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38. Toronto International Film Festival: Das OutNow-Tagebuch

Dass das Filmfestival von Toronto nicht nur wegen seines Filmprogrammes ein Erlebnis ist, versteht sich von selbst. Die OutNow-Crew berichtet von ihren Erlebnissen - live und unzensiert.

Mittwoch, 4. September 2013 - Mit Josh Brolin nach Kanada und Filmquiz bei der Passkontrolle

Man konnte es ja fast kaum selbst glauben, als man für das Toronto International Film Festival akkreditiert wurde. Immerhin reden wir hier vom grössten Filmfestival der Welt. Man kann nur mutmassen, dass die Berichterstattung von Cannes, Venedig und Berlin bei den Verantwortlichen Eindruck gemacht haben muss. Man - obwohl dieses "man" können wir gleich streichen. Wer schreibt das schon in einem Tagebuch?! Auch das "wir" wird jetzt wohl eher weniger gelesen werden, denn Toronto ist dieses Jahr aus OutNow-Sicht eine One-Man-Show, weshalb man jetzt absofort auf das ach so egoistische "ich" umsteigen wird. Ich ist übrigens crs und dem ist auf dem Hinflug doch tatsächlich Josh Brolin begegnet. George W. Bush, Llewelyn Moss und Jonah Hex sass doch tatsächlich in der Business Class des Air Canada Fluges 879. Viel schwatzen konnte man natürlich nicht, denn aus Kostengründen wurde die Holzklasse gebucht.

Angekommen in Kanada und nach einer geschlagenen Stunde Warten bei der Passkontrolle - immerhin war die "Wartekollegin" eine Reizende - , gab es dann noch ein unfreiwilliges Filmquiz. Der sympathische junge Herr am Schalter wollte natürlich sicher gehen, dass ich keinen Seich auf dem Einreiseformular angegeben hatte und fragte mich, für wen ich arbeite, was unsere Spezialität sei und auf welche Filme ich mich denn am meisten freue. Als er dann noch nach einer kurzen Inhaltsangabe der Filme Prisoners und The Double verlangte, war ich mir nicht mehr wirklich sicher, ob dies noch aus beruflichen Interesse sei und ob ich den Herrn wohl während den nächsten Tagen mal im Kino antreffen werde. Mal schauen. Morgen beginnt auf jeden Fall das Festival mit dem Eröffnungsfilm The Fifth Estate. Das Press Screening dafür wurde übrigens kurzfristig von 11:30 auf 9:30 verschoben. Zum Glück bemerkte ich noch am Vorabend, dass bei der neuen Zeit 9:30 PM gemeint ist und somit der Fehlstart vermieden werden konnte.

Donnerstag, 5. September 2013 - Der Dreh ist raus.

Ach, so läuft das hier
Das Besuch eines Festivals, an dem man noch nie war, ist nicht nur die beste Zeit für Entdecker, sondern bietet auch gewisse Gefahren. Man hat ja schliesslich keine Ahnung, wie das vor Ort so läuft und die Angst schwingt mit, dass plötzlich Probleme auftauchen, mit denen man nur schwer klar kommt - so nicht in Toronto.

Am ersten Festivaltag musste ich feststellen, wie easy das hier alles abläuft. Das Scotiabank Cinema, wo die meisten Pressevisionierungen stattfinden, ist ein Multiplex mit 14 Sälen und einem IMAX, das wenig beeindruckt von den vielen Journis knallhart sein Programm durchzieht. Das heisst, dass man auch als hungernder Schreiberling Popcorn, Süssgetränke und auch den so wertvollen Kaffee in der Lobby kaufen und ihn mit in den Saal nehmen kann - in Cannes unvorstellbar.

Was jedoch am meisten überrascht, ist, wie einfach man in die Screenings reinkommt. Für Don Jon war ich 30 Minuten vor dem Start beim Saal. Die Türen waren schon geöffnet und gute Plätze noch en masse vorhanden. Bei Kill Your Darlings dasselbe Bild. Doch wie läuft das genau bei den Priority Screenings, wo zuerst die Privilegierten den Saal füllen dürfen, bis dann der Rest auch rein kann? Mit den Erlebnissen von Cannes im Kopf bin ich also zwei Stunden lang für The Fifth Estate angestanden. Zwei Minuten vor Filmstart hätten jedoch auch locker gereicht. Das bedeutet also, dass ich in den kommenden Tagen wohl kaum grösserem Stress ausgesetzt bin und mit Ruhe und Gemütlichkeit das Festival geniessen kann. Als dann auch noch festgestellt wurde, dass das Wi-Fi in den Kinos offen und gratis ist, war es dann soweit: TIFF, I love you.

Freitag, 6. September 2013 - Lost in Toronto

Bisher war ich mehrheitlich davon begeistert, wie wunderbar einfach hier alles in Toronto funktioniert. Die Filme waren dabei fast schon Nebensache und deshalb störte es auch nicht, dass von den ersten fünf Filmen gerade einmal einer von mir das Prädikat "gut" erhalten hat. Doch das sollte sich ändern...

Denn am Abend des zweiten Festivaltages stand Prisoners an. Genau, das ist einer der Filme, für die ich zwei Tage zuvor dem Passkontrolleur eine Inhaltsangabe machen musste. Auf jeden Fall war ich gespannt, ob es Regisseur Villeneuve gelungen ist, die Intensität seines Vorgängerwerkes Incendies auch bei seinem US-Debüt hinzubekommen. Die Antwort ist ein überdeutliches ja. Dieses war nach dem Verlassen des Kinos so überdeutlich, dass ich völlig in Gedanken versunken, durch die Strassen von Toronto gelaufen bin, um das Gesehene einzuordnen. Was für ein verstörend-guter-Film! Aber ist er in der gleichen Liga wie Se7en oder Silence of the Lambs? Ging am Ende wirklich alles auf? Wann hatte ich das letzte Mal so was Brutales im Kino gesehen? Was hat dieser Film in mir ausgelöst und vor allem: Wo bin ich jetzt wieder gelandet?

Deshalb die Aufforderung an den Schweizer Verleiher von Prisoners folgendes aufs Poster zu schreiben: "Dieser Film wird sie fertigmachen! Bitte nehmen sie ihr GPS mit!"

Samstag, 7. September 2013 - Aus die Maus für Mandela

Jerry and me
Dass ich einen verstörenden Vorabend hatte, schien das Festival nicht gross zu interessieren. Am Samstagmorgen läutete deshalb um 6:30 der Wecker und das Bedürfnis nach einer grosses Tasse Kaffee war das erste, dass mir durch den Kopf schoss. Immerhin stand heute ein langer Tag mit langen Filmen an. 116, 117 und 152 Minuten waren die im Programmheft angegebenen Längen der drei Filme, die ich mir ansehen wollte.

Der 152-er ist übrigens das Biopic Mandela: Long Walk to Freedom, welches aus irgendwelchen Gründen nur einmal am Festival zu sehen sein wird. Aus diesem Grund wollte ich natürlich nichts riskieren und war zwei Stunden vor Filmstart schon am Anstehen - wobei "Ansitzen" es eher trifft. Auf jeden Fall schrieb ich dann fröhlich an meinen noch offenen Kritiken, bis mich in etwas bei der linken Kniekehle kitzelte. Die Überraschung war gross, als ich wenig eine kleine Maus an genau jener Stelle erblickte. Mausplage in Toronto? Ist nicht gerade ein kleiner Junge mit Flöte im Haus? Das Tier zog weiter und schaute zwischendurch immer mal wieder bei mir vorbei. Putzig war es ja schon, aber die Fokussierung auf die Arbeit fiel so etwas schwer.

Immerhin wurden wir Journis dann schon 45 Minuten vor Filmstart in den Saal gelassen. Genau 90 Minuten später, also 45 Minuten im Film, war dann jedoch fertig. Plötzlich ging der Ton weg und wenige Sekunden später verkündete uns ein netter Herr, dass es technische Probleme mit dem Film gäbe und das Screening jetzt abgebrochen werden muss. Seltsam, denn mir ist nichts aufgefallen, was diesen Entscheid irgendwie rechtfertigen würde. Was ist nur mit diesem Mandela-Film los? Zuerst nur ein einziges Screening ansagen und dieses dann abbrechen? Wird der Film nach 45 Minuten furchtbar und wollten die Macher so die Kritikerschelte verhindern? Oder hatte meine kleine Maus - nennen wir ihn mal Jerry - etwa seine kleinen Zähnchen im Spiel?

Ich werde es herausfinden, denn eine Stunde später kam das Mail mit den Daten für das Wiederholungsscreening: Noch am selben Abend um 22:15 im kleinsten Saal des Kinos. Das bedeutet noch länger anstehen als zuvor, aber damit auch die Erhöhung der Wahrscheinlichkeit auf ein Wiedersehen mit meinem Freund Jerry.

Quelle: OutNow.CH

04.09.2013 00:00 / crs


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