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La vraie vie est ailleurs: Interview mit Frédéric Choffat und Julie Gilbert

Spricht man mit Frédéric Choffat und Julie Gilbert, denkt man unweigerlich an die Little Miss Sunshine-Macher Jonathan Dayton und Valerie Faris (Im OutNow.CH-Interview). Wie das amerikanische Ehepaar sind der Welsche und die Französin ein eingespieltes Team. Sie haben sich vor zehn Jahren in Kuba kennengelernt. Sie schwärmen davon, in der glücklichen Lage zu sein, das zu machen, was sie lieben. Neben Theater und der Fotografie ist das momentan die Promoarbeit für ihren ersten Langfilm La vraie vie est ailleurs. Das kleine Kammerspiel auf Schienen, zeigt wieder einmal, auf welcher Seite der Saane die besseren Schweizer Filme entstehen. OutNow.CH traf die Künstler in Zürich zum Gespräch.


OutNow.CH (ON): La vraie vie est ailleurs feierte vor mehr als einem Jahr Weltpremiere in Locarno. Wieso dauerte es so lange, bis der Film in die Deutschschweizer Kinos kommen konnte?

Frédéric Choffat (FC): Er musste den Röschtigraben durchqueren! (Er lacht) Der Verleih hat den Film schon vor Locarno erworben. Für die war aber der ideale Zeitpunkt für eine Kinoauswertung im Januar 07. Dank einer sehr guten Vorbereitung wurde der Film zum Hit in der Romandie. Da man dort aber andere Zeitungen liest als hier, kommt es nicht drauf an, wenn ein Film gestaffelt startet. Man kann ausserdem auch gleich dieselben Filmkopien wiederverwerten. Im April kam er dann noch ins Tessin und am 23. August startet er nun in der Deutschschweiz.

ON: Gestern wurde der Film in Bern gezeigt. Nach den Solothurner Filmtagen zum ersten Mal vor Deutschschweizer Publikum, das nicht der Branche angehört. Wie waren die Reaktionen?

Julie Gilbert (JG): Es war ein sehr warmer Empfang. Wir haben Freunde in der Gegend, aber die füllen keinen Kinosaal. Deshalb waren wir erfreut und überrascht über das Interesse an uns und unserem Film.

FC: Es war ein offenes und entdeckungsfreudiges Publikum. Wir schämten uns ein bisschen, als der Saal einwilligte, das Q'n'A auf Französisch zu halten. Wir Welschen können einfach keine Fremdsprachen. Aber anders als in Genf, wo man sich kennt und die Leute etwas misstrauisch den Kinosaal betreten, war es hier etwas ganz anderes.

ON: Der Film entstand aus dem Kurzfilm Genève-Marseille. Wieso einen kurzen Film erweitern, statt eine neues Projekt auf die Beine stellen?

JG: Parallel zu La vraie vie est ailleurs arbeiteten wir an einem Langfilm, der viel Zeit beanspruchte. Aber statt eine Geschichte auszudenken und Worte zu Papier zu bringen, wollten wir richtige cineastische Arbeit machen: Einen Film drehen! So entstand Genève-Marseille als eine Art Experiment.

FC: Quasi Kurzfutter für zwischendurch.

JG: Als der Film dann auf gute Resonanz stiess, überlegten wir und die Sache weitere zu spinnen. Die Schweiz grenzt an drei Länder, deshalb lag es auf der Hand für den Film zwei weitere Zugsreisen nach Deutschland und Italien hinzuzufügen.

FC: Und ich konnte neben den beiden Schauspielern, die ich bereits vor Genève-Marseille kannte, mit anderen meine Erfahrungen machen.

ON: Der Film spielt in Zügen. Hatte das Budgetgründe oder seid ihr generell fasziniert von dieser Art zu reisen?

FC: Im Flieger wäre der Film sicher teurer geworden. (Er lacht.). Die Bahn ist aber ideal. Es ist ein populäres und demokratisches Fortbewegungsmittel. Man kann sich darin entspannen. Es gibt Überraschungen. Man sieht durch die Fenster immer Neues, ist darin aber auch gefangen und kann nichts anderes machen, als von A nach B zu kommen. Diese Mischung aus Road Movie und geschlossener Gesellschaft fasziniert.

ON: Ihr habt ohne geschriebene Dialoge gefilmt. Musste viel geschnitten werden, oder wie bringt man die Schauspieler dazu, genau das Richtige zu sagen?

FC: Wir haben nicht enorm viel Film verbraucht. Schon im Vorfeld wurde improvisiert mit den Schauspielern. Alle Figuren waren sehr konstruiert und sie vollzogen sehr präzise Handlungen. Deshalb wurde der Dialog - auch wenn er sehr frei war - zur Nebensache.

ON: Basiert der Film auf wahren Begebenheiten?

FC: Alles ist irgendwie real - alles ist Fiktion. Ganz genau wie im Film hat sich für uns noch nie etwas abgespielt, aber es sind Gegebenheiten, die uns nicht unbekannt sind. Es ist ja kein Science Fiction Film

ON: Was ist euer nächstes Projekt?

FC: Es heisst Tanja. Das Szenario ist geschrieben. Wir haben bereits eine Equipe versammelt. Was noch fehlt ist das Geld. Wir hoffen, dass wir in zwei Jahren damit fertig sein werden. Der Film erzählt die Geschichte einer jungen Schweizerin, die nach Kuba reist, um dort Material einer Person abzuholen, die sie liebte. Die Reise wird zur Desillusion, weil sie Dinge antrifft, die sie sich anders vorgestellt hat.

ON: Zum Schluss bitte ich dich, Frédéric, noch kurz zu den folgenden Pop-Up-Fragen Antworten zu finden. Genf.

FC: Internationale, kosmopolitische Stadt.

ON: Euro 2008

FC: Was ist das denn?

ON: Nicolas Bideau

FC: Und wie geht's eurem Chefredaktor so?

ON: Die SBB

FC: Rigorose Pünktlichkeit

ON: Vorpremieren

FC: Viel Stress. Viel Freude.

ON: OutNow.CH

FC: Die Seite ohne M&Ms.

Quelle: OutNow.CH

17.08.2007 00:00 / rm


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