"Spectre": Das Interview mit Naomie Harris ("Miss Moneypenny")

Sie machte Miss Moneypenny wieder cool. Die Britin Naomie Harris agiert seit "Skyfall" als 007-Vorzimmerdame und kam für die "Spectre"-Premiere nach Zürich. OutNow.CH traf sie zum Interview.

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So richtig wollte das Setting für das Interview im brandneuen Fünfsternehaus zwischen Flughafen und Zürich-Oerlikon nicht passen. Naomie Harris sass im weissen Wollkleid in einem Sitzungszimmer. Notizblöcke und Stifte lagen bereit, als träfen wir uns wie Geschäftspartner zum Meeting. Dabei kamen wir zum Interview mit der britischen Schauspielerin, welche die Ehre hat, die erste Moneypenny zu sein, deren Vorname innerhalb der Bond-Reihe genannt wird. Ihren Durchbruch feierte die 39-Jährige in Danny Boyles 28 Days Later. Neben dem Bond-Franchise war Harris auch in der ebenso lukrativen Pirates of the Caribbean-Reihe vertreten. Doch statt "Wo müssen wir unterschreiben?" stellten wir die wirklich brennendste Frage gleich zu Beginn.

OutNow.CH: Was genau geht da eigentlich zwischen James Bond und Miss Moneypenny?
Naomie Harris: Alle denken, wir hätten Sex gehabt in Skyfall. Im Drehbuch wurde die Rasier-Szene noch von M unterbrochen. Im finalen Film kam M nicht mehr vor, sondern ein Schnitt auf ein Feuerwerk. Nun denken alle, die haben zusammen geschlafen. Das war aber nur Sam Mendes (der Regisseur), der mit den Gedanken der Zuschauer spielte. In Wirklichkeit dürfen Bond und Moneypenny nie miteinander ins Bett. Auch wenn sie das wohl gerne würden, aber diese Grenze darf nicht überschritten werden.

Bei Skyfall musstest du geheimhalten, dass du Moneypenny spielst. Diesmal darfst du nichts über die Story von Spectre verraten. Wirst du besser als Geheimniskrämerin?
Nun geht es ja nicht mehr um mich bei der Geheimnistuerei. Ich schütze lieber anderer Leute Geheimnisse. Ich bin eine schlechte Lügnerin. Ich fand es schwer, zu behaupten, ich sei nicht Moneypenny, obwohl ich wusste, dass ich es bin.

Fühlst du dich nun wohler, Miss Moneypenny zu spielen?
Beim ersten Mal spürte ich die Erwartungshaltung und die Unsicherheiten, wie ich sie zu spielen habe. Sam Mendes und Barbara Broccoli (die Produzentin) geben dir viel Freiheiten. Das ist einerseits wunderschön, es gibt dir aber auch keine konkrete Richtung, wohin sich Moneypenny als Figur bewegen soll. Sam wollte, dass ich sie nach eigenem Gutdünken erschaffe. Ich war nicht sicher, ob es den Leuten - oder auch den Produzenten - gefällt. Erst als ich die Rolle ein weiteres Mal bekam, entspannte ich mich, weil ich wusste, es gefiel.

In Skyfall zeigst du Aussendienst-Fähigkeiten. In Spectre sitzst du im Büro. Wie stehst du zu diesem Rollenwechsel?
Ehrlicherweise bin ich glücklicher, weil ich als Agentin gar nicht so gut bin. Ralph Fiennes und Ben Whishaw freuten sich sehr über die Actionszenen. Die wollten mehr. Ich als Schauspielerin bin fröhlicher hinterm Pult. Und ich denke Miss Moneypenny auch.

Im Werbefilm darfst du aber noch ran.
Ja. Das war lustig. Ich hab das nicht so ernst genommen wie eine Filmszene. In so einem Szenario ist der Druck auch ein anderer als in einem Bond-Film.

Moneypenny ist nun eine Art Beraterin, trotzdem sitzt sie im Vorzimmer. Passt das wirklich zusammen?
Ralph Fiennes' neues Büro ist ein Set aus früheren Bond-Filmen, nicht dasselbe, das Judi Dench als M hatte. Deshalb sieht es nach Vorzimmerdame aus. Aber Moneypenny berät. Natürlich untersteht sie aber einer Hierarchie.

Nicht die einzige nostalgische Note im Film.
Die Bond-Kenner werden sich freuen über die klassischen Elemente, die im Film wiederzuentdecken sind.

Sollen sich die Frauen in den Bond-Filmen noch weiterentwickeln?
Ja. Aber die Balance zu finden, ist nicht einfach. James Bond hat eine Historie, wie sich Mann und Frau gegenseitig begegnen. Als Charakter begeht er den schmalen Grat zwischen dem Huldigen von Vergangenem und dem Modernisieren von Altem. Und gleichzeitig soll man der Marke Bond treu bleiben, weil die Leute die Hinweise auf die Klassiker ja auch mögen. Es ist ein sanfter Fortschritt, der hoffentlich weitergeht.

Viola Davis' Dankesrede bei der Emmy-Verleihung 2015 hat viel zu reden gegeben. Gemäss der How To Get Away With Murder-Darstellerin fehlen schwarzen Schauspielerinnen oft nur die Möglichkeiten, mehr von sich zu zeigen. Wie siehst du dich als Schwarze im Filmbusiness?

Ich bin da vielleicht ein bisschen untypisch. Viele Schauspieler möchten ständig arbeiten und springen von einem Job zum nächsten. So war ich nie wirklich. Ich habe keinen festen Karriereplan. Ich nehme Angebote wie sie kommen. Und wenn es mal nichts zu tun gibt, geniess ich die Auszeit. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich es im Beruf schwieriger habe. Im Gegenteil: Ich hatte Schwein und grossartige Rollenangebote.

Quelle: OutNow.CH

03.11.2015 13:16 / rm


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