Urban Explorer: Das Interview mit Andy Fetscher am NIFFF 2011

Anlässlich der Schweizer Premiere von "Urban Explorer", Teilnehmer am Internationalen Wettbewerb des NIFFF 2011, trafen wir Regisseur, Kameramann und Editor Andy Fetscher zum Interview.

Andy Fetscher: Regie, Kamera, Schnitt

Andy Fetscher: Regie, Kamera, Schnitt

OutNow.CH (ON): Dein Film punktet mit einer fantastischen Location, der verlassen Untergrundwelt Berlins. Woher stammte die Idee dazu?

Andy Fetscher (AF): Sie wurde an mich herangetragen, nachdem ich nach Abschluss meines Studiums von Stuttgart nach Berlin übergesiedelt bin. Schon während meiner Studienzeit bin ich mit Kollegen in verlassene Fabrikhallen und Bunkeranlagen eingestiegen. Das war immer sehr faszinierend, geheimnisvoll und "scary". Ich hatte sogar mal ein prägendes Erlebnis, nämlich als wir eingeschlossen wurden, ohne Handys usw. Das war mit einem Mädchen damals...

ON: Soso, allein mit einem Mädchen, hört sich interessant an...

AF: (lacht) Das war tatsächlich irgendwie romantisch, aber auch verdammt scary, wie in einem Horrorfilm eben. Ausserdem hatte ich selber in Berlin schon ein paar Explorings gemacht und aufgrunddessen war ich natürlich sofort Feuer und Flamme für das Projekt.

ON: Der Dreh war nicht nur körperlich strapazierend, sondern es gab sogar Verhaftungen einzelner Teammitglieder. Aus welchem Grund?

AF: Der Dreh selber war ja eigentlich nichts anderes als ein Urban Exploring. Wir hatten natürlich die Bewilligungen, allerdings nicht für alle Bereiche. Zum Beispiel gibt es da unten versiegelte Türen, die man nicht öffnen darf. Aber wenn man sich den Ethos der Urban Exploration vor Augen hält, dann finde ich diesen sehr respektabel und bin dementsprechend der Meinung, dass es eigentlich keine Orte geben sollte, die man der Öffentlichkeit vorenthalten darf. Vor allem, wenn es historisch aufgeladene Ort sind. Und so haben wir uns dann halt das eine oder andere Mal den Weisungen widersetzt und sind in versiegelte Räume eingestiegen, was zur Folge hatte, dass ich und ein paar andere Teammitglieder eine Nacht hinter Gittern verbringen mussten.

ON: Habt Ihr den Film in Englisch gedreht, weil der deutsche Markt hier nicht gross etwas hergeben wird und ihr direkt den englischsprachigen Raum ansteuern wolltet?


AF: Natürlich hatten wir von Anfang an die englischsprachigen Länder im Fokus, aber auch Deutschland und andere Länder. Wir finden, der Markt ist reif für Horror. Und wir hatten ja auch eine komplett internationale Truppe beisammen, sei es im Cast als auch bei der Crew.

ON: Die Besetzung ist sehr gut zusammengestellt. Wie lief das Casting ab? Ein langer Prozess?

AF: Nicht wirklich. Wir hatten das Glück, über eine hervorragende Casting-Agentin in den USA zu verfügen. Von ihr bekamen wir Vorschläge zugeschickt, und darunter waren Nathalie Kelley und Nick Eversman, die für uns gleich zu den Favoriten zählten und die wir am Schluss dann auch für die Hauptrollen gecastet haben. Die beiden sind zwar unterschiedliche Typen, aber für unsere Geschichte waren sie perfekt. Vielleicht kennt ja jemand Nathalie aus The Fast and the Furios: Tokyo Drift. Sie hatte demnach sogar schon Erfahrung mit einer Big-Budget Hollywood Produktion. Sie war total begeistert von unserem Film und es war toll
mit ihr zu arbeiten.

ON: Max Riemelt ist der bekannteste Name im Cast. Wie habt ihr ihn gekriegt?

AF: Das ging eigentlich ganz schnell. Wir haben ihm das Drehbuch geschickt, und er hat sich sofort entschieden mitzumachen. Ich denke, er war eigentlich ganz froh, nach all den deutschen Stoffen, auch einmal in Englisch drehen zu können.

ON: Den Volltreffer habt ihr ja definitiv mit Klaus Stiglmaier in der Rolle des Armin gelandet. Wo habt ihr denn den gefunden?

AF: Zu Klaus muss man sagen, dass das ein wirklich extrem kluger, gebildeter Mann ist, der schon unheimlich viel erlebt hat in seinem Leben. Er war unter anderem lange Zeit in Afghanistan und hat dort Sachen sehen müssen, die man lieber gar nicht wissen will. Der Umgang mit ihm war nicht nur leicht, der Mann konnte schon mal ungemütlich werden. Es gab Leute ihm Team, die hatten regelrecht Angst vor ihm, Nathalie zum Beispiel, die hatte anfangs sogar tierische Angst vor ihm. Klaus ist aber eigentlich ein Entertainer, der macht sogar Stand-Up-Comedy in Bayern. Mir wurden Aufnahmen von seinen Auftritten gezeigt, und da wusste ich, der ist es!

ON: Was war ein prägendes Erlebnis für dich, in Bezug auf Horrorfilme?

AF: Als Kind habe ich mit meinem grösseren Bruder zusammen Alien geschaut. Die Szene, in der Ian Holm als Android durchdreht und am Schluss nur noch dieses weisse Zeugs aus ihm herausspritzt, hat es mir damals irgendwie angetan. Ich habe etliche Male zurückgespult und sie mir wieder und wieder reingezogen. Das war wohl der Auslöser für meine Horror-Leidenschaft.

Quelle: OutNow.CH

07.07.2011 17:30 / mvf


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