The Ring Thing: Das Interview mit André Küttel

Falls der Gorilla Blauarsch wieder en vogue kommt, wäre André Küttel nicht unschuldig. Er verpasste den Dialektdialogen in The Ring Thing den letzten Schliff und sorgte so für die künstlerischen Nähe zum Chasperlitheater. Als ehemaliger Mitinhaber einer Werbeagentur ist er prädestiniert für Kurzes und Prägnantes. Wie der Regisseur Mark Schippert hatte auch Küttel seine Hände beim "Scharmör" im Spiel. Er ist als freier Autor tätig.

OutNow.CH (ON): Wie oft hast Du den fertigen Film schon gesehen?

André Küttel (AK): Fix und fertig, also so wie er jetzt in den Kinos läuft, hab ich ihn einmal gesehen. An der Vorpremiere.

ON: Und wie gefällt Dir das Endresultat?

AK: Ich bin eigentlich zufrieden, wie er jetzt ist. Wir hatten ja nicht viel Zeit für das ganze Projekt und in der Postproduction wurde auch noch was rausgeholt. Und der finale Film gefällt mir eigentlich recht gut.

ON: Hast Du irgendwelche Reaktionen von Zuschauern erhalten? Positive oder Negative?

AK: Ich war ja an der Vorpremiere, die nur für die ganze Crew war. Und da waren natürlich alle zufrieden mit dem Gezeigten. Klar, hat man dann noch Kommentare gehört, wie "da hätte ich aber besser spielen können" oder "dieser Special-Effect ist nicht ganz gelungen" und so. Aber grundsätzlich war das Feedback recht positiv.

ON: Bei OutNow.CH scheint der Film eher weniger gut anzukommen. Wie gehst Du mit schlechter Kritik um? Ist Dir das egal, oder nimmst Du Dir das extrem zu Herzen?

AK: Ich würde lügen, wenn es mir ganz egal wäre. Ich weiss natürlich, was darüber berichtet wird. Auch auf OutNow.CH hab ich nachgelesen, was da so die Meinung zum Film war. Ich wusste von Anfang an, dass dieser Film polarisieren wird. Diese Erfahrungen hab ich aber schon beim "Scharmör" gemacht, den ich ja damals geschrieben habe. Das geht von heisser Liebe bis zu "furchtbarem Seich". Daher hab ich schon ein bisschen Erfahrung mit schlechter Kritik. Aber es ist natürlich klar, dass ich schon etwas enttäuscht bin, dass der Film nicht so gut aufgenommen wurde, wie ich mir das erhofft habe. Es ist mir aber ebenfalls klar, dass vor allem die Jungen, also Teenager, den Film anschauen werden und er ihnen besser gefallen wird, als denjenigen, die zum Beispiel, über 20 sind. Aber im Gästebuch auf www.ringthing.ch gibt es durchaus Kommentare, die positiv sind und das zeigt, dass es einigen Leuten gefällt. Der Film ist auch wirklich für ein jüngeres Publikum gemacht, darum belastet mich die negative Kritik nicht besonders stark. Schockiert bin ich also nicht. Auch mit eurer Kritik auf OutNow.CH kann ich umgehen. Die war sehr konstruktiv. Und auch die daraus erfolgten Forumsbeiträge akzeptiere ich natürlich.

ON: Die Geschichte ist bei Lord of the Rings entlehnt. Gab es da nie Probleme mit dem Copyright? Szenen, die man machen wollte, aber dann doch nicht durfte? Und wie kam man aus solchen Sackgassen wieder raus?

AK: Erstmal ist grundsätzlich abgeklärt worden, ob man überhaupt eine solche Parodie machen darf. Das ist offenbar rechtlich ein Problem gewesen. Und die Geschichte muss sich halt ganz klar vom Buch und dem Film differenzieren. Was wir sicher nicht machen durften war, Szenen so zu kopieren, dass man sie losgelöst vom restlichen Film, mit dem Original verwechseln könnte. Zudem mussten wir die Namen der Figuren so weit als möglich von denjenigen des Originals entfernen. Es war aber nicht so, dass uns das eingeengt hat, da wir nur vereinzelte, bekannte Szenen aus dem Original raus genommen haben und dann halt parodiert haben. Beim Rest hatten wir relativ freie Hand. Grössere Probleme gab es nicht.

ON: Wer kam auf die Idee mit den Namen wie "Grmpfli" oder "Almgandhi"? Woher nimmt man das?

AK: Das war Christoph Silber.

ON: Hat das einen Hintergrund oder entspringen die Namen vollkommen der Fantasie?

AK: Das ist eine gute Frage, die man Christoph wohl am besten selber stellen sollte. Ich war bei den allerersten Sitzungen noch nicht dabei. Dort wurden die Namen entwickelt. So wurde aus Frodo der Friedo und aus Sauron der Sauraus. Die machen noch Sinn. Aber wie man auf "Grmpfli" oder so kommt, da hab ich echt keine Ahnung. Sorry.

ON: Für Ferienfieber hast Du schon den Feinschliff am Drehbuch gemacht. Und jetzt auch für The Ring Thing. Wann kommt das erste vollständige Drehbuch von dir?

AK: Es gibt verschiedene Sachen in Planung. Aber wie es halt in diesem Business ist, man versucht es immer wieder und ab und zu wird auch mal was genommen. Ich habe ja bis jetzt viel fürs Fernsehen gemacht und fürs Theater. Aktuell wird ein Kurzfilm gedreht, der von mir geschrieben wurde. Das ist im Januar. Und so langsam finde auch ich meinen Weg und irgendwann wird auch mal eins meiner Drehbücher für eine grössere Sache berücksichtigt. Momentan bin ich halt einfach an vielen Projekten beteiligt. Und da ich gerne im Team arbeite, ist das Ziel der Verfilmung eines eigenen Drehbuchs noch nicht so dringend.

ON: In Ring Thing hat es klassische, Schweizer Flüche, die ich von meiner Jugend her kenne. "Du bisch so en Mongo" oder "Gorilla Blauarsch", um mal zwei zu nennen. Woher kommen die? Spricht man heute wirklich noch so?

AK: Ja, die sind von mir. Ist noch interessant. Ich hatte nicht erwartet, dass das so eine grosse Resonanz haben wird. Gerade die beiden Ausdrücke scheinen dem Zuschauer hängen geblieben zu sein. Und das sind halt wirklich Ausdrücke, die ich von meiner Schulzeit kenne. Und diese Ausdrücke sind halt inzwischen ein bisschen verloren gegangen. Die heutige Jugend flucht auf Englisch und sagt halt "Fuck" oder so, während wir uns noch anders ausgedrückt haben. Das war halt eine gute Gelegenheit, diese Sachen wieder rauszuholen. Und die Adaption des hochdeutschen Textes war insofern interessant, als dass ich auch solche Sachen einbauen konnte, da ja zum Beispiel die Figur des "Almgandhi" noch ältere Ausdrücke braucht.

ON: Du hoffst also auf ein Revival der alten Schimpfwörter.

AK: Tja, hoffen ist übertrieben. Aber wenn es eins geben würde, wäre ich schon ein bisschen stolz. Ich habe halt versucht, ein bisschen retro zu sein. Auch sprachlich.

ON: Wann hast Du zum letzten Mal jemandem ein "Gorilla Blauarsch" nachgeworfen?

AK: (Er lacht.) Das ist schon lange her.

ON: Du selber brauchst also diese Ausdrücke nicht?

AK: Nein, natürlich nicht. Aber ich versuche ja sowieso, anständig zu reden und nicht zu fluchen.

ON: Welcher Schweizer Komiker oder Kabarettist trifft Deinen Humor am besten?

AK: Kabarettist wäre eventuell Lorenz Kaiser. Der gefällt mir sehr gut. Aber auch Elemente von Beat Schlatter oder Viktor Giaccobo. Aber so als ganzes gefällt mir schon der Lorenz Kaiser am besten.

ON: Ich habe noch ein paar Pop-ups für Dich. Ready?

AK: Klar.

ON: Lord of the Rings

AK: Extrem erfolgreich

ON: Schweiz

AK: Neutral

ON: Titlis

AK: Titlis? (Er lacht laut) Da kommt mir mein Namensvetter in den Sinn. Da arbeitet einer, der heisst genau wie ich.

ON: Ach, das bist nicht du?

AK: Nein, nein. Aber du warst in dem Fall im Internet und hast recherchiert. Aber das bin defintiv nicht ich.

ON: Parodien

AK: Ring Thing

ON: Grossangelegte Werbekampagnen

AK: Ring Thing

ON: Gwendolyn Rich

AK: Gute Frau

ON: Schlechte Filmkritiken

AK: Muss ich damit leben.

ON: Ring Thing 2

AK: Vielleicht

ON: Peter Jackson

AK: Kann sich durchsetzen und hat etwas geleistet, von dem man erwartet hat, dass es niemandem gelingt.

ON: OutNow.CH

AK: Super geniale Seite. Echt. Ausser, dass ihr meinen Namen falsch geschrieben habt. Aber der Rest ist klasse!

ON: Das wars auch schon. Danke André für das Interview und noch viel Erfolg mit deinen Drehbüchern.

Quelle: OutNow.CH

22.12.2004 00:00 / muri


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