"Star Trek Into Darkness": J.J. Abrams im Interview

Der Abschluss der Reihe von OutNow.CH-Interviews zum grandiosen Sci-Fi-Spektakel anlässlich der Premiere in Berlin. Als Krönung sprachen wir mit dem Regisseur: TV- und Kino-Mastermind J.J. Abrams.

J.J. Abrams am Set von "Star Trek Into Darkness"

J.J. Abrams am Set von "Star Trek Into Darkness"

Trotz seiner Erfolge als TV-Produzent und Kino-Regisseur ist J.J. Abrams (Alias, Lost, Cloverfield, Mission Impossible III) bescheiden geblieben. Mit einer Tasse Tee betrat er das Hotelzimmer fürs Interview und schüttelte erstmal allen Journalisten die Hand. Seine Freude über die Komplimente wirkte aufrichtig, und unter seinen kaum zähmbaren Trademark-Locken blitzte im Gespräch ein wacher Geist auf. Sehr bedacht darauf, dass keine Spoilers an die Leser weitergereicht werden, sprach er nicht nur über Star Trek Into Darkness, sondern auch sein nächstes Grossprojekt: Star Wars: Episode VII.

OutNow.CH (ON): Was war schwieriger: das Re-Booten der Franchise oder den zweiten Teil zum erfolgreichen Star Trek zu drehen?
J.J. Abrams (JJ): Beides war nicht einfach. Beim Re-Boot mussten viele archtypischen Figuren zuerst mal gecastet werden. Ich bin froh, musste das nicht nochmal sein. Beim zweiten Teil standen wir in unserem eigenen Schatten, weshalb wir Star Trek Into Darkness als eigenständigen Film behandelten und nicht als Sequel, worauf man sich freut, wenn man den ersten Teil kennt. Wir wollten einen Film sowohl für Moviefans als auch für Star-Trek-Fans machen. Wenn man sich ein bisschen mit der Serie auskennt, profitiert man zwar, es ist aber keine Grundvoraussetzung.

ON: Kirks finale Ansprache wirkt wie ein politischer Kommentar. War das gewollt?
JJ: Für mich hat jede Art von Genre-Unterhaltung die Verantwortung, eine relevante Geschichte zu erzählen. Die Monster-, Action-, Horror- oder Sci-Fi-Filme, die einem hängenbleiben, beinhalten meist einen Kommentar zur Lage, in der wir uns gerade befinden. Wir wollten sicher keinen polemischen Film machen, aber eine Geschichte erzählen, die neben dem Spass, dem Abenteuer und der Romantik auch im Jetzt verankert ist.

ON: Was waren deine Gedanken, als im Skript frühere Star-Trek-Filme zitiert wurden?
JJ: Es war knifflig, die Story-Elemente früherer Geschichten herauszusuchen, die man borgen konnte. Wenn man einen Film "Star Trek" nennt, müssen da auch genügend Verbindungen bestehen, damit sich der Titel "Star Trek" rechtfertigt. Natürlich basiert er auf bekannten Charakteren. Aber was hilft uns sonst noch weiter, was kann weg? Der Trick war, frühere Filme so zu zitieren, dass es in jedem Fall funktioniert: Für die völlig Unbefleckten als auch die, welche mit Staunen erkennen, mit welchen Ideen wir rumspielen.

ON: Die ersten beiden Filme schneiden schon vieles an, das einfach rein musste, damit die Trekkies keine Mordfantasien bekommen. Würdest du bei einem möglichen dritten Teil gerne die Freiheit nutzen, wirklich neue Welten zu erobern? "To go were no man has gone before", wie es in der Original-Serie so schön heisst?
JJ: Natürlich fragen sich die Autoren/Produzenten und ich ständig, wie der Film ankommt. Wir fällen unsere Entscheidungen aber nicht, um dem Zorn der Fans zu entgehen, sondern indem wir uns da auch aufs Bauchgefühl verlassen. Falls einmal Bedarf für einen dritten Teil besteht, würden wir wohl weiter auf unser Innerstes hören, aber auch immer wieder zurückschauen, was es schon mal gab. Wenn man sich mit etwas befasst, das ein Vermächtnis darstellt, muss man auch die liebgewonnenen Elemente der Fans respektieren.

ON: Wäre ein dritter Teil für dich zeitlich überhaupt möglich?
JJ: Es kommt auf den Zeitplan an und darauf, was Paramount gerne möchte. Wir reden ganz ungezwungen über Ideen. Ich würde definitiv als Produzent agieren und wäre sehr eifersüchtig auf den, der mit der Star-Trek-Crew einen weiteren Film drehen darf. Star Trek und Star Wars kann ich aber bestimmt nicht gleichzeitig drehen.

ON: Du warst bei Drehbeginn nicht als Star-Trek-Fan bekannt. Wie hat sich deine Beziehung zur Franchise mittlerweile geändert?
JJ: Ich mochte die Herausforderung sehr, Star Trek zu etwas zu machen, das mir gefällt. Das Team war ein Traum. Und obwohl ich wohl nie so fanatisch wie Bob Orci [Anm.: einer der Autoren des Films] werde, sind mir die Charaktere und ihre Welt ans Herz gewachsen. Wenn ich heute die Original-Serie schaue, fühle ich mich als Teil der Familie.

ON: Du hast die Möglichkeiten der höhere Frame-Rate für Star Trek ausgeschlagen. Auch von 3D warst du nicht komplett überzeugt. Fühlst du dich in Hollywood schon wie ein Dinosaurier?
JJ: Ich liebe Technologie. Das iPad fasziniert mich immer wieder und erleichtert meine tägliche Arbeit ungemein. Technik hilft bei der Konstruktion von Sets. Ich bin auch nicht per se gegen die digitale Kamera. Es gibt etwa 80 Szenen im Film, die digital gedreht wurden. Mich nervt es, wenn die Ästhetik nicht mehr gleichwertig ist. Mein Problem sind digitale Aufzeichnungen, die ganz ohne herkömmliche Filmrolle auskommen. Denn letztere sollte eigentlich den ästhetischen Standard setzen. Ein Beispiel ist der Kampf von Spock gegen Harrison gegen Ende des Films. Wir haben die Barge, auf der sie kämpfen, wirklich gebaut. Wir drehten draussen mit einem Helikopter und Kran-Kameras. Es gab richtigen Wind, richtigen Rauch, Sonnenlicht und Schauspieler auf einem beweglichen Set - mit etwas Green Screen. Es gab soviel Echtes am Set, dass die digitale Kamera eigentlich nur die realen Kamerabewegungen, die echte Interaktion, die Atmosphäre veredelt hat. Das Digitale folgte dem Analogen. Das Spektakel war schon am Set zu spüren. Ohne das herkömmliche Filmen verlieren wir diese Vergleichsmöglichkeit.

ON: Du fügst gerne Easter eggs in deinen Filmen ein. So auch hier. Was hat es mit der Zerstörung von Alcatraz auf sich?
JJ: Wir hatten ja diese Fernsehserie gleichen Namens, die nicht ganz so funktioniert hat, wie wir uns das vorstellten. Ich dachte, ich könnte die ganze Geschichte mal so auf den Punkt bringen. [Er lacht.] Es gibt aber Easter eggs. R2-D2 ist zum Beispiel wieder zu sehen. Ich darf aber nicht verraten, wo. Er kommt in all meinen Filmen vor. Ich liebe diese kleinen Hints fürs Publikum. Slusho, das fiktive Getränk, das wir erfunden haben, kommt zum Beispiel wieder vor als Icon in einer Bar. Es gibt Namen auf Gebäuden. Kleine Dinge, die uns viel bedeuten, für andere aber komplett irrelevant sind.

ON: Hast du dir einmal überlegt, wie es wäre, in den Sechzigerjahren TV zu machen, zur Zeit, als Star Trek entstand?
JJ: Es ist cool, wenn man sich mit William Shatner und Leonard Nemoy trifft und über die Original-Serie diskutiert. Es war eine andere Zeit, mit regelmässig 30 bis 40 Millionen Zuschauern pro Folge, weil es einfach nichts anders gab. Was ich immer sehr lustig fand, dass am Ende der Original-Folgen jeweils Desilu Productions stand. Desliu gehörte Lucille Ball. Und die Komikerin aus I Love Lucy würde man zuletzt mit Star Trek in Verbindung bringen. Aber Nemoy hat mir erzählt, wie knausrig die Studios damals waren. Um 18 Uhr wurde jeweils der Strom abgestellt, und man musste teils mitten in der Szene nach Hause. Eines Tages sassen Shatner und Nemoy in ihrer Star Trek Kluft beim Zmittag, und Lucille Ball kam vorbei, um sich zu entschuldigen. Es folgte eine smarte Disussion über die Wirtschaftlichkeit einer Produktion. Dieses Bild finde ich grossartig: Kirk und Spock sprechen mit Lucy über Geld. Schlicht cool! Ich denke oft über diese Ära nach und spreche gern mit Leuten aus der Zeit. Meine Lieblingsserie The Twilight Zone existierte damals bereits. Manchmal ist es schade, dass die Zeiten sich ändern.

Quelle: OutNow.CH

09.05.2013 10:15 / rm

Links zum Thema:

» Die OutNow.CH-Review zu "Star Trek Into Darkness"
» Interview mit Alice Eve und Simon Pegg


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