The New World: Das Interview mit Q'Orianka Kilcher

Die Sage um Pocahontas und ihre Männer, welche die Neue Welt erobern wollten, zum ersten Mal als Realfilm. In der Hauptrolle: die erst 16-Jährige Q'Orianka Kilcher mit Schweizer Vorfahren.

Mit 10 sang Q'Orianka Kilcher in Santa Monica auf der Strasse für ein paar Dollars. Mit 14 drehte sie The New World und am Tag vor dem OutNow.CH-Interview wurde sie 16 und die versammelte Welpresse sang anlässlich der Pressekonferenz "Happy Birthday" für sie. Nicht schlecht, die Karriere der amerikanischen Sängerin und Schauspielerin, deren Mutter Schweizer Vorfahren hatte. Ihre erste grosse Filmrolle, sie hatte davor schon eine klitzekleine in How the Grinch stole Christmas, bringt sie nach Berlin an die Berlinale.

Sie scheint es zu geniessen. Sie lacht ständig und ihre Wangen glühen. Aber so ganz in die Welt des Glammers taucht sie noch nicht ab. Die Kleider, die sie trägt, näht die Mutter selber und Q'Orianka hat auch was zu sagen zum Thema Umweltschutz.

OutNow.CH (ON): Du hast doch von Pocahontas sicher die Disney Version gekannt?

Q'Orianka Kilcher (QK): Eigentlich war das alles, was ich von Pocahontas wusste, bevor ich die Rolle bekam. Aber ich habe mich intensiv damit auseinander gesetzt, nachdem ich gecasted wurde. Als ich nach Virginia zum Drehen ging, las ich tonnenweise Bücher über sie und John Smith, die Algonkin-Indianer und John Rolfe. Ich tat es vor allem deshalb, weil es soviele verschiedene Meinungen zum Thema gibt. Ich musste es einfach tun, um zu verstehen, wie ich Pocahontas spielen sollte.

ON: Wie hast du dir die Rolle geschnappt?

QK: Es war ziemlich hart. Sie suchten eigentlich jemanden, der 18 oder älter war. Ich war für die schlicht zu jung. Ich habe mich etwa 15-20 Mal vorgestellt, bevor ich den entscheidenden Anruf von der Produzentin Sarah Green bekam. Ich konnte es fast nicht glauben. Meine Chancen waren sehr gering wegen meines Alters.

ON: Über Terrence Malick weiss man nicht viel. Wie war der mythische Regisseur denn auf dem Set so?

QK: Ich wusste nicht, wer er war, als ich die Rolle annahm. Ich wusste deshalb gar nichts genaueres über ihn. Als ich ihn das erste Mal traf, war er etwas schüchtern und sagte nicht viel. Auf dem Set war er aber phänomenal. Da blitzte sein Genie auf. Er ist ein wunderbarer, spontaner Regisseur, der den Schauspielern erlaubt, ihre Figuren selber zum leben zu erwecken.

ON: Wie war es mit Hollywood Stars wie Colin Farell und Christian Bale zusammen zu arbeiten als 14-Jährige?

QK: Sie waren zwei sehr galante Herren, die ihre Arbeit sehr ernst nahmen. Sie erleichterten mir den Job ungemein.

ON: Haben sie dich nie wie ein kleines Mädchen behandelt?

QK: Meistens drehte ich mit Colin Farell. Er wurde wie ein grosser Bruder für mich, nahm mich unter seine Fittiche und hat mir eine ganze Menge beigebracht über das Schauspielen.

ON: Wen hättest du im richtigen Leben lieber zum Freund: Colin Farell oder Christian Bale?

QK: Mein Herz wurde glücklicherweise noch nie gebrochen. Aber im Moment würde ich wohl eher mit der Figur von John Smith gehen. Ich bin sehr freigeistlich erzogen worden und haben eine Schwäche für Abenteuer. Er würde deshalb perfekt passen. Später im Leben würde ich wohl eher John Rolfe wählen. Aber eigentlich sollte man mich das erst in fünf oder sieben Jahre fragen, wenn ich von sowas auch eine Ahnung hab.

ON: Welche Szenen waren am schwersten in The New World?

QK: Während vier bis fünf Stunden dauernd zu weinen, würd ich mal meinen. Ich musste sowas noch nie machen, und war mir nicht sicher, ob ich es schaffen würde.

ON: Du musstes öfters weinen im Film. Wie hast du das gemacht?

QK: Ich habe an Pocahontas' Geschichte gedacht und was sie alles durchmachen musste. So wie Terrence Malick das geschrieben hat, könnte man auch beim zwölften Mal noch weinen. Nicht nur wegen des Endes, sondern auch weil sie mit sich selber kämpft und viel Mut aufbringen muss. Es haut einen regelrecht um.

ON: Wie lief das bei den romantischen Szenen? Immerhin ist Colin Farell doppelt so alt wie du.

QK: Das waren nicht wirklich Liebeszenen. Terrence Malick entschied sich eher für Emotionalität als die physische Liebe. Ich gebe aber zu, dass ich die Schmetterlinge im Bauch schon spürte, als wir uns das erste Mal küssten. Es wurde mir schon ein bisschen bange mit den vielen Kameras und es war auch mein erster Kuss.

ON: Dein allererster Kuss?

QK: Ja

ON: Dein allererster Kuss war mit Colin Farell?

QK: Nicht schlecht, wenn mir Colin den ersten Kuss gibt und Christian Bale den zweiten? Das war schon ein bisschen unwahrscheinlich.

ON: Wie haben denn die Freundinnen darauf reagiert?

QK: Ein paar sagten schon: Du geile Sau, du!

ON: Von wem möchtest du als nächstes geküsst werden?

QK: Es geht mir nicht wirklich um den nächsten Kuss. Aber ich würde gerne mit jedem zusammen arbeiten, der auch mit mir etwas machen möchte. Sean Penn und Jodie Foster sind erstaunlich gute Schauspieler.

ON: Bedeutet dein Name etwas?

QK: In Quechua bedeutet er Goldener Adler.

ON: Was wird die Zukunft für dich bringen?

QK: Ich liebe die Schauspielerei, alle Aspekte davon. Ich habe schon neue Angebote, aber noch ist nichts unter Dach und Fach. Aber eigentlich habe nur damit angefangen, auch mit dem Singen, um besser erhört zu werden.
Ich engagiere mich für Menschenrechte und den Umweltschutz. Ich möchte meinen Amteil leisten im riesigen Kuchen zu dem die Welt geworden ist. Es gibt sie, die Helden des Alltags, aber sie werden nicht von vielen erhört. Denen möchte ich in Zukunft helfen.

ON: Das Ganze ist also Teil eines subversiven Plans um dank der eigenen Berühmtheit eine bessere Welt zu schaffen?

QK: Bis zu einem gewissen Sinn. Ich habe mit meiner Mutter ein Geschäft gestartet mit Namen Organisation Q. Und ich war eine der ersten, die mit einem Wasserstoff-Auto am roten Teppich vorfuhr anlässlich einer Filmpremiere. Ich versuche das an jeden öffentlichen Anlass zu tun. Damit die Leute merken, dass es solche Autos gibt. In ein paar Jahren fahren vielleicht alle Menschen meiner Generation solche Autos und wir müssen keine milliardenschwere Kriege um Erdöl mehr führen.

ON: Du bist mit dem Film in der Welt herum gekommen. Was ist schlimmer: Filme drehen, oder die ganze PR-Maschinerie?

QK: Ich bin sehr glücklich mit so vielen Leuten reden zu können und ich reise weit. Dafür bin ich dankbar. Es war aber auch ermüdend, weil ich zwei Monate hintereinander in Hotels und Flugzeugen verbrachte. Ich geniesse aber jede Minute, weil ich nicht weiss, ob ich sowas nochmals erleben werde.

ON: Was steht bei dir als nächstes an?

QK: Hoffentlich bring ich meine CD fertig.

ON: Auf welche Art von Musik können wir uns freuen?

QK: (Zeukelnd) Das wirst du schon noch früh genug herausfinden! Ein bisschen von allem etwas. Auch Jazz und Blues-Elemente.

ON: Welches war eigentlich vor The New World dein Lieblingsfilm?

QK: Ich liebe Legends of the Fall.

ON: Wegen Brad Pitt?

QK: Nicht unbedingt. Natürlich ist das ein grosser Bonus. Aber ich mag die menschliche Geschichte.

ON: Deine Mutter hat Schweizer Wurzeln. Warst du selber schon mal in der Schweiz?

QK: Bisher noch nicht, aber ich würde sehr gerne einmal vorbei kommen.

ON: Du machst dich bislang sehr gut im Interview. Woher nimmst du dein Selbstvertrauen?

QK: Schauspielern ist schon eine tolle Sache. (grinst) Nein, Spass beiseite. Ich kann dir versichern, dass mein Herz wie wild schlägt und ich ein wenig verängstigt bin. Man muss wirklich wissen, von was man spricht. Manchmal werden mir kritische Fragen zum historischen Hintergrund von Pocahonts gestellt. Das war ein weiterer Grund, warum ich ihren Charakter erforschen wollte. Ich hatte zudem ein bisschen Interview-Training, mochte dies aber gar nicht. Man muss sich selber sein. Im Training jedoch ging es nur darum, immer alle Fragen perfekt zu beantworten. Ich will aber keine Maske tragen im Interview.

ON: Kann man denn heutzutags noch von Pocahontas lernen?

QK: Ja, man kann. Zum einen, dass selbst eine einzelne Person einen Unterschied machen kann. Jede Entscheidung hat einen Einfluss auf die Menschen die Welt um dich herum. Eine andere wichtige Lektion ist, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen, so dass man diese nicht wiederholt.

Quelle: OutNow.CH

12.02.2006 00:00 / rm


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