The Weekend Away (2022)

The Weekend Away (2022)

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  2. 89 Minuten

Filmkritik: Schalt mal ab!

Netflix
Ein Königreich für ein Glacé!
Ein Königreich für ein Glacé! © Ivan Šardi/Netflix

Das Leben als junge Mutter kann ganz schön streng sein. Deshalb freut sich Beth (Leighton Meester) auf ein erholsames Wochenende in Kroatien zusammen mit ihrer besten Freundin Kate (Christina Wolfe). Diese hat sich gerade von ihrem Mann getrennt und möchte an der Adriaküste mal so wieder richtig auf den Putz hauen. Beth ist da etwas zurückhaltender, auch wenn es im Moment in der Beziehung mit ihrem Mann Rob (Luke Norris) etwas harzig läuft. Schliesslich landen die beiden Engländerinnen trotzdem in einer Bar, trinken einige Drinks über den Durst und flirten mit zwei gutaussehenden Einheimischen.

Er benötigt Unterstützung beim Sprung ins kalte Wasser.
Er benötigt Unterstützung beim Sprung ins kalte Wasser. © Ivan Šardi/Netflix

Doch dann kommt der Filmriss. Erst am Morgen wacht Beth mit sturmem Kopf in ihrem Appartment wieder auf - allein. Sie weiss weder, was in der letzten Nacht passiert ist, noch wo ihre Freundin ist. Als Kate auch im Verlauf des Tages nicht auftaucht, beginnt sich Beth Sorgen zu machen. Bei der lokalen Polizei nimmt man das Verschwinden einer englischen Partynudel allerdings nicht sonderlich ernst. So versucht Beth zusammen mit dem syrischen Taxifahrer Zain (Ziad Bakri) selbst herauszufinden, was in der letzten Nacht passiert ist.

Bei diesem sommerlichen Verschnitt aus The Hangover und Frantic passt leider nicht viel zusammen. Die Figuren sind platt, die Geschichte bemüht sich zwar, clever zu sein, stammt aber aus der Drehbuch-Mottenkiste und ist zu keiner Sekunde originell. Immerhin ist The Weekend Away ein «Easy Watch». Der 90-Minüter ist einer dieser Filme, die man problemlos auch mit verminderter Aufmerksamkeit schauen kann. Ein Film zum Abschalten sozusagen. Im doppelten Wortsinn.

Nachdem letztes Jahr in Beckett John David Washington durch Griechenland stolperte, haut Netflix einen weiteren Thriller raus, der in idyllischen mediterranen Gefilden spielt. Das sommerliche Setting an der Adriaküste - gedreht wurde übrigens in Split - ist sicherlich noch das Sehenswerteste an The Weekend Away.

Macht der Film beste Werbung für die landschaftlichen Vorzüge des Landes, für dessen Bewohnerinnen und Bewohner macht er es definitiv nicht. Die kroatischen Nebenfiguren sind nämlich alle ziemlich «shady» - von den hohlen Partywölfen über den creepigen Airbnb-Vermieter bis zu den Sturköpfen bei der Polizei.

Auch abgesehen von diesem faden Beigeschmack bekundet der Film Mühe an allen Fronten. Die Ausgangslage ist noch einigemassen stimmig: Die verschwundene Freundin im fremden Land erinnert an Klassiker wie Frantic oder die Taken-Serie; nur dass den Figuren leider die Ausstrahlung eines Harrison Ford oder Liam Neeson fehlt. Und das gilt sowohl für Leighton Meester als Beth wie auch für Ziad Bakri als Zain. Letzterer schiesst in Sachen Klischees wohl den Vogel ab in einer Reige von Charakteren, bei der einer stereotyper ist als der andere.

Wie auch immer, mag die Ausgangslage noch ansatzweise spannend sein, so verheddert sich der Film spätestens in der zweiten Hälfe eindeutig in den Maschen seines handgestrickten Plots. Das zieht sich bis zum laschen Schlusstwist, der etwa so überraschend kommt wie der Sonnenbrand, wenn man etwas zu lange ungeschützt am Strand gelegen hat. Ganz so schmerzhaft ist The Weekend Away zwar nicht. Doch ähnlich unnötig.

Simon Eberhard [ebe]

Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.

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Kommentare Total: 2

chr

Durchaus spannender Thriller mit einer Hauptdarstellerin die zwischendurch einige schauspielerische Glanzlichter zu setzen vermag. Schöne Kulisse.

ebe

Filmkritik: Schalt mal ab!

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