Besucherrekord am Bieler Filmfestival FFFH

Die 3. Ausgabe des Festival du Film Français d'Helvétie kam am Wochenende zum Abschluss.

Rund sechstausend Besucher verzeichnete die dritte Ausgabe des Festival du Film Français d'Helvétie (FFFH), das vom 26.9.07 bis am 30.9.07 in Biel stattfand- eine massive Steigerung im Vergleich zu den Vorjahren. Bereits am Donnerstag morgen, zum Zeitpunkt der ersten Pressevisionierung, waren die ersten Vorstellungen ausverkauft und potenzielle Gäste mussten abgewiesen werden. Dementsprechend war in den vordersten Rängen der beiden Säle des Bieler Kinos Rex auch oft die Rede vom berüchtigen torticolis, beziehungsweise dem Äckegstabi.

Dieser Grossaufmarsch des Publikums erstaunt etwas, wenn man bedenkt, dass viele Produktionen aus Frankreich zum Zeitpunkt, da sie das FFFH als "première alémanique" zeigt, ihre Kinorunde in der Romandie bereits hinter sich haben. Die Exklusivität etlicher Filme hält sich also in Grenzen, bzw. an der Sprachgrenze. Da die Bieler Kino-Uhren im Normalfall aber nach deutschschweizer Zeit ticken, stösst das frankophone Angebot beim lokalen Publikum auf reges Interesse. Und schliesslich zeigt das Festival ja auch noch einige "premières mondiales", die auch welschen Augen bislang vorenthalten waren.

Das (übrigens wettbewerbslose, aber podiumsreiche) Festival hat es sich zur Aufgabe gemacht, das aktuelle französische Filmschaffen in all seinen Schattierungen zu präsentieren; und dementsprechend vielfältig waren auch dieses Jahr die vertretenen Filmgenres. Als Eröffnungsfilm entpuppte sich 1 journée mit Natacha Régnier und Bruno Todeschini als ein fein beobachtetes, intimes Alltagsdrama mit einer durchdachten Erzählstruktur und einem beschränkten Hang zur dramatischen Überspitzung - eine Kategorie, in die sich auch die Beiträge Nue propriété mit Isabelle Huppert, Pas douce mit Isild Le Besco sowie Très bien, merci mit Sandrine Kiberlain und Gilbert Melki einreihen lassen.

Claude Lelouch war persönlich in Biel anwesend, um seinen neusten Spielfilm Roman de gare vorzustellen, eine ziemlich leichte und für lelouchsche Verhältnisse angenehm unprätentiöse Krimikomödie rund um eine Erfolgsautorin (Fanny Ardant) und ihren (angeblichen?) Ghostwriter (Dominique Pinon). Lelouch ist anscheinend nach einer längeren Irrfahrt in geschwätzige und allzu kitschige Gefilde wieder bei sich selbst angekommen, und das ist gut so.

Ebenfalls bei seinem Leisten geblieben ist der zweite grosse Claude des französischen Kinos: mit La fille coupée en deux bewegt sich Claude Chabrol voll und ganz auf seinem altebekannten Territorium. Der Bonvivant spielt wie eh und je auf der Hitchcock-Klaviatur, kratzt etwas am Lack der ländlichen Bourgeoisie und delektiert sich daran, verdorbene Figuren in den Dreck rennen zu lassen. Neben einem exaltiert agierenden Benoît Magimel und einer als Objekt der Begierde eingesetzten Ludivine Sagnier ist es vor allem der vielbeschäftigte François Berléand, der mittlerweile den Eindruck macht, er sei allein auf die Welt gekommen, um für Chabrol zu spielen.

Auch der dritte Claude im Bunde - Claude Miller - greift für sein neustes Werk auf die Dienste von Frau Sagnier zurück. Der als Abschlussfilm gezeigte Un secret ist die Verfilmung von Philippe Grimberts gleichnamigem, autobiografischen Roman, der das Schicksal einer jüdischen Familie zur Zeit der Besatzung in Frankreich erzählt. Ein starkes, dramatisches Stück, das seiner komplexen Thematik auf vielschichtige Weise gerecht wird, ohne deshalb den Spannungsbogen jemals abschlaffen zu lassen.

Der französische Dokumentarfilm war am FFFH mit den beiden Werken L'avocat de la terreur und dem besonders gelungenen Retour en Normandie vertreten. Nicolas Philibert hat sich nach dem Grosserfolg von Etre et avoir einen ganz persönlichen Film gegönnt, der trotz seinem nicht sonderlich attraktiven Gegenstand (Philibert besucht die Laiendarsteller eines Spielfilms, an dem er in den Siebzigern mitgearbeitet hat) auf der ganzen Linie gelungen ist.

Eher auf ein jugendliches Publikum ausgerichtet waren am FFFH Beiträge wie der Thriller Chrysalis , das Banlieu-Drama 13m2 und vor allem die überschrille Werbesatire 99 francs von Jan Kounen.

Eine herbe Enttäuschung war hingegen die Weltpremiere der Beziehungskomödie Détrompez-vous - ein ultraklassisches Vaudeville zum Thema Seitensprung, in dem sich zwei Paare im Bett überkreuzen und dabei jedes erdenkliche Klischee zum Thema breitwalzen, ohne dass die Geschichte jemals wirklich frech oder deftig würde. Das hat man - insbesondere aus Frankreich - schon hundert Mal gesehen, und zwar hundert Mal besser. Da sich das FFFH aber nun einmal vornimmt, das ganze Panorama des französischen Films abdecken zu wollen, ist es nur konsequent, wenn auch ein solches Werk zur Aufführung gelangt, denn schliesslich entstehen solche Liebhaber-im -Schrank-Schwänklein im Hexagon nach wie vor am Laufmeter. Und wie das Bieler Premierenpublikum mit seinem Gelächter bewies - viele haben noch nicht genug davon.

02.10.2007 08:33 / juz

Links zum Thema:

» Die Website des Festival du Film Français d'Helvétie


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