Grounding: Das Interview mit Peter-Christian "PC" Fueter

PC Fueter ist Mitbegründer und Mitinhaber der C-FILMS AG. Zuvor war er über 30 Jahre als Produzent namentlich von Wirtschafts-, Kunst-, Fernseh- und Spielfilmen bei Condor tätig. Neben unzähligen internationalen Preisen wurde er 1991 als einer von zwei Produzenten für Xavier Kollers Film Reise der Hoffnung mit dem "Oscar" für den "best foreign language film" ausgezeichnet. Fueter hat zuletzt Mein Name ist Eugen mitproduziert und zeichnet als ausführender Produzent für die Fernsehserie
Lüthi und Blanc verantwortlich.

OutNow.CH (ON): Wo warst du, als du erfahren hast, dass alle Flugzeuge der Swissair am Boden blieben?

PC Fueter (PC): Ich war in Amsterdam an einem Kongress für Filmproduzenten.

ON: Die Amerikaner verarbeiten gerne die aktuelle Zeitgeschichte in ihren Filmen. An welche Beispiele hast du gedacht als Vorbilder für Grounding?

PC: JFK, The Insider, Thirteen Days waren immer meine Beispiele.

ON: Grounding ist vor allem eine Vergegenwärtigung der Vorgänge rund um die Swissair. Hat der Film aber auch eine Message?

PC: Ganz sicher. Die erste ist ganz einfach. Er zeigt, dass etwas misslingt, wenn verschiedene Parteien sich nicht auf eine gemeinsame Strategie oder Lösung einigen können. Das ist "in a nutshell" was der Film aussagt. Zweitens kann man auch sagen, dass der Film ein Sinnbild der Schweiz darstellt. Man ist politisch blockiert und wirtschaftlich geht es nicht weiter, weil man isoliert ist. Von daher ist der Film nicht nur eine supergute Geschichte, sondern er hat auch eine Message.

ON: Der Kinostart wurde verschoben. Die Hauptverantwortlichen wollten sich sowieso nicht dazu äussern. Das Bundesamt für Kultur machte Auflagen. Gab es Momente, wo man ans Aufgeben dachte?

PC: Nein. Ich bin Steinbock und im Aszendenten Löwe. Aufgeben kann ich nicht. Aber es gab Momente, wo wir uns überlegen mussten, wie wir aus der - Entschuldigung! - ganzen Scheisse wieder rauskommen. Für diese Art von Projekte ist es aber einfach ganz wichtig, dass man daran glaubt. Ich glaubte so sehr an das Projekt, dass sich das auch auf das Team übertragen hat. Dass der Film heute so gut ist, - ich glaube, dass darf man ohne falsche Bescheidenheit sagen - ist eine Teamleistung, welche den Ursprung in genau dieser Solidarität hatte. Wir haben als Team den Grounding-Leuten das genaue Gegenteil demonstriert.

ON: Es gab Leute, die im Vorfeld des Films an die geplante Story herankommen wollte. Kann man - ohne Namen zu nennen - ein Beispiel erzählen, wie da vorgegangen wurde?

PC: Wir hatten Leute, die versucht haben, den Inhalt des Drehbuchs zu beeinflussen, indem sie uns falsche Informationen zusteckten. Verunsicherung durch Desinformation. Auf einer anderen Seite, können wir den Nachweis erbringen, dass man versuchte, uns Akten wegzunehmen. Die dritte Seite war die UBS, die mit offenem Visier kämpfte und Juristen veranlasste, die Produktion zu beobachten.

ON: Mein Name ist Eugen war eine Liebeserklärung an die nostalgische Schweiz. Ist Grounding nun die wütende Replik auf die neue, veränderte Schweiz von heute?

PC: So ausgedrückt, ist mir das ein bisschen zu reaktionär. Ganz unrecht hast du aber nicht. Ich persönlich finde, dass in den Neunziger Jahren mit all der Geldgier der New Economy gewisse Werte verloren gegangen sind, um die es nun schade ist. Ich glaube, es gibt aber auch die andere Seite. Der Schweizer Film hat eine Zukunft. Es gibt kreatives Potential. Das wollten wir mit Grounding beweisen. Das könnte auch mit der Schweiz zusammenhängen. Sie ist genauso gut wie vor zwanzig Jahren, aber die Mentalität hat sich geändert und daran scheitern wir heute oft.

ON: Hättest du dir auch einen Film über das Massaker von Zug vorstellen können?

PC: Nein. Das interessiert mich auch nicht. Das war ein Kranker, der das gemacht hat. Das "Schöne" am Grounding ist, dass es um ein nationales Heiligtum ging. Ausserdem entstand die ausserordentlich interessante Diskussion, wie man in einer solchen Situation verfahren soll. Und es gibt nicht nur einfach einen Schuldigen.

ON: Wie hoch war das Budget für Grounding?

PC: Der Film kostet ein bisschen über vier Millionen. 2.5 Millionen sind Förderungsgelder vom Bund, der Stadt und dem Kanton Zürich, Suissimage, Mediafonds. Die anderen gut 1.5 Millionen sind kommerzielle Gelder aus der Verleihgarantie, DVD-Rechte, Pay-TV und meiner Firma C-Films selber.

ON: Ist da auch die Werbung für den Film schon drin?

PC: Das ist natürlich nicht dabei. Die Amerikaner würden jetzt das Werbebudget auch noch drauf hauen. Deshalb sind auch deren Zahlen so gross. Ich könnte also bald sagen, dass fünf Millionen im Film stecken. Denn auch in der Werbung steckt viel Geld, denn wir glauben an den Film.

ON: Wie viele Zuschauer braucht der Film, bis er finanziell rentiert?

PC: 300'000.

ON: Wird er schon bald im Fernsehen zu sehen sein?

PC: Nein, das wird noch dauern. Erst werden wir durch die Kinos "geschletzt", dann kommt die DVD, dann Pay-TV und erst am Schluss das Fernsehen.

ON: Grounding war ein Riesenprojekt. Hattest du noch Zeit für anderes?

PC: Ich muss Zeit haben für etwas anderes. Ich hatte ein sehr grosses und gutes Team, als die Produktion in vollem Gange war. Ich hatte wenig zu tun mit dem "Day to Day"-Business, weil ich eine wunderbare Produktionsleiterin hatte. Daneben mache ich bekanntlich Lüthi und Blanc und das macht immer noch vierzig Prozent meiner Arbeitszeit aus. Ich machte auch weitere Filme. Ich war sehr stark bei Mein Name ist Eugen engagiert. Das war eine Zeit lang viel schwieriger für mich als Grounding. Ich habe auch weitere grosse Projekte, die mich jetzt schon beschäftigen. Über die möchte ich aber noch nichts sagen.

ON: Wo steht eigentlich der Oscar für Die Reise der Hoffnung?

PC: Eine berechtigte Frage, weil der Oscar für den besten fremdsprachigen Film normalerweise den Produzenten verliehen wird. Ich habe den Film damals mit Alfi Sinniger produziert, der viele Filme mit Xavier Koller produziert hat. Wir hätten die Statue auch in zwei Hälften schneiden können, aber das geht natürlich nicht, und der Hauptverdienst hatte sowieso Xavier. Deshalb steht er nun auch bei ihm.

Quelle: OutNow.CH

17.01.2006 00:00 / rm


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