Antraben zum Start des Zurich Film Festival

Grosse Parade der einschlägig Bekannten am Roten Teppich des ZFF-Eröffnungsabends.

Die Beiden hatte OutNow.CH am liebsten!

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Wo vor zehn Minuten noch Techniker mit roten Teppichfetzen herumrannten und eilig Zurich Film Festival-Logos aufklebten, stiefelt um halb Acht der erste Gast über den "red carpet". Es ist Elmar Ledergerber, "Stapi vo Züri", der sich nun ausgiebig Zeit für jedes Mikrofon nimmt, das ihm ins Gesicht gestreckt wird. Er gibt seiner Überzeugung Ausdruck, dass die Filmfestivals in Locarno und Zürich sich nicht konkurrenzieren und betont, wie freundschaftlich die Beziehung zu der Tessiner Stadt sei. Es habe in der Schweiz genug Platz für zwei Festivals. Dass es noch viele weitere Festivals gibt, wischt er locker unter den Teppich. Ledergerber lobt lieber "seine" Zürcher Filmstiftung, die in Zürich den neuen Wirtschaftszweig der Filmemacher ermöglicht habe (obwohl es die Filmstiftung erst seit drei Jahren gibt). Eigentlich - so Ledergerber - müsste jedoch am Festival nicht ein goldenes Auge, sondern ein goldener Löwe verliehen werden. Etwas später wird Beat Schlatter in die Kameras sagen, er fände ein goldenes Auge nicht schlecht, eine goldene Nase wäre auf alle Fälle dümmer.

Nervös werden die Fotografen erstmals bei der kleinen grossen Stephanie Glaser, die immer noch strahlt und gerne posiert. Der herumstehende Ledergerber lobt Die Herbstzeitlosen, was Glaser zu der Aussage veranlasst, Bettina Oberli hätte das goldene Auge verdient. Oberli - einzige Frau in der Festival-Jury - wird zwanzig Minuten später mit ihrem Partner, Kameramann Stéphane Kuthy, erscheinen und sagen, dass Bonnie & Clyde sie geprägt habe. Zwischendurch kommen immer mal wieder Schwälle von hübsch gekleideten Unbekannten und Missen und Misters über den Teppich gerauscht. Dank der netten 20-Min-Dame neben mir weiss ich auch, wie die alle heissen. Erwähnenswertes geben sie jedoch nicht von sich. Ich sage nur: BurriFässlerGerberGutmannIsmailovicMcKayWielandt. Im Hintergrund läuft pathetische Filmmusik.

Heinz Spoerli - Leiter des Zürcher Balletts - grinst professionell in die Kameras, Roman Camenzinds Lippe zuckt nervös beim Kameralächeln, und Michael Steiner erscheint mit asiatischer Begleitung. Karin Lanz zieht auf Wunsch der Fotografen gerne das Jäckli aus, und gibt zu Protokoll, Zürich sei zwar nicht Basel, aber auch schön. Als wiedermal alle Fotografen nach links hechten, und ich nur mit fragendem Blick dastehe, flüstert mir die 20min-Dame ins Ohr: "Das ist Cécile Bähler!" - "Wer?". Während ich wortreich erkläre, dass ich eben keinen Fernseher besitze, verpasse ich es, der Wetterfrau eine Frage zu stellen. Jänu.

Dann - endlich, denn langsam wirds kalt - erscheint das einzige echte Glamourpaar der Schweiz: WiniStress! Nun werden sämtliche Fotografenhände schweissig. Melanie Winiger im schwarzen Kimono antwortet auf die Frage nach ihren Filmpräferenzen fröhlich mit "Pornofilme!", und erklärt, sie fände es lustig, wenn ihr Stress während dem fotografiertwerden schmutzige Sachen ins Ohr flüstere. Aha. Der immerbraune Roger "who cares?" Schawinski läuft dem Pärchen ganz zufällig ins Bild, was den Fotografen gar nicht gefällt. Martin Rapold schaut wie immer grimmig-cool und lobt das Festival, bevor es begonnen hat. Regisseurin Stina Werenfels erscheint Hand in Hand mit Samir, der sich darüber beklagt, dass ihm seine Arbeit fürs Kino die Zeit fürs Kino wegnehme.

Plötzlich ruft jemand: "Anke Engelke kommt!". Und Allen wird klar: jetzt wird?s hochkarätig. Denn nun erscheint auch Jury-Präsident Albert S. Ruddy, ein alter Mann, der aussieht wie ein Filmproduzent. Das kommt nicht von ungefähr, denn er hat unter anderem The Godfather und Million Dollar Baby produziert. Über seine Begleitung entsteht beinahe Streit. Ist es seine Freundin? Seine Tochter? Is it a bird, is it a plane? Plötzlich tritt eine Schmolllippe aus dem Schatten. Sie gehört Moritz Bleibtreu (auch er Jury-Mitglied), der sagt, er sehe in den neuen technischen Möglichkeiten eine Chance für kleine Filmländer - zu denen die Schweiz nun mal gehöre. Schweizer Filme als direct-to-YouTube-Veröffentlichungen? Wie schön. Klein-Baschi im grauen Anzug hat Glück, denn er darf mit Bleibtreu aufs Foto. Seine Kathy getraut sich hingegen nicht so recht.

Die Fotografen fallen nun fast über die Leine, die den roten Teppich vom Rest der Welt trennt. Es tritt auf: Sie, die auf der Gästeliste als Einzige in der Kategorie "Stargast" steht: Alexandra Maria Lara. Sie lächelt für alle. Nun klopft sogar mein abgebrühtes Herz schneller. Trotzdem getraue ich mich, sie etwas zu fragen. Nein, antwortet sie, denn sie fliege morgen wieder nach Berlin. Ach. Trotzdem lächelt sie sehr nett. Als Letzter erscheint - sehr sympathisch - Filmregisseur Dani Levy (Mein Führer) im Wollpullover. Er findet, die Kinoeintritte seien vielleicht zu teuer, und er möchte gerne mal einen Bergsteigerfilm drehen. Da er tragikomische Filme liebe, wolle er wieder einmal in der Schweiz drehen, denn dieses Land habe genau diese beiden Qualitäten: tragisch und komisch.

Aus diesem Grund wird der Abend im Corso wohl auch von einer Deutschen eröffnet: Anke Engelke moderiert in ihrem bekannten spontanen ich-bin-das-hässliche-Entlein-Stil und platziert ein paar witzige Pointen. Natürlich treten auch die Organisatoren des Festivals auf die Bühne, leiern eine Liste von Sponsoren herunter und betonen, sie bräuchten Filme, die rocken. Der Stapi kommt ebenfalls nochmals zu Wort und ratet mal ins Blaue hinaus, dass die 3,5 Mio Kinoeintritte in Zürich wahrscheinlich Weltrekord seien. Der junge Hauptdarsteller des Eröffnungsfilms und dessen Regisseur (Eddie Redmayne und Tom Kalin) dürfen auch noch was sagen, bevor die Fotografen rausgeschickt werden und der Film beginnt.

Nach dem struben Werk (Savage Grace), der nur kurzen Applaus erntet, staut sich die Menge auf dem Weg in den "Globus" nebenan. In dem stillgelegten Kaufhaus findet zwischen Olivenöl-Gestellen und Mandarinchenbergen die Opening Night-Party statt. Auf drei Stockwerken (jedes trägt den Namen eines Sponsors) sind etliche kleine Buffets mit Häppchen verteilt. Das Catering ist echt Wahnsinn! Klar, man muss etwa 40mal Nachschlag holen, um etwas im Bauch zu haben. Aber alles glitzert und glänzt, und wer nicht lächelt, gehört nicht dazu.

Beim Rausgehen drückt man mir ein Audi-Werbegeschenk in die Hand. Der Bahnhof Stadelhofen sieht bei Nacht aus wie immer. In der S-Bahn kotzt im Abteil nebenan jemand auf den Boden. Das ist irgendwie schade.

Das 3. Zurich Film Festival ist eröffnet!

Quelle: OutNow.CH

28.09.2007 16:05 / maz


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6 Kommentare

@ rs
danke für die blumen! ja, maz = blitzkurier :)

Und was ist mit denen die im Globus schuften mussten?? Die werden wieder einmal nicht erwähnt! ;-p

Ich schleime sonst nicht gerne rum, aber lieber Verfasser (blitzkurier?): Der Text ist super vergnüglich! *daumenhoch* :-)

ja so lustig können diese Opening Nights sein, wenigstens auf dem Papier. ;-p

Ansonsten willkommen am roten Teppich, so ist es immer. Stress für die Fotografen und eine Freude für die Berichterstatter die gemütlich den Stift schwingen und unmögliche Bildwünsche stellen können, die ich dann ausbaden muss :-D

...natürlich war es DIE 20min-Frau :)

etwas habe ich ganz vergessen zu schreiben: als lara vorbeiging, sagte jemand: ist sie schwanger? - kurze aufregung, dann: ach nein, die war ja gerade eben.
hehe, willkommen im irrenhaus :D

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