Jeune Homme: Das Interview mit Matthias Schoch

Der junge Mann aus Jeune Homme heisst Matthias Schoch. Dass er im Film von Christoph Schaub sein Kinodebüt gibt, liegt nur daran, dass die Veröffentlichung seiner Frühwerke "Run or Die" oder "In a crazy man's life" zu verhindern wusste. Der Gymnasiast aus der Nähe von Winterthur nahm die mit einer Handycam und seinen Kumpels zu Hause oder in einer Kiesgrube gedrehten Filme zu wenig ernst. Mit mehr Seriosität ging er für seine Rolle als männliches Aupair zu Werke.

Im OutNow.CH-Interview spricht er über seinen ersten Kinobesuch, sein erstes Mal und warum für ihn zuerst OutNow.CH und dann die Scheizer Illustrierte kommt.

OutNow.CH (ON): Du bis der erste Star, der sich bei OutNow.CH direkt meldet für ein Interview. Wollte die Schweizer Illustrierte nicht, oder willst du wirklich lieber von uns interviewt werden?

Matthias Schauch (MS): Star? (Er lacht). Die Schweizer Illustrierte will schon auch. Aber ich wollte mal wissen, wer da hinter OutNow.CH steckt und ich dachte mir, dass es sicher auch dem Film gut tun würde, mit euch zu reden.

ON: Wie bist du zu der Rolle gekommen?

MS: Es hing ein Zettel in meiner Schule. Ich habe mich gemeldet und es gab es vier Castings. Beim ersten bin ich nur gefilmt worden. Bei den anderen drei war dann auch der Regisseur Christoph Schaub dabei und wir haben Szenen geprobt, auch mit anderen Schauspielern. Ende 2004 war es dann klar, dass sie mich nehmen würden.

ON: Was hat dich an der Figur des Sebastians besonders interessiert?

MS: Ich hatte noch nie ein Drehbuch gelesen und konnte zuerst nicht viel damit anfangen. Ich überlegte hin und her, ob ich in diesem Film mitspielen soll. Objektiv entscheiden, ob der Film was wird, konnte ich nicht. Es war dann das vertrauensvolle Verhältnis zu Christoph Schaub, das den Ausschlag gab. Und als ich mir Sebastian langsam vorstellen konnte, merkte ich plötzlich, dass er wie auch einen Teil von mir enthält.

ON: Was genau denn?

MS: Dieses Verschmitzte. Dass nicht gerade auf den ersten Blick alles klar ist. Vielleicht auch etwas Willenstarkes. Es war diese Figur die mich schlussendlich fasziniert hat und dank der ich sagen konnte, doch, da will ich mitmachen.

ON: Hattest Du im richtigen Leben Erfahrung als Babysitter?

MS: Ja. Ich habe mal einen Monat lang ein Praktikum gemacht in einer Kinderkrippe.
Das war natürlich eine gute Vorbereitung.

ON: Wie alt waren die Kinder dort?

MS: Zwischen drei Monaten und drei Jahren.

ON: Nerven dich kleine Kinder also nicht?

MS: Nein. Nerven tun sie nicht. Aber ich glaube nicht, dass ich Kleinkinderzieher werde. Das Praktikum war eher etwas, dass ich einfach mal gemacht haben wollte.

ON: Für deine Rolle hast du Unterricht genossen beim erfahrenen Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart, der im Film deinen Vater spielt. Wolltest du die haben, oder ist er auf dich zugekommen?

MS: Das hat der Regisseur veranlasst. Der Zwanziger ist bei mir dann schnell gefallen, nachdem ich mit Hanspeter geprobt habe. Von da an habe ich dann konsequent immer von Sebastian, der Figur, geredet. Wenn die Leute sagten, dann kommst du da zur Türe rein, habe ich sie immer korrigiert, nein, es ist Sebastian, der reinkommt. Ich hatte fast das Gefühl, ich übertreibe. Aber ich habe das gebraucht.

ON: Ist dieser Unterricht auch das, was dich am meisten geprägt hat bei den Dreharbeiten?

MS: Sicher. Aber auch ganz allgemein, dass ich so arbeiten kann und Geld dafür bekomme. Dass ich Verantwortung habe und nicht zu spät kommen kann am morgen, wie in der Schule. In einem grossen Projekt dabei zu sein, wo extrem viele Leute ernsthaft dafür arbeiten. Natürlich auch zwei Monate weg zu sein von zu Hause, im Welschland. Es war auch ein bisschen ein Sprachaufenthalt.

ON: Du hast mit einer Videokamera auch schon selber kleine Filme gedreht. Was war der grösste Unterschied von diesem Hobbyfilmen zum professionellen Set?

MS: Mich hat fasziniert, dass es bei Jeune Homme ein ganzes Team gab, bei dem jeder sein Fachgebiet hatte. Wenn du Hobbyfilme machst, bist du hinter der Kamera und gleichzeitig auch noch Regisseur und vorne rennen zwei Leute vor der Linse rum. Das war's. Dieses Teamwork unter hohem Zeitdruck hat mich bei den Profis täglich immer wieder überrascht.

ON: Hast du deine eigenen Filme mal vor Publikum gezeigt?

MS: Einer schaffte es vor ein grösseres Publikum. Es war ein Abschlussfilm von der Steiner-Schule, in dem wir die Schule auf die Schippe genommen haben. Der kam gut an. Von dem haben viele die DVD bestellt. Alle andern nahm ich selber zu wenig ernst.

ON: Du scheinst schon sehr lange fasziniert von Filmen zu sein. Wann fing diese Faszination an?

MS: Ich weiss es nicht. Es ist seltsam, denn in meiner Familie gab es keinen Fernseher. Mein erster Kinofilm war Aladdin und das ist ja wohl kein Film, der dir den Ärmel reinnimmt. Vielleicht ist eben gerade darum, weil ich praktisch nie ins Kino gehen konnte, dass es mich fasziniert hat. Mir gefällt, dass man mehr wissen kann als der Zuschauer. Zum Beispiel bei der Filmmusik, die unterschwellig etwas auslöst, was der Zuschauer vielleicht gar nicht bemerkt. Wegen dieser Faszination wollte ich für eine Weile auch Beleuchter werden. Auch das ist etwas, das man in der Regel nicht bemerkt, aber wahnsinnig viel ausmacht.

ON: Mach dir keine Sorgen, auch Marc Forster hatte keinen Fernseher. Gibt es aber Filme, die dir besonderen Eindruck gemacht haben.

MS: Ich gehe schon auch in Actionfilme, habe aber meistens nicht lange Freude daran. Ich habe Filme gerne, wo man auch einen Tag später noch Bilder im Kopf hat davon. Ich war mir sicher, dass mich jemand nach meinem Lieblingsfilm fragen würde. Darum hab ichs mir zum Voraus überlegt: Coffee and Cigarettes finde ich geil. Aber eigentlich gehe ich gar nicht so viel ins Kino.

ON: Was machst du, wenn du gerade nicht filmst oder vor der Kamera stehst?

MS: Das Gymi. Das gibt dann doch ein bisschen etwas zu tun. Dann gebe ich Interviews, wie das hier gerade. Und ich mache auch Musik. Ich spiele Klavier.

ON: Was steht nach der Matur an?

MS: Zuerst mal der Dienst am Vaterland. Ich will Zivildienst machen. Dann bestimmt etwas Richtung Film oder Musik oder Theater.

ON: Zum Schluss gibt es die berüchtigten OutNow.CH Stichworte.

MS: Genau.

ON: Windeln Wechseln

MS: Habe ich noch nie in meinem Leben gemacht.

ON: Das erste Mal.

MS: An einem Donnerstag Nachmittag. Ich schwänzte dafür die Schule.

ON: Filmmusik.

MS: Etwas vom faszinierendsten überhaupt.

ON: Franz(ösisch).

MS: Hab ich gerne.

ON: OutNow.CH

MS: Frech, aber nicht unangenehm. Cool!

Quelle: OutNow.CH

28.12.2005 00:00 / rm


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