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Hitch: Interview mit Eva Mendes

Eine der ersten Rollen, die sich Eva Mendes im Unterhaltungsgeschäft ergattern konnte, war ein kleiner Auftritt in einem Music Video von Will Smith.

In den fünf Jahren, seit "Miami" die Tanzflächen dieser Welt zum Zittern brachte, hat sie sich von der Nebenrolle im Videoclip zur Hauptdarstellerin im Kassenschlager hochgearbeitet. Wiederum mit Will Smith ist sie jetzt in Hitch zu sehen. Diesmal wird Will sie aber nicht so leicht vergessen können wie damals in "Miami". Wir ebenfalls nicht!

Ihre unkonventionelle Schönheit, kombiniert mit dem Mut zur Nacktheit und auch mal mit Steven Seagal zu arbeiten, hat sie rasend schnell an die Spitze katapultiert. Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass Eva im obskuren Streifen Children of the Corn V debutierte. Seither hat sie mit Johnny Depp in Once upon a time in Mexico, Matt Damon in Stuck on you und zweimal mit Denzel Washington (Training Day und Out of Time) vor der Kamera gestanden. Die Kubano-Amerikanerin ist sicher keines dieser Durchschnitts-Sternchen am Hollywood-Himmel und es fällt schwer, sie nicht zu mögen. Ich hatte echt ein bisschen Mitleid, als mir ein Hotelpage gesagt hat, dass ich eines der Red Bull Büchschen trinke, die das Berliner Fünfsterne-Hotel extra für Eva organisiert hat - offensichtlich eins ihrer Lieblingsgetränke. Was sollte ich machen? Ich nahm, was es gab. Die Energiedrinks gehören normalerweise nicht zum Standardangebot der Luxussuiten, in denen man Interviews führt. Als Eva den Raum betrat, störte sie sich aber nicht weiter daran und schenkte sich eine Cola auf Eis ein. Sie war ein bisschen verschnupft und machte den Anschein, als sei sie gerade aufgestanden. Ihr Haar war unter einer dieser modischen Ballonmützen versteckt. Doch ihre wunderschönen Zehen lugten während dem ganzen Interview aus den Ledersandalen.


OutNow.CH (ON): Warst du schon mal in Berlin?

Eva Mendes (EM): Ja. Vor etwa eineinhalb Jahren war ich hier mit einem Film auf Promotion-Tour. Und das lief ziemlich ähnlich ab. Ich hatte eigentlich gar nicht die Zeit, Berlin zu erkunden. Dafür kenne ich die Hotels.

ON: Was waren deine Erwartungen, als du zum ersten Mal vom Projekt Hitch erfahren hast?

EM: Meine Erwartungen waren recht gross, da ich wusste, das Will darauf wartete, eine romantische Komödie zu machen. Er wartete nur noch auf die Richtige. Ich wusste, dass dieser Film ganz einfach grossartig werden müsse, wenn er so lange darauf gewartet hatte. Ich wollte unbedingt Teil davon sein. Ich selber hatte schon lange auf eine Rolle in einer romantischen Komödie gewartet. Irgendwie haben wir uns gegenseitig gefunden, die Rolle in Hitch und ich. In Hollywood geschieht dies aber nur in sehr seltenen Fällen so. Ich kenne zwar die ganzen Prozedere nicht, doch normalerweise ist es ein beschwerlicher Weg, bis man engagiert wird. Es ist also echte Glückssache, wenn man schliesslich den Job kriegt.

ON: Warst du die erste Wahl für die weibliche Hauptrolle in Hitch?

EM: Das weiss ich nicht. Das musst Du schon eher Andy und Will fragen. Ich weiss aber, dass ein oder zwei Jahre davor, als das Script noch herumgereicht wurde, jemand anderer für meinen Part im Gespräch war. Ich habe jedoch keine Ahnung, was im Endeffekt passiert ist.

ON: Die gestrige Pressekonferenz war sehr witzig.

EM: Ich konnte meinen Mund schlichtweg nicht halten. Deswegen kam ich immer wieder in ungemütliche Situationen, weil ich halt dazu neige, das zu sagen, was ich denke.

ON: Das ist doch eine gute Eigenschaft, oder?

EM: Nein, ist es nicht. Vor allem nicht, wenn man all diese Dinger um sich rumliegen hat. (Sie zeigt auf das Aufnahmegerät). Die Presseleute haben mich gefragt, was ich für mich unter "romantisch" verstehe. Nun, ich liebe Blumen, mag es jedoch nicht, wenn ich sie in einer romantischen Situation erhalte. Ich mag diese gewöhnlichen, offensichtlichen Dinge nicht. Hingegen mag ich die kleinen Herzlichkeiten wie zum Beispiel Gedichte; einfach etwas, das weniger gross ist, als all die normalen 0815 Liebesbeweise. Und ich hasse den Valentinstag. Natürlich konnte ich das während der Promotionstour von Hitch durch Amerika nicht sagen, da der Film am Valentinstag in die Kinos kam.

ON: Du sagtest, dass jemand einen Song schreiben muss, um dein Herz zu gewinnen.

EM: Oh nein. Ich sagte, würde jemand einen Song für mich schreiben, nähme ich das damit verbundene Angebot sofort an.

ON: Ist noch niemand mit einer solchen Liebeserklärung bei dir aufgetaucht?

EM: Jemand. Er ist heute mein bester Freund. Trotzdem war es romantisch. Die Vorstellung war romantisch. Aber wie gesagt, er ist jetzt einer meiner besten Freunde.

ON: Denkst Du, dass Leute, die sich ähnlich sind, es bei Dates einfacher haben als andere? Würdest Du jemanden, der sich derart von Dir unterscheidet wie Kevin James' Charakter von Amber Valettas nehmen?

EM: Ich habe mich mit ein paar wirklich seltsame Typen getroffen. Meine Freunde sagten: "Was zur Hölle...?" Ich bin also die richtige, um deine Frage zu beantworten. Ich mag keine grossen, muskulösen Männer. Das mag ich schlichtweg nicht. Mir gefallen vielmehr die intelligenten Männer, die etwas linkisch zu sein scheinen - die viel lesen. Ich such in einem Mann diejenigen Dinge, die mich selber interessieren, damit wir uns ergänzen können. Einmal habe ich mich mit diesem wirklich nicht sehr attraktiven Typen getroffen, also was wir in der Gesellschaft "attraktiv" nennen. Er spielte Schach, ich nicht. Entschuldige bitte, ich brauche ein Taschentuch. (Sie steht auf und hält nach einem Kleenex Ausschau.) Entschuldigung, meine Allergie ist heute Morgen echt der Horror. Ich weiss nicht, ob es am Teppich oder der Luft hier drin liegt.

ON: Also hast du vieles mit dem Charakter, den Du spielst, gemeinsam?

EM: Ausser, dass meine Figur mit dem gutaussehenden Kerl geht. Will Smith ist echt scharf! Aber ja, die Figur und ich sind uns in vielen Punkten sehr ähnlich.

ON: Musst du, wenn du in Hollywood bist, einem bestimmten Schönheitsideal nacheifern? Spürst du diesen Druck?

EM: Ich muss das verneinen. Und ich denke, dass ich gewissen Dingen absichtlich entgegensteuere. Wenn Du wirklich über dieses Thema sprechen möchtest... ich könnte dünner sein, könnte ein paar Pfunde verlieren und mich damit bei den übrigen Mädchen einreihen. Das will ich jedoch nicht. Ich geniesse es, um der Gesundheit Willen meine weiblichen Kurven zu haben. Ich bin froh, dass ich mich von sowas distanzieren kann. Es ist lächerlich. Niemand braucht perfekt zu sein.

ON: Was denkst du über Schönheitsoperationen?

EM: Meine Ansicht der Dinge: Das ist schon längst ausser Kontrolle geraten. Ich sage damit nicht, dass ich gegen Schönheitsoperationen bin. Mir ist es egal, was andere sich selber antun. Aber die Kontrolle ist schon längst verloren. Wenn sich bereits Mädchen unter dreissig Jahren Botox spritzen lassen, kann ich das überhaupt nicht verstehen. Das geht mir defintiv zu weit. Doch nicht nur das. Die tun sich das Zeug an, und man kann es sehen. Es ist krank. Wir sind uns an ihre Gesichter gewöhnt. Wir sehen diese Leute und schauen uns ihre Gesichter genau an. Wir sehen sie in drei Meter Breite auf der Leinwand. Alle nehmen es wahr, schliesslich kennen wir deren Gesichter seit zehn Jahren in dieser Grösse.

ON: Das heisst, dass deine wundervollen Lippen ganz natürlich sind?

EM: Oh ja. Danke für das Kompliment. Die sind Natur pur.

ON: Behagt es dir, dich selbst auf der Leinwand zu sehen?

EM: Ja, tut es. Nur wenn ich glaube, ich hätte eine Szene besser machen können, fühle ich mich dabei weniger gut. Gewöhnlich bleibe ich ziemlich objektiv in diesen Dingen. Gestern Abend habe ich den Film gemeinsam mit allen anderen gesehen und ich mochte ihn sehr. Es war klasse mit dem Publikum hier. Es war atemberaubend. (Auf einmal hält sie inne und fragt:) Wir habe uns schon mal getroffen, oder?

ON: Ja, gestern sass ich in der Pressekonferenz.

EM: Genau dort! Richtig!

ON: Wir haben uns sonst noch nie getroffen. Leider.

EM: Ich dachte "wart mal, ich kenne dieses Gesicht".

ON: Du hast vorhin gesagt, dass es dir behagt, dich selbst auf der Leinwand zu sehen.

EM: Aber nicht, wenn ich schlecht spiele!

ON: Gab es denn in Hitch eine Szene, von der du denkst, das hätte besser gemacht werden können?

EM: Das ist eines dieser verrückten, verrückten Dinge. Du wirst jetzt denken, ich sei verrückt. Es gibt im Film nur einen Satz, den ich nicht mag. Am Schluss, als ich am Steuer des Autos sitze und fahre. Diese Szene wurde viel zu hastig gedreht. Das Ganze wurde nochmals neu geschrieben und wir kriegten die Szene an jenem Morgen. Viele Szenen wurden an jenem Morgen umgeschrieben. Ich betrachtete es als Herausforderung und dachte, das sei cool. Aber die letzte Szene, wenn ich im Auto sitze, mag ich nicht. Mir gefallen sämtliche Szenen von Will und mir, bis auf eben die letzte. Das ist jedoch nur meine Meinung.

ON: Hast du schon immer schon so eine positive Einstellung dir selber gegenüber?

EM: Nein. Von der neunten bis zur zwölften Klasse, also während der Schulzeit, fühlte ich mich in meiner eigenen Haut unwohl.

ON: Würde eine wunderschöne Frau wie du die Hilfe eines Date Doktors benötigen?

EM: Eigentlich geht es mehr in die Richtung, dass ich mir jemanden wünsche, der helfend im Hintergrund wäre. Im Moment brauche ich keine solche Unterstützung. Aber vor ein paar Jahren hätte ich mir einen derartigen Gesprächspartner gewünscht.

ON: Hattest du damals Freunde, die Dir helfen konnten?

EM: Ja, aber deren Liebesleben war ebenfalls nicht das Gelbe vom Ei. Es ging uns allen mies. Wir gaben uns zwar gegenseitig Ratschläge, doch letztlich befindet sich jeder in derselben Situation. Es ist zum verrückt werden.

ON: Was war dein schlimmstes Erlebnis bei einem Rendez-vous?

EM: Davon habe ich gleich zwei. Eine war, als ich diesen Jungen in der zwölften Klasse fragte, ob er mit mir Tanzen gehen würde. Es war einer dieser "Mädchen fragt Jungen"-Tänze. Also haben ich und meine Freundin den Jungen und seinen Freund gefragt, ob sie mit uns ausgehen würden. Ich und meine Freundin holten die Jungs ab. Den ganzen Abend lang - es war an Halloween - hatte er eine Stinklaune. Das Kostümmotto lautete "Hawaiianer". Er steigt ohne Hawaii-Verkleidung in den Wagen. Ich sagte: "Komm schon, Rick!" Ich dachte zwar, dass es ziemlich unfreundlich war, trotzdem wollte ich den Abend irgendwie noch retten. Als wir schliesslich zur Party gingen zeigte er Null Interesse. Wir mussten ein Gruppenfoto machen, doch er wollte einfach nicht. Ich habe mich in dieser Situation extrem unwohl gefühlt, sagte aber: "Okay, lass uns einfach tanzen." Wir tanzten bis er zur Toilette ging, verschwand und mich alleine auf der Party zurückliess. Es war ein Scheisserlebnis und ich dachte nur "Aahh, mein Gott!".

ON: Wie alt ist man in der zwölften Klasse in Amerika?

EM: 17.

ON: Du bist bestimmt total sauer gewesen.

EM: War ich, ja. Aber so sehr habe ich den Typen nicht gemocht. Es war schlecht fürs Ego und alle wussten davon. Deshalb hat es mich verletzt.

ON: Hast du ihm das je heimgezahlt?

EM: Ich bin keine, die sich an Leuten rächt oder Rachgelüste hegt. Ich vertraue dem Universum und darauf, dass jeder irgendwann seine Bestimmung findet. Für alles gibt es einen Grund.

ON: Wie war es, als du Sprecherin für Revlon wurdest?

EM: Wirklich grossartig.

ON: Testen die bei Revlon ihre Produkte an Tieren?

EM: Nein, Revlon hat weder tierischen Nebenprodukte noch solche, die an Tieren getestet wurden in ihrem Sortiment. Es sind viele herausragenden Frauen dabei: ich, Halle Berry, Julian Moore. Und nun sind noch Susan Sarandon sowie Kate Bosworth dazugekommen. Wir sind ein echt tolles Frauenteam. Aber Grund Nummer eins, warum ich mich für Revlon entschieden habe - es gibt ja offensichtlich derart viele Kosmetikfirmen - ist, dass sie Spendengelder für die Brustkrebs-Forschung sammeln. Als ich an Bord kam war ich erstaunt, dass sie soeben 25 Millionen Dollar für die Brustkrebs-Forschung gesammelt hatten. Das zu wissen, tut mir gut.

ON: Bist du der Ansicht, dass du als berühmte Person verpflichtet bist, dich für solche Dinge zu engagieren?

EM: Das denke ich, ja. Sogar an Anlässen wie dem gestrigen wurden wir an der Premiere so herzlich und mit grosser Freude empfangen. Das hat mich fast etwas schockiert, denn ich hatte keine Ahnung, dass all diese Leute dermassen freundlich sein würden. Und ich fühlte, dass uns eine enorme Stärke begleitete. Ich glaube, dass ich in diesem Moment ich die Kraft dazu hätte, Kinder und Jugendliche, oder sogar Erwachsene, zu beeinflussen. Ich erinnere mich selbst immer wieder an diese Kraft, und dass ich sie zum Guten sowie für positive Ziele nutzen und einsetzen muss. Ich habe mein persönliches Gebiet diesbezüglich zwar noch nicht gefunden. Aber ich bin stets auf der Suche nach dem, was ich als eine Art persönliches, eigenes Sprachrohr oder -werkzeug verwenden könnte.

ON: Für gewöhnlich beenden wir unsere Interviews mit ein paar Pop-Up Fragen. Ich sage Dir ein Wort und Du antwortest mir darauf, was dir dazu gerade in den Sinn kommt.

EM: Okay. Ich bin heute Morgen aber etwas langsam, weshalb ich vielleicht etwas länger brauche.

ON: Latinos.

EM: Macho

ON: Will Smith

EM: Perfekt

ON: Dates

EM: Grässlich

ON: Sugarfree Red Bull

EM: Ah, das Beste!

ON: Revlon

EM: Glückstreffer

ON: Schweiz

EM: Ohh. Wunderschön.

ON: Super. Hab' vielen Dank.

EM: Okay. Ich war da schon etwas langsam.

ON: Warst Du schon mal in der Schweiz?

EM: Nein, aber das Bild, dass ich bei "Schweiz" vor meinem geistigen Auge habe, ist einfach traumhaft.

Quelle: OutNow.CH

19.02.2005 00:00 / rm


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