Sleeping Beauty: Interview mit Mary Costa

Dieses Jahr feiert der Disney-Klassiker Sleeping Beauty den fünfzigsten Jahrestag seines Erscheinens. Grund genug für OutNow.CH, sich mit der Leadstimme der Prinzessin in Verbindung zu setzen, und sie ein bisschen über die damalige Zeit auszufragen. Mary Costa, eine aufgeweckte Dame über Siebzig, sprach mit uns aus ihrem Haus in Texas und erzählte, wie es war, als sie Walt Disney persönlich am Telefon hatte, wie die Dreharbeiten zum Film waren und welches ihr Lieblingsfilm aus dem Hause Disney ist.

OutNow.CH (ON): Sleeping Beauty wurde vor 50 Jahren veröffentlicht. Und wir sprechen noch immer darüber. Wie toll ist das denn?

Mary Costa (MC): Sehr toll und ich bin sehr erfreut über diese Tatsache. Diese neue Version ist wohl genau diejenige, die Walt Disney schon immer machen wollte. Mit all der neuen Technologie wurde aus dem Film nochmals ein Meisterstück, und ich kann es kaum erwarten, es nochmals zu schauen.

ON: Du hast für die Sing- und Sprechrolle der Prinzessin vorgesprochen. Wie muss ich mir dieses Vorsprechen vorstellen? Wie war das damals?

MC: Ich hatte einen Auftritt die Nacht davor. Ich war Barsängerin und als die Liederliste bei "When I fall in Love" angekommen war, sang ich so laut ich konnte. Der Musical-Director der Disney Studios war auch dort und kontaktierte mich nach dem Set. Er fragte, ob ich am nächsten Morgen nicht für ihn und seine Geschäftspartner singen könnte, und so fuhr mich meine Mutter am nächsten Morgen dahin. Da waren viele Leute, dabei wollte ich hauptsächlich Walt Disney treffen. Der Gesangsteil ging ohne Probleme, aber sie fragten mich, ob ich etwas gegen meinen Südstaatler Akzent machen könnte. Ich hatte mit meinem Vater immer den Britischen Akzent trainiert, und so konnte ich in perfektem Britischen Englisch die Frage beantworten. Das überzeugte ihn, dass auch eine Südstaatlerin wie eine Prinzessin reden konnte.

ON: Walt Disney hat dich am nächsten Tag persönlich angerufen und dir mitgeteilt, dass du die Rolle hattest. Wie war das für eine junge Frau wie dich? Ein Traum, der wahr wurde?

MC: Ich lebte mit meiner Mutter und Cousins in Glendale, einem Vorort von Los Angeles. An diesem Tag hatten wir alle Anrufe erwartet, und wenn das Telefon klingelte, rannte meine Mutter sofort hin und antwortete, bevor sie plötzlich mit offenem Mund stehen blieb. Walt Disney war dran und fragte, ob sie erlauben würde, dass ihre Tochter die Rolle übernehmen würde. Ich durfte dann auch an den Hörer und sagte wie ein vierjähriges Mädchen: "Hallo Mister Disney. Ja, ich würde sehr gerne die Rolle für sie spielen". Meine Knie haben gezittert, und sobald ich den Hörer aufgelegt hatte, begannen wir alle schreiend durchs Haus zu rennen.

ON: Die Produktion von Sleeping Beauty dauerte sieben Jahre. Wie streng war diese Zeit für dich persönlich?

MC: Die Stimmaufnahmen fanden von 1952 bis 1955 statt. Das war eine sehr strenge Zeit. Das Singen war nicht so hart, aber die Gestaltung der Figur. Walt Disney sagte mir, ich müsse den Charakter so gut kennenlernen, dass ich mich selber wie eine Prinzessin fühlen würde. Zu dieser Zeit nahm man zuerst den Gesang auf und dann erst die Animation. Und weil Disney damals an seinem Disneyland arbeitete, war er nicht gross in die Produktion involviert. Meine Arbeitszeiten waren auch sehr unregelmässig. Sie baten mich, einen Song zu singen, und dann musste ich wieder für eine Woche nach Hause, bevor sie mich wieder aufboten.

ON: Wie hast du dich auf eine Produktion wie Sleeping Beauty vorbereitet?

MC: Gar nicht. Walt Disney legte mir ans Herz, dass ich nichts mit meiner Stimme tun sollte. Er war überzeugt von der Reinheit der Stimme und liebte sie, wie sie war. Ich ging also jeweils völlig unvorbereitet ins Studio.

ON: Ich habe gelesen, dass die Inspiration für den Körper der Prinzessin von Audrey Hepburn kam. Stimmt das?

MC: Das weiss ich ehrlich nicht. Ich bin ein grosser Fan von Audrey Hepburn, aber ich habe nie von dieser Inspiration gehört. Ich wurde vielfach gezeichnet, als ich am singen war. Und als ich den Film damals mit meiner Mutter ins Kino anschauen ging, sagte sie, dass die Prinzessin wie ich aussehen würde. Von dem her würde ich sagen, sie haben auch ein bisschen von mir in die Figur einfliessen lassen.

ON: Wenn du auf deine imposante Karriere zurück blickst, würdest du sagen, dass die Arbeit an Sleeping Beauty ein Höhepunkt war?

MC: Es war etwas Neuartiges mit kreativen Genies. Ich genoss es auch, mit Eleanor Audley zu arbeiten, welche ja die Stiefmutter sprach. Wir sind gute Freunde geworden und ich glaube, diese Arbeit hatte schon Einfluss auf meine kommenden Rollen in der Oper. Ich habe 44 Opern gesungen, immer in anderen Rollen. Aber die Arbeit an diesem Film war definitiv ein Höhepunkt in meinem Leben und hat mir sehr geholfen bei meiner Karriere als Opernsängerin.

ON: Deine Handabdrücke sind im Disney Legend Plaza in den Disney Studios ausgestellt. Ist das etwas, dass du deinen Freunden und Verwandten jeweils zeigst, wenn ihr dort zu Besuch seid?

MC: Klar! ("lacht laut auf"). Sie können da nicht hineingehen, ohne meine Handabdrücke zu sehen. Das Studio hat mir in einer herrlichen Zeremonie auch noch einen "Legend-Award" gegeben. Der war so schwer, dass ich ihn beinahe fallen gelassen habe. Das ganze Publikum hat laut gelacht. Das war so ein netter Abend.

ON: Bist du noch immer in Disneyproduktionen involviert? Welche Projekte hast du sonst noch am laufen?

MC: Ich arbeite viel mit jungen Leuten. Weisst du, ich begleite sie beim Singen und führe sie ein bisschen an die Stücke ran. Das gefällt mir sehr gut und ist wunderbar.

ON: Haben wir noch Zeit für die Pop-Ups?

MC: Klar, schiess los!

ON: Märchen

MC: Der Prinz

ON: Oper

MC: Manon

ON: Die Schweiz

MC: Basel, die Wirkungsstädte von Silvio Varviso, einem sehr guten Freund von mir. Er starb 2006 und war der Direktor der Pariser Oper für 12 Jahre. Ich habe nur gute Erinnerungen an die Schweiz.

ON: Internet

MC: Googlen

ON: Der schönste Disneyfilm, ausser Sleeping Beauty?

MC: Ach, ich liebe sie alle. Als ich sechs Jahre alt war, lief ich immer wie Snow White herum. Letztes Jahr genoss ich Enchanted und erst kürzlich hab ich Wall-E gesehen. Die sind alle so fantastisch. Aber wenn ich einen einzigen Film nennen müsste, dann wäre das wahrscheinlich Fantasia.

ON: Dean Martin and Jerry Lewis

MC: Lustige Kerle.

ON: OutNow.CH

MC: Sehr nett, tolles Interview. Schweiz!

Quelle: OutNow.CH

09.10.2008 00:00 / muri


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