Kuba Krise für Michel Moore

Ab heute in St. Gallen zu sehen: Michel Moore

Ab heute in St. Gallen zu sehen: Michel Moore

Es vergeht fast kein Tag ohne eine Meldung zu Michael Moores Dok-Film Fahrenheit 9/11. OutNow.CH hat die Leserschaft verschont mit Zeitungen, die Fälschung vorwerfen und Vorstellungen vor der Haustür von George W. Bush. Die neueste Meldung wird nun aber nicht mehr vorenthalten. Denn man kann aus dem letzten PR-Wirbel auch was kleines zu den Regeln der Oscar-Verleihung lernen.

Bisher allgemein bekannt war, dass Filme für mindestens eine Woche in einem Kino der Stadt Los Angeles gelaufen sein müssen, um ins Rennen um die begehrten Goldmännchen steigen zu dürfen. Die Filme müssen auch zuerst auf der Leinwand gezeigt werden. Fernsehfilme sind deshalb ausgeschlossen. Eher ungekannt ist aber, dass Dokumentarfilme auch disqualifiziert werden, wenn sie innerhalb der ersten neun Monate nach der Veröffentlichung im Kino im Netz oder irgendwo auf der Welt am Fernsehen gezeigt werden. Genau das ist aber mit Fahrenheit 9/11 passiert. Und zwar im kubanischen Fernsehen.

Ob Fidel Castro dahinter steckt, ist nicht übermittelt worden. Der kubanische Revolutionsführer ist sicher, genauso wie Moore auch, an einer Abwahl George W. Bushs interessiert. Nur wird er auch im möglichen Nachfolger keinen Freund finden. Ausserdem werden wohl auch die flinksten Flüchtlinge aus Kuba nicht schnell genug zu einer US-Staatsbürgerschaft kommen, dass sie Einfluss auf die Wahlen im November nehmen könnten. Vor allem nicht in Florida, sicher einem der Bundesstaaten, wo bei dieser Wahl genauestens aufgepasst wird beim Stimmen zahlen.

Auch sonst bleiben einige Fragen. Wurde der Film auf spanisch ausgestrahlt? Haben die Kubaner ihn überhaupt verstanden? Wollen die Kommunisten das Zepter in Hollywood übernehmen? Durften die Gefangenen in Guantanamo auch gucken?

Sicher ist, die Academy muss keine Auge zudrücken. Da es sich um eine Raubkopie handelt, die zur Austrahlung kam, gilt die Regel nicht. Wenn jemandem ein Film geklaut wird, könne man ihn nicht dafür bestrafen, sagte ein Sprecher. Pustekuchen. Wir können uns also weiterhin auf eine lustige Dankesrede des dicken Mannes mit der Dächlikappe freuen nächstes Jahr.

In St. Gallen läuft der Film heute an. Im Rest der Deutschscheiz ist es am 12. August soweit. Was die Frage aufwirft, ob kubanischen Kommunisten mit den St. Galler Kinobetreibern unter einer Decke stecken.

Ausserdem verstreicht am 1. September die Frist, um Filme für die Oscars 2004 anzumelden. Noch ist nicht sicher, ob Fahrenheit 9/11 sogar in der Kategorie "Bester Film" eingereicht wird.

05.08.2004 03:11 / rm

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10 Kommentare

Zitat muri (20040805111759)
Zitat rm (20040805111636)

Aber weiss jemand warum der Film in SG schon läuft?


St.Gallen, das Kuba der Schweiz....:-D


Wer Angst hatte, dass Marx und Engels bald zum Pflichtstoff auf der Assesmentstufe an der HSG gehören würden, kann beruhigt werden. Der Grund für den vorschnellen Release in der Ostscheiz ist ein zutiefst kapitalistischer. St. Gallen steckt nicht mit Kuba unter einer Decke, sondern mit Österreich. Dort startete nämlich Moores Neuester diesen Donnerstag. Es ist kein Geheimnis, Kino in Österreich ist billiger als in der Schweiz. Da ein Kino wie der Cinedome in Abtwil sowieso nur per Auto zu erreichen ist, macht der Trip enet die Grenze ins A-Multiplex keinen grossen Unterschied mehr. So sah man die Felle davonschwimmen beim wohl lukrativsten Release dieses Jahres und man sprang über den eigenen Schatten und zeigt nun auch im Cinedome einen Film mit Untertiteln. Auf die Pause wird aber nicht verzichtet. Wo kämen wir da hin? Bevor die Irakis brennen, brutzelt also noch kurz das Popcorn.

Der Recherchen in SG hatten auch was Gutes. Die hitzebeständige OutNow.CH-Review zum Film ist da:
http://outnow.ch/Movies/2004/Fahrenheit911/

th Filmgott
05 Aug 2004 14:41:39

der film hat meines erachtens - ganz im gegensatz zu bowling for columbine - keinen oscar verdient...

vom inhalt her vielleicht,doch rein filmisch ist er besser

der film hat meines erachtens - ganz im gegensatz zu bowling for columbine - keinen oscar verdient...

Ach bitte, wer beim Oscar immer noch das Gefühl hat, das der beste Film ein Goldmännchen gewinnt, ist naiv.

Ich weiss ehrlich gesagt selber nicht, auf welche Kriterien sich die Academymitglieder besinnen, aber ich sehe sehr gute Chancen für Michael Moore. Seine Message gefählt doch einigen Leuten.

wieso soll fahrenheit keinen oscar holen? 80% der academy-members sollen
demokraten sein.....

[Editiert von 'papp' am 05 Aug 2004 13:33:07]