Conejo en la Luna: Interview mit Jorge Ramírez Suárez

Der mexikanische Regisseur Jorge Ramírez Suárez war hocherfreut, dass er seinen Film Conejo en la luna an der Berlinale in der Hauptstadt seiner Wahlheimat zeigen durfte.

Es handelt sich um die allererste mexikanisch-britische Co-Produktion und sie folgt auf internationale Hits des mexikanischen Kinos wie Amores Perros und Y Tu Mama Tambien. In der Heimat wurde Ramirez' Film 2005 für drei Ariels nominiert, die mexikanischen Oscars. Carlos Cobos gewann in der Kategorie des besten Nebendarstellers für seine Rolle als "Chubby Corona". Auch Ramírez selber war nominiert mit seinem Drehbuch. Ausserden Eduardo Gamboa für den besten Original Score. Mit OutNow.CH sprach Ramírez über seine Ansichten zu Politikern, die Unterschiede beim Dreh in Mexiko und Grossbritannien und was es mit dem Hasen im Mond so auf sich hat.

OutNow.CH (ON): Woher stammt die Idee zum Skript zu Conejo en la luna?

Jorge Ramírez Suárez(JR): Die Idee kam mir gegen Ende 2001. Ich lebe in Deutschland, und vorher war ich in Kalifornien. So war ich für Jahre weg von Mexiko. Ich wollte einen Film machen, welcher in Mexiko und einem anderen Land spielt. Das ist meine Erfahrung, ich kenne beide Welten. Gleichzeitig wollte ich schon immer einen Film machen, welcher ein schnelles Tempo aufweist und für alle grosse Spannung bietet. Es sollte ein Film über die Korruption werden, der das Thema ernst nimmt und nicht nur an einem einzelnen Fall aufzeigt. Bei meinen Nachforschungen fand ich viele ähnliche Fälle, welche ich in die Ereignisse meines eigenen Handlungstranges einband. Das Werk ist also Fiktion.

ON: War es vorgesehen die Hälfte des Filmes in England spielen zu lassen, oder bist du dem Geld der Produzenten gefolgt?

JR: Jedes Land in Europa hätte funktioniert, ausser Spanien. Ich wollte den Film ursprünglich in Deutschland machen. Doch aus finanziellen Gründen kam dies nicht zustande. London war die beste Alternative, denn als korrupter Politiker, der sein Geld wäschen will, ist London ein guter Ort.

ON: Wie war es denn, in London zu drehen?

JR: Es machte Spass, war aber gleichzeitig anstrengend. Wir hatten grossartige Drehplätze, aber das Wetter war gegen uns, es hat geschneit. Die Bilder sollten sich sehr von denen aus Mexiko unterscheiden.

ON: Gibt es denn Unterschiede beim Drehen in England, verglichen mit Mexiko?

JR: Ja. In Mexiko ist es einfacher zu drehen, sogar in Mexiko City, das aufgrund seiner Grösse kompliziert ist. In London gab's andere Probleme. An einem Drehtag in einem Luxusrestaurant wollten wir ein paar Dinge ändern - unmöglich. Man darf nichts verstellen. In Mexiko sind solche Sachen einfacher, während man in London ein kleines Vermögen für die Erlaubnis solcher Dinge zahlen muss. Trotzdem hatten wir eine gute Zeit mit der englischen Crew und den Schauspielern.

ON: Warum hast du Lorraine Pilkington ausgewählt?

JR: Sie spricht Spanisch. Wir hatten 19 Spanisch sprechende Schauspielerinnen, welch für die Rolle vorsprachen. Einige sprachen besser als andere - am Schluss blieben zwei oder drei übrig. Lorraine war die beste Schauspielerin, die sich ausserdem von den meisten anderen Mexikanerinnen im Aussehen unterscheidet.

ON: Und wie bist du schliesslich in Deutschland gelandet?

JR: Meine Frau ist Deutsche. Wir wollten unsere Kinder in Deutschland aufziehen.

ON: Im Abspann dankst du vielen deutschen Personen. Wer sind diese?

JR: Ich hab das Projekt in Deutschland erarbeitet. Die Leute von der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf und andere Freunde haben mir bei den Nachforschungen geholfen.

JR: Im Film kommen viele Babies vor.

JR: Ich bin Vater. Babies sind in unserem Leben sehr wichtig. Wenn dir jemand dein Kind wegnimmt, ist das etwas vom Schlimmsten, was dir passieren kann. Und solchen Fällen bin ich begegnet.

ON: Im Film muss Antonio trotzdem ins Gefängnis. Warum so ein Ende?

JR: Bei so einem Film darf es kein Happy End geben, das wäre unglaubhaft und würde nicht funktionieren. Ich habe darüber nachgedacht, doch ich wollte sie überleben lassen, auch wenn die Familie zerstört ist.

ON: Warum sind die Politiker im Film so jenseits von Gut und Böse dargestellt?

JR: Ich würde sogar sagen pervers. Ich wollte sie als machtgeil portraitieren. Wenn du so mächtig bist und viel Geld zur Verfügung hast, machst du solche Dingen. Da gibt es einige Fälle wie diese in Mexiko, aber auch in Deutschland, wenn man an Michael Friedman denkt.

JR: Sexuelle Handlungen im Film sind immer Fellatio. Ist das eine Mexikanische Eigenart?

JR: Ich hab das als Metapher verwendet. Die Mexikanische Bevölkerung lutscht die Schwänze der Politiker. Letztere wissen es, und sie geniessen es.

ON: Was ist denn dein generelles Bild eines Politikers?

JR: Es ist eine Hassliebe. Von einigen bin ich sehr beeindruckt. Einige Politiker auf dieser Welt sind sehr charismatisch. Aber da ist immer etwas sehr perverses im Hintergrund. Sie haben immer Hintergedanken und sind nicht sehr glaubhaft. Ich kenne sie sehr gut, nicht nur durch meine Recherchen. Als Kind war einer unserer Nachbarn ein politischer Journalist, er hatte immer wieder ein paar von ihnen zu Besuch. Ich merkte, dass sie sehr mächtig sind, aber gleichzeitig auch ein paar Sachen am Laufen haben. Ich wollte das in meinem Film zeigen. Sie sind privat anders als in der Öffentlichkeit.

ON: Kannst du was zur Musik im Film sagen? Du hast viele Opernstücke verwendet.

JR: Ja. Ich wollte Lopez als Opernfan darstellen. Er hört oft Opern. Diese sind original mexikanische Kompositionen, für die mein Komponist für den Mexican Academy Award nominiert ist. Wir haben die Arien mit sehr bekannten mexikanischen Opersängern aufgenommen. Für die restliche, nicht speziell für den Film erstellte Musik, habe ich zwei Songs der Band Los de Abajo genommen.

ON: Was ist die Bedeutung des Filmtitels?

JR: Ich wollte das Bild des Hasen im Mond nur zur Visualisierung verwendet. Es ist das spanische Pendant zum Mann im Mond, in Mexiko ist es wie in Japan ein Hase. Die in Mexico lebende Britin im Film sollte davon fasziniert sein. Es ist zudem die emotionale Verbindung zwischen dem Paar. Und ich wollte keinen kitschigen Thriller-Titel.

ON: Viele mexikanische Filme handeln von der Unterwelt. Wie gross ist ihr Einfluss in Mexiko?

JR: Du must blind sein, wenn du die Unterwelt in Mexiko nicht siehst. Wenn du einen Film über Mexiko machst, muss die Unterwelt ein Teil des Filmes sein. Gleichzeitig ist es eine Geschichte über Menschen, die von der Korruption missbraucht werden. Viele Kinobesucher haben mir erzählt, sie hätten so was noch nie gesehen. Einer der Gründe dafür ist, dass das früher nicht möglich gewesen wäre. Vor fünf Jahren wäre ein Film wie meiner nicht möglich gewesen.

ON: Wo siehst du denn die Zukunft des mexikanischen Kinos?

JR: Jetzt ist ein sehr guter Moment für den mexikanischen Film. Die Geldmittel sind vorhanden, die Budgets werden grösser. Wir haben einen sehr guten Mittelwert: zwei oder drei Filme von zehn werden international vermarktet. Das sind sehr gute Neuigkeiten.

ON: Abschliessend ein paar Stichworte, zu denen du mir das Erste, was dir einfällt sagst.

JR: Ok. Ich hoffe das funktioniert.

ON: Schweizer Banken

JR: Geldwäscherei [er lacht]

ON: Englische Schauspieler

JR: Gute Schauspieler

ON: Deutschland

JR: Berlinale

ON: Berlinale

JR: Für mich? Spass!

ON: Das Internet

JR: Information

Quelle: OutNow.CH

26.07.2005 00:00 / rm


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