Hellboy: Interview mit Ron Perlman

Zum OutNow.CH Interview erschien Ron Perlman gleich nach dem Mittagessen. Als erstes bestellte er sich einen Schoggikuchen, den man ihm schnellstens bereit stellte.

Er machte dann ein paar witzige Bemerkungen zu den verschiedenen Aufnahmegeräten, die OutNow.CH für das Interview benötigte (Ein Diktaphon und eine Videokamera). Und er erklärte, dass er nur Evian trinke, wenn er sich in der Schweiz befinde. Er zeigte damit ebenso eine kleine Schwäche in Geographie wie seine Kollegin Selma Blair, die gleich danach interviewt wurde.

OutNow.CH: Hallo. Wir freuen uns einen waschechten New Yorker in Zürich begrüssen zu dürfen.

Ron Perlman: Besten Dank.

ON: Kannst du den OutNow.CH Usern erzählen, was für ein Typ Hellboy ist?

RP: [er denkt lange nach]. Was für ein Typ ist Hellboy? Also, er ist ein Widder mit Aszendent Skorpion. Das war ein Scherz. Er ist eine interessante Figur. Er ist ein Dämon, der in einer menschlichen Umgebung gross gezogen wurde. Deshalb hat er eine Persönlichkeit, die man nur zu gut kennt. Ein Vertreter der Arbeiterklasse, der gerne Bier trinkt, Fast Food isst, und auf seiner Zigarre kaut. Im Prinzip ist er ein Mitglied des Bureau for Paranormal Research and Defense, was so etwas wie ein FBI Agent ist. Er hängt einfach viel rum und ist halt sehr männlich in seinem Verhalten. Aber er hat Fähigkeiten, die ihn aus der Masse hervorheben und einen einzigartigen unglaublichen Körperbau. Er ist rot. Er hat einen Schwanz. Er trägt Hörner, die er sich aber abschleift, weil er nicht noch mehr auffallen will in der Masse. Und sein Job ist es anderen Dämonen die Fresse zu polieren.

ON: War die Hellboy Figur so, wie du sie Dir vorgestellt hast, oder getreu nach den Anweisungen des Regisseurs?

RP: Der Regisseur sagte uns genau, wie es sein sollte. So wie er es geschrieben hat. Ziemlich genau so, wie man es jetzt im Film sieht. Hellboy hat diesen bitteren, zynischen Witz, den er zur eigenen Belustigung und zur Motivation nutzt. Hellboy will sich mit allen Mitteln unterhalten, egal in welcher Situation er sich gerade befindet. Oft geschieht das auf Kosten Anderer, die sich in seinem Umfeld befinden. Political Correctness ist ihm weniger wichtig. Genau so steht es im Script. Guillermo Del Toro hat die Charakterisierung von Hellboy schon beim Ausstatten der Figur mit einer Persönlichkeit beendet. Alles was ich tat, war genau das zu tun, was ich dachte, dass das Drehbuch verlangte.

ON: Man sieht dich des öfteren in speziellen Rollen von Figuren, die oft anders aussehen als normale Leute. Wie bereitet man sich auf solche Rollen vor?

RP: Jeder Job hat seine eigenen Rahmenbedingungen. Die Herausforderung mit Hellboy war es, sich nicht vorzubereiten. Den Mut aufzubringen, nicht zu proben, nicht einmal daran zu denken, was ich mit der Figur anfangen soll. Ich wollte einfach aufs Set laufen und eine spontane und so ursprünglich wie mögliche Darstellung bieten. Der Junge schwingt mit einer so ähnlichen Wellenlänge wie ich, wenn es darum geht, sich durchs Leben zu schlagen, dass ich dachte, zuviel Vorbereitung, würde der Sache schaden. Es war deshalb fast eine ungeprobte, wenig vorbereitete Darstellung. Bei anderen Figuren, z.B. einem Höhlenmenschen, der vor 80'000 Jahren lebte, braucht es die Recherche. Man muss beobachten, das Verhalten in Proben verfeinern, bis man sich dem der anderen Darsteller annähert. Jede Figur hat so ihre eigenen Anforderungen. Einige sind aufs gründlichste recherchiert: Man liest sich ein, denkt darüber nach und diskutiert lange. Andere sind wie Hellboy. Die kommen aus dem Herzen und brauchen keine Inputs von aussen.

ON: Immer mehr Comichelden wagen den Sprung auf die Leinwand. Siehst du Hellboy als Konkurrenz zu Spider-Man, The Hulk und Daredevil?

RP: Natürlich nicht. Hellboy spielte 60 Millionen ein an den Kinokassen im Gegensatz zu den 370, die Spider-Man 2 erwirtschaftete. Bei Hellboy handelt es sich aber um eine Figur, die keiner kannte. Die Leserschaft dieser Comics ist minim. Nur ein paar Tausend statt Hundertausende. Wir mussten deshalb die Figur zuerst bekannt machen, mit einem wenig bekannten Schauspieler wie mir. Jemand der noch nie alleine einen teuren Film nur mit seinem Namen getragen hat. Ich denke aber, wir haben das nicht so schlecht gemacht, wenn man bedenkt, gegen welche Konkurrenz wir anliefen. Hulk ist eine Ikone. Spiderman, Batman, Superman sind alles Figuren, mit denen die Leute aufwuchsen. Der Wiedererkennungswert im Publikum ist schon vorhanden, was bei uns nicht der Fall war.

ON: Kanntest du die Hellboy Comics vor dem Film schon?

RP: Erst nach den 6 Jahren in denen Guillermo del Toro für mich als Hellboy gekämpft hat, begann ich sie zu lesen. Ich weigerte mich, sie zu lesen, auch bei den kritischsten Punkten auf der Reise zum fertigen Film. Ich wollte sicher gehen, dass ich die Rolle bekam, bevor ich mich emotional zu sehr mit der Figur anfreundete. Ich wusste aber, wer Hellboy war. Guillermo hat ihn mir vor acht Jahren in einem Comic Laden gezeigt, als er die Idee für den Film hatte. Ich habe mich aber freiwillig davor gehütet, allzu vertraut zu werden mit ihm.

ON: Die Gerüchte besagen, dass der Hellboy-Zeichner Mike Mignola und Regisseur Guillermo del Toro sofort an dich dachten, als es um die Besetzung der Hauptrolle ging. Sie mussten das Studio aber lange Zeit überzeugen, dass du der richtige bist. Stimmt das?

RP: Es dauerte fast sieben Jahre. Es war einmal bei einem Studio für ganze fünf Jahre. Sie hätten den Film bereits fünfzehn Mal gemacht, wenn Guillermo sich nur nicht gegen die Auswahl an Hauptdarstellern des Studios gewehrt hätte. Aber er blieb seiner Vision treu und machte klar, dass er den Film lieber nicht drehte, als in irgendeiner Weise, die nicht der seinigen entsprach.

ON: Es ist bereits Deine dritte Zusammenarbeit mit Del Toro. Wo liegen die Gründe für die häufige Zusammenarbeit?

RP: Ich denke, diese Frage solltest du eher ihm als mir stellen. Wir scheinen wie eine Art Brüder zu sein. Ich kannte ihn erst fünf Minuten, aber es war einer dieser Momente, wo man dachte, man kenne sich bereits 25 Jahre. Diese plötzliche Freundschaft und Annerkennung. Eine sehr ähnliche Weltanschauung. Als wir dann zusammen arbeiteten, war da eine unglaubliche Sympathie. Man könnte fast sagen, wir sind Alter Egos. Wenn er Schauspieler wäre, würde er wie ich sein und wenn ich Filme machen würde, wäre ich er. Es scheint als würden wir beide die selben Meinungen verbreiten.

Ein Ober bringt Ron Perlman einen Teller voller Brownies.

RP: [in die Kamera] Ich möchte, das eure User wissen, dass ich mich sehr gesund ernähre. Ich esse nur Sachen ohne Zucker, ohne Speisestärke, ohne Kohlenhydrate und ohne Fett.

ON: Man sieht es. Teil zwei von Hellboy scheint schon geregelt. Kann man schon Genaueres dazu sagen?

RP: Sie lassen mich nicht an den Geheimnissen teilhaben. Ich denke, die betrachten mich als diesen 14-jährigen, unverantwortlichen Teenie, der sobald er eingeweiht ist, alles im Internet verplappert. Ich werde wahrscheinlich erst am Drehort genau erfahren, worum es geht.

ON: du hast schon bei ein paar Folgen von "Beauty and the Beast" Regie geführt. Wooden Lake, dein erster Film als Regisseur, geht auch bald in Produktion. Kann man dazu schon etwas mehr sagen?

RP: Es ist ein kleiner Film. Eine unabhängige Low-Budget-Produktion. Genau das Feld, dass ich gerne bearbeiten möchte. Es scheint, dass alle meine Lieblingsfilme am Ende jeden Jahres kostengünstige, bescheidene Produktionen sind, die ohne Explosionen und Spezialeffekte auskommen - schlaue, intelligente, witzige Geschichten über das Wesen des Menschen. Das sind genau die Filme, die ich gerne sehe. Ich wusste beim Lesen sofort, dass dies der perfekte Film für mein Regiedebüt sein würde. Und ich mache mich gleich nach diesem Interview an die Arbeit.

ON: Du hast...

RP: [laut rufend] Kamera läuft?

ON: Du hast wahrscheinlich...

RP: [nochmals laut] Und Schnitt! Sorry. Was sagtest du?

ON: Fernsehserien werden immer populärer auf DVD. Ich frage mich, ob es Pläne zur Veröffentlichung der "Beauty and the Beast"-Serie auf DVD gibt.

RP: Ich habe nichts gehört, aber viele Leute fragen mich das. Ich werde deshalb, sobald ich fertig bin mit meinem Film und den Brownie hier gegessen habe, nach Hause gehen, und das raus finden. Wenn wir uns das nächste Mal treffen, sag ich Dir, wie es um die DVD steht.

ON: Vor kurzem war in Berlin eine Autogrammstunde, an der du auch teilgenommen hast. Der Chef von Columbia Tristar Deutschland hat dort US-DVDs konfisziert, weil er annahm, es seien Raubkopien. Hast du davon etwas bemerkt und wie ist Deine Meinung dazu?

RP: Ich denke Hellboy wurde zu Tode kopiert. Im April hat mir schon jemand eine Kopie davon in New York offeriert. Man kann nirgends hingehen, ohne dass einem solche Disks angeboten werden. Wahrscheinlich ist Spider-Man 3 schon erhältlich; noch nicht fertig gedreht, aber schon als Raubkopie im Umlauf.

ON: Uns wurde gesagt, es wären legal erworbene RC-1 DVDs gewesen, die in Amerika schon auf dem Markt sind. Sie wurden aber trotzdem konfisziert, weil der Manager wahrscheinlich nicht wusste, was er in der Hand hatte.

RP: Nein. Nein. Da war etwas faul mit der DVD, die einer dem Guillermo vor die Nase schob zum unterschreiben. Guillermo hat sofort bemerkt, dass das keine offizielle Kopie war; dass es wahrscheinlich eine schwarze Pressung war. Der Typ bekam seine DVD zurück. Aber das ist ein grundsätzliches Problem. Das ist Diebstahl. Geistiges Eigentum zu klauen ist etwas gratis zu beziehen, das 100 Millionen von Dollars gekostet hat, in das Leute Blut, Schweiss und Tränen investiert haben über einen gewissen Zeitraum. Das ist kriminell und nicht zu verteidigen. Das Problem ist so neu, dass wir noch nicht vollständig verstanden haben, wie wir damit umgehen müssen. Aber schlussendlich werden wir die Sache hoffentlich unter Kontrolle bringen und es wird die Filmindustrie nicht zerstören können wie die Plattenindustrie.

ON: Zum Abschluss geb ich dir noch ein paar Stichworte, zu denen du uns einfach sagen sollst, was Dir als erstes in den Sinn kommt.

RP: Ok.

ON: Die Schweiz

RP: Brownie.

ON: Das Internet

RP: Brownie.

ON: Golden Globes

RP: Schoggikuchen.

ON: Die New York Yankees [Perlmans Lieblingsteam]

RP: Brownie.

ON: Linda Hamilton

RP: Eiscreme.

ON: Golfen

RP: Mmmmmmmh... [sehr zufrieden]

ON: Basketball im Raumschiff

RP: Schwierig.

ON: OutNow.CH

RP: Das ist mir zu hoch.

ON: Vielen Dank.

Er nahm sich dann trotz dem Brownie die Zeit für Autogramme und Fotos. Im grossen und ganzen trafen wir auf einen Mann, der diese Art von Promotion schon dutzendfach gemacht hat und der sich ähnlich wie Hellboy seinen Spass daraus machte. Er war aber äusserst seriös, wenn es um das Produkt Hellboy ging und bei den Stichworten am Ende. Wir sollten ihm diese wohl mal zu einem Zeitpunkt geben, bei dem er nicht nur Dessert im Kopf hat. Sein Stimme aber ist im richtigen Leben genau so tief wie im Film. Man denkt tatsächlich die Aufnahme des Interviews laufe zu langsam, wenn man der Kassette lauscht.

Quelle: OutNow.CH

23.08.2004 00:00 / rm


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