"Jurassic World": Das Interview mit Chris Pratt

"Jurassic World" wird heute eröffnet! Zeit also, euch den Hauptdarsteller und Dinoflüsterer extraordinaire vorzustellen. OutNow.CH traf Chris Pratt zum Interview. Geile Siech! Kann sogar Klavier!

Kurz vor dem Interview war im Berliner Luxus-Hotel plötzlich Klaviergeklimper zu hören. Ein kurzer Blick in die Lobby ergab: Chris Pratt sitzt an den Tasten und überbrückt die Wartezeit mit Musik. Er habe einfach ein bisschen improvisiert, sagte er später. Gitarre spielen kann er ja auch. Andy Dwyer, seine pummelige Figur aus der Fernsehserie Parks and Recreation, hatte schliesslich auch eine Band. Diese Rolle bedeutete seinen Durchbruch. Und doch konnte man 2009 nicht ahnen, dass derselbe Schauspieler bei der jährlichen Abrechnung 2014 mit Lego Movie und Guardians of the Galaxy gleich die Hauptrolle in zwei der fünf profitabelsten Filme im US-Kinomarkt ergattern würde.

Wenn man Chris Pratt aber persönlich trifft, wird schnell klar, warum. Er ist ein nahbarer Mittdreissiger, genauso sympathisch wie in seine beliebtesten Leinwandrollen: Bodenständig, aber doch auch eloquent und smart. Im Gespräch mit OutNow.CH spricht er über die seinen unerwarteten Erfolg, die gleichzeitige Rolle als Vater und Sexsymbol. Und natürlich über seinen neuesten Film Jurassic World, der seine Erfolgsreihe mit Sicherheit fortsetzen wird. Ungestört auf dem Klavier zu klimpern in Hotel-Lobbys wird wohl auf Dauer immer schwieriger werden für ihn.

OutNow.CH: Du hast das Jurassic-Park-Original 1993 am Eröffnungswochenende zweimal im Kino gesehen. Wie hast du auf das Rollenangebot für Jurassic World reagiert?
Chris Pratt: Ich war skeptisch. Es war keine Überraschung, dass sie einen neuen drehen wollten: Der Titel ist bekanntlich erfolgreich. Ich fragte Colin Trevorrow, den Regisseur, warum er den Film machen wolle. Seit ich mit Kathryn Bigelow Zero Dark Thirty gedreht habe, stelle ich den Regisseuren immer diese Frage. Er sprach von Themen wie der Gesellschaft, die sich verändert hat, unserer Beziehung zur Wissenschaft, oder der Lektion, die wir gelernt haben sollten. Ich spiele einen Typen, der ein sehr ausgeprägtes Gefühl für die natürliche Rangordnung hat. Die Idee klang komplett originell. Es sollte ein Film sein, der für sich alleine stehen könnte, der aber auch im Windschatten einer bekannten Franchise gemacht wurde. Man kann ihn sich ansehen, ohne die anderen gesehen zu haben. Obwohl ich das natürlich empfehle - denn sie sind grossartig.

Ist die Filmwelt mittlerweile auch wie Jurassic World? Alles muss immer noch monströser werden?
Ja. Grösser, besser, lauter - und mehr Zähne! Wir sind eine Generation, die schwierig zu beeindrucken ist, die vom Profit gesteuert wird und quasi nur noch den Aktionären von fünf bis sechs Megakonzernen etwas schuldig ist. Colin Trevorrow hat das nicht ignoriert, sondern im Laufe der Handlung als Gedanke aufgenommen und durch die Humormängel gedreht - als eine Parabel. Der Park im Film wiederspiegelt das, was den Film überhaupt Realität werden liess. Der genmanipulierte Riesensaurier Indominus Rex ist keine gute Idee für den Vergnügungspark, aber eine grossartige für Hollywood.

Du wurdest schon vor dem Erfolg mit Guardians of the Galaxy für Jurassic World gecastet.
Gleich nach Drehschluss von Jurassic World ging es auf die Presse-Tour zu Guardians of the Galaxy. Sie gingen mit mir ein Risiko ein. Niemand hat erwartet, dass der Film so erfolgreich werden würde. Ich sicher nicht. Marvel ebensowenig. Wir wussten einfach, dass wir etwas Tolles machten. Bis man den Film aber auf der Leinwand sieht, ist man sich nie sicher.

Fühlst du dich als Star?
Es gibt gewisse Anzeichen: mehr Job-Angebote, Zugang zu grossartigen Stoffen und bekannten Filmregisseuren. Presse-Touren wie diese sind auch imposant. Aber ich halte den Ball flach.

Vin Diesel bekam von Steven Spielberg den Tipp, öfter nein zu sagen bei Projekten.
Ja? Steven Spielberg hat mir das nicht direkt gesagt, aber auch ich stelle fest, wie machtvoll es ist, nein sagen zu können. Das ist aber nicht immer einfach. Die meisten Zeit waren es andere, die ja oder nein sagen durften, weil sie mich entweder engagieren wollten oder nicht. Ich betete einfach dafür, dass sie ja sagen würden. Ob nun ein Film für mich was taugte, stand gar nicht in meiner Entscheidung. Ich habe mich für schlicht alles Mögliche beworben. Nun habe ich in die seltene Lage gewechselt, worin ich mir erlauben kann, nein zu sagen. Ich muss nicht mehr zu Castings. Mein erster Gedanke ist nun oft: Ich mache alles! Glücklicherweise habe ich einen wunderbaren Manager, der weise, wählerisch und mit guten Geschmack für mich vorselektioniert.

Du hast dich via Facebook bereits vor der Presse-Tour für allfällige Fauxpas entschuldigt. Hat sich das gelohnt?
Ich hab mich ja weniger für allfällige Fehler prophylaktisch entschuldigt, sondern für die Tatsache, dass der Welt wohl bald meine Visage überall entgegenblicken würde. Sorry dafür! Das war aber eher eine Art satirischer Protest darauf, wie die Dinge heute halt laufen. Ich habe eine dicke Haut, mich bringt nichts aus der Bahn, und ich denke, dass überall irgendeine Spur Humor drinsteckt. So bin ich aufgewachsen. Aber diese Touren können ja ermüdend werden. Und wenn man aus Langeweile einen Witz reist, darf man nicht vergessen, dass jeder Satz, den man sagt, zu einer Schlagzeile werden könnte. Da muss man vorsichtig sein. Ich bin traurigerweise fast zu vorsichtig geworden.

Deine Frau, Anna Faris, hat dich ermahnt, den Andy Dwyer, deine Rolle aus Parks and Recreation, in Dir nicht zu verlieren.
Ich durfte diesen schussligen Idioten als einen spritzigen Sidekick spielen. Andy würde niemals eine komplette Serie tragen können. Er ist ein bisschen wie eine scharfe Sauce. Dazu bracht es auch etwas Poulet, Fisch oder sonst ein Fleisch. Nur oder zuviel Sauce versaut das Gericht. Zum Glück bin ich nicht bei dieser Rolle hängengeblieben. Vielleicht ja auch wegen meiner körperlichen Verwandlung, oder deswegen, weil ich nur eine Nebenfigur in einer nicht überragend erfolgreichen Serie war. Es ist aber wichtig, dass man sich bewusst bleibt, dass viele Leute diese Figur mochten. Ich muss das nun nicht in jede Rolle weiter mit einbringen, aber ich habe Andys Tempo in mir. Er ist ein Clown, den ich spielen kann. In der Rolle des Action-Helden typegecastet zu werden, wäre wohl schwieriger als in der des Andy.

Dein körperliche Transformation vom Schuhputzer Andy zum Muskelheld in "Guardians"und Jurassic World ist frappant. Stört es dich, dass du oft auf dein Gewicht angesprochen wirst?
Das letzte, was man hören möchte, ist ein Schauspieler, der sich über seine Arbeit beschwert. Das gehört zum Job. Nicht nur Gewinn und Verlust von Körpergewicht, sondern auch, dass konstant darüber geredet wird. Ich mache beides gerne.

Wie ist es, als Vater und gleichzeitig Filmstar mit vielen Projekten?
Ich schätze die Frage, weil sie die längste Zeit sie nur Frauen gestellt wurde. Nicht, dass man mich sowas unbedingt fragen sollte, aber ich möchte, dass man Frauen auch andere Fragen stellt. Diese Gleichberechtigung gefällt mir. Schliesslich muss ich auch meine Brustwarzen auf Heftli-Covern zeigen, werde oben ohne und verschwitzt objektifizert. Da ist doch erfrischend, dass es für einmal auch den Mann trifft. Mit dem Sohn ist es aber nicht einfach. Man muss seine Zeit einteilen, man verliert Spontaneität und muss täglich für den Fratz da sein. Es ist sicher leichter als früher. Heute kann man skypen und Bilder schicken. Ich habe gestern im Hotel neunzig Minuten mit meinem Sohn übers Mobiltelefon kommuniziert.

Guardians of the Galaxy 2 kommt. Wie sieht es mit "Jurassic World 2" aus?
Ich höre, dass mich alle danach fragen. Da gibt es bestimmt Diskussionen. Ich hoffe, Jurassic World wird ein Erfolg. Wenn's einen weiteren Teil gibt, bin ich gerne mit dabei unter der Prämisse, dass es nicht gekünstelt wirkt und wieder eine gute Geschichte erzählt wird. Man sollte nicht nur die Leute in den Park zu locken, weil Kinotickets etwas kosten.

Bist du bereit für weitere Marvel-Crossovers?
Ich bin sicher bei Guardians of the Galaxy 2 dabei. Marvel hat die Gewohnheit, die Charaktere zu verschmelzen. Das Marvel-Universum weitet sich immer weiter aus. Ich hoffe, die passen auf, weil ich schon jetzt manchmal denke, dass die Filme vollgestopft mit Figuren sind. Wie zum Teufel wollen die da nochmal fünf reinquetschen? Aber da tragen die schon Sorge dazu. Mich hat man noch nicht gefragt, aber meine Meinung zählt auch viel weniger als die von Marvel.

Wen wirst du beim neuen Die Glorreichen Sieben spielen?
Das wird eine Neuauflage mit neuen Figuren. Am ehesten wohl Toshiro Mifunes Figur aus Seven Samurai oder die von Steve McQueen im Remake - einfach verückter und auffälliger.

Quelle: OutNow.CH

11.06.2015 08:00 / rm


Artikel zum Thema

» Dossier: Jurassic World
» "Jurassic World": Das Interview mit Regisseur Colin Trevorrow


Kommentare zum Artikel

Kommentar schreiben

Du musst dich einloggen oder registrieren um einen Kommentar zu schreiben.

News zu Filmstars und Movies
Verunglückte Kleider, frischverliebte Paare, News, Gerüchte, Klatsch und Tratsch: Filmstars hautnah bei OutNow.CH, die jüngsten Stories der Stars und Sternchen sowie Informationen zur Filmszene insgesamt – OutNow.CH liefert alles.
"Jurassic World": Das Interview mit Chris Pratt
Erster Trailer zu Disneys "Zootopia" (11.06.2015)
R.I.P. Christopher Lee (11.06.2015)
Chris Hemsworth im neuen "Ghostbusters"-Film (11.06.2015)
"Jurassic World": Das Interview mit Chris Pratt (11.06.2015)
Erster Teaser-Trailer zu "Fack Ju Göhte 2" mit Elyas M'Barek (10.06.2015)
Neuer TV-Spot zu Marvels "Ant-Man" (10.06.2015)
"Bad Boys 3" ohne Michael Bay? (10.06.2015)
Ähnliche Artikel
» "Der Unschuldige": Das Interview mit Hauptdarstellerin Judith Hofmann
» "Der Unschuldige": Das Interview mit Regisseur Simon Jaquemet
» Chris Pratt spielt in einem Actionthriller mit von Taylor Sheridan
» "Der Vorname": Das Interview mit Christoph Maria Herbst, Janina Uhse und Justus von Dohnányi
» "Der Vorname": Das Interview mit Regisseur Sönke Wortmann
» weitere Artikel anzeigen