool stand uns das Geld zur Verfügung, das bei einem Captain-America-Film wohl für das Laser-Haarentfernungs-Budget gereicht hätte. Aber das war ok. Wir konnten dadurch machen, was wir wollten. Unser Regisseur kommt ursprünglich aus dem Bereich der Special-Effects und war so imstande, den Film teuer aussehen zu lassen.

Wie viel Ryan Reynolds steckt eigentlich in der Figur Deadpool?
Ich bin auch ein Spinner (lacht). Im Grunde genommen hat Deadpool mich gefunden und nicht umgekehrt. Vor elf Jahre sagte mir jemand, dass ich Deadpool sei. In einem der ersten Deadpool-Comics, die ich dann gelesen habe, beschreibt sich die Figur selbst als Mischung aus Ryan Reynolds und einem Shar-Pei. Ich habe die Comics danach verschlungen und über die Zeit ist er zu einem Alter-Ego von mir geworden.

Wie war es in deiner Heimat Vancouver zu drehen?
Ich liebte es, aber es war auch tough. Innert kürzester Zeit wurde ich zum Staatsfeind Nr. 1, weil wir für unseren Dreh verschiedene Strassen sperren mussten. In den Zeitungen stand dann jeweils: "Gott verdammt, Ryan Reynolds. Danke, dass du unseren verdammten Verkehrsbetrieb ruinierst." Aber sonst war es super.



Hast du viele der Stunts selbst gemacht?
Ich wollte so viel wie möglich selbst machen. Wenn mein Stuntdouble was ausprobierte, wollte ich es nachmachen und, wenn möglich, besser machen. Ich bin da sehr wetteifernd. Wir erkannten jedoch früh, dass ich viele Sachen selbst machen musste, da mein Stuntdouble und ich zwei völlig verschiedene Kopfformen haben. Dies bereitete mir ein wenig Kopfzerbrechen, denn falls ich mich verletzten würde, müssten wir die Produktion unterbrechen, was wir uns gar nicht hätten leisten können. So fand ich immer wieder Wege, um in das Kostüm zurückzufinden.

In den Trailern hören wir verschiedene Sprüche, die es nicht in den fertigen Film geschafft haben. Werden wir dieses Material irgendwann zu sehen und hören bekommen?
Jawohl, beim Home-Cinema-Release werden wir vieles draufpacken. Für jede witzige Szene hatten wir etwa 10 alternative Sprüche. Der Fan wird diese dann beim Bonusmaterial finden können. Es gab aber auch Witze, die wir komplett entfernen mussten, denn man könnte mich für diese festnehmen oder mir eins aufs Maul geben.

Nenne mal ein Beispiel.
Willst du mich verarschen? Das kann ich doch nicht sagen (lacht). Bei einigen Sachen entschieden wir selbst, dass dies zu weit geht oder es eine schlechte Idee ist. Du willst zum Beispiel nicht die NRA (National Rifle Association) anpissen. Einige Sachen wirst du auf der Blu-ray finden, andere Jokes hingegen verbrannten wir gleich. (lacht)

Deadpool ist im "Fox X-Men-Filmuniversum" angesiedelt. Dabei unterscheidet sich der Film mit seinem Meta-Humor doch sehr stark von den anderen Filmen. Wolltet ihr nicht lieber euer eigenes Ding machen?
Es hat uns sehr gereizt einen solchen Ausreisser in diesem sehr populären Mainstreamuniversum zu zeigen. Dies macht für uns einen Grossteil des Spasses aus, wie er mit Colossus und Negasonic Teenage Warhead agiert.

Wie seit ihr auf Negasonic Teenage Warhead gestossen?
Sie wählten wir nur aufgrund ihres Namens aus. Wir hatten den ganzen X-Men-Comic-Katalog vor uns und wollten uns eine coole Frauenfigur aussuchen. Wir waren jedoch ein bisschen eingeschränkt. "Können wir Storm (Halle Berry in den X-Men-Filmen, Anm. d. Red.) haben?" - "Fuck no, ihr könnt Storm nicht haben". Zum Glück ist dieses Comicuniversum riesig. Negasonic Teenage Warhead kam übrigens in nur einem einzigen Comic in den Neunzigern mal vor und ihren Namen trägt sie aufgrund eines gleichnamigen Songs einer Heavy-Metal-Band.

Hugh Jackman hat einen etwas speziellen Gastauftritt. Hat er den Film schon gesehen?
Noch nicht. Ich freue mich sehr auf den Moment, wenn er ihn sieht. (lacht) Ich habe Hugh vor Monaten mal angerufen und gefragt, ob ich ihn auf eine unorthodoxe Art und Weise für den Film verwenden dürfe. Sehr zu meiner Freude willigte er ein. Er ist ein wirklich cooler Typ.

Deadpool läuft ab heute in den Kinos.

© 2015 Twentieth Century Fox Film Corporation. All Rights Reserved.

Quelle: OutNow.CH

11.02.2016 08:00 / crs


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2 Kommentare

oh ja, mehr bitte! 8-)

Ich freue mich auf die Deadpool Franchise und regelmässige Deadpool Filme, am liebsten in der Quantität der James Bond Reihe ;))

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