Heroic (2023)

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Filmkritik: Achtung fertig, Cabron!

39th Sundance Film Festival
Bereit fürs Gefecht: Mexikanische Rekruten warten auf Befehle.
Bereit fürs Gefecht: Mexikanische Rekruten warten auf Befehle. © Courtesy of Sundance Institute

Wie schon sein Vater möchte der 18-Jährige Luis (Santiago Sandoval Carbajal) Karriere beim Militär machen. Er schreibt sich bei den Elitetruppen ein, in der Hoffnung, er könne mit dem Sold auch seine indigene Familie unterstützen. Bald schon besteht sein Alltag aus Drill-Übungen in einer kargen Kaserne, die an einen Atzteken-Tempel erinnert.

Weitsicht mit Adlerauge: Luis' Zukunftsaussichten sind trüb.
Weitsicht mit Adlerauge: Luis' Zukunftsaussichten sind trüb. © Courtesy of Sundance Institute

Luis' Gruppenführer ist der sadistische Seargent Sierra (Fernando Cuautle), der gleich zu Beginn klar macht, dass er keine Widerrede duldet. Zusammen mit seinen Schergen schreckt Sierra auch nicht vor Gewaltanwendung gegen seine ihm Untergebenen zurück. Als ein Mitsoldat von Luis über Nacht nicht mehr auftaucht, beginnt sich Luis zu sorgen. Wird er seinen Kameraden jemals wiedersehen?

Mehr Full Metal Jacket als Achtung Fertig, Charlie!: Heroic bietet mehr Stimmung als Handlung. Eine immer enger werdende Gewaltspirale umschliesst den Hauptprotagonisten und das Publikum gleichermassen im Film von David Zonana (Workforce), der damit die Verhältnisse in der mexikanischen Armee anprangern möchte. Das gelingt durch Schockmomente und die subtile Zeichnung des indigenen Umfelds von Luis.

Die Rekrutenschule prägt junge Männer in der Regel fürs Leben. Was Luis in seiner Kaserne erleben muss, sprengt aber die Grenzen des Ertragbaren. Mexiko, ein Land geprägt von gewalttätigen Banden, scheint auch seine Armee nicht unter Kontrolle zu haben. Dies ist zumindest die These des Regisseurs David Zonana, der hinter die medial veröffentlichte Fassade der Institution blicken möchte, und die Misstände brutal schildert.

Mit dem Cast, der aus Laien besteht, die selber in der Armee waren, wird eine Geschichte von Folter, Ohnmacht und Gewalt erzählt. Das hat auch Auswirkungen aufs Privatleben der Soldaten. Teile des Films sind in Nahuatl gesprochen, die am meisten gesprochene indigene Sprache in Mexiko. Hauptszenerie ist der an einen Atzteken-Tempel erinnernden Waffenplatz ab, dessen Architektur ebenso brutal wirkt, wie die Handungen seiner Insassen.

Es gibt Handlungspunkte, wie das Verschwinden eines Mitrekruten, das einen zumindest miträtseln lassen sollte. Den Fokus setzt Zonana auf die Gewaltspirale, die sich immer schneller dreht - die verbreitete Stimmung ist wichtiger als der Plot. In guten Momenten erinnert der von Michel Franco (New Order) produzierte Film an die Werke von Michael Haneke; in den weniger guten - oft, wenn das Militärspiel wieder mal besonders laut über die Tonspur dröhnt - ist man einfach nur entsetzt.

Roland Meier [rm]

Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom blue TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.

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