Wednesday (2022)

Wednesday (2022 / Serie)

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Serien-Review: *schnipp* *schnipp*

Netflix
«Siehst du es auch?»
«Siehst du es auch?» © Netflix

Jetzt isch gnueg Heu dunde: Als Wednesday Addams (Jenna Ortega) bei einem Racheakt an ihrer Schule lebendige Piranhas ins Sportschwimmbecken schmeisst, wird sie kurzerhand rausgeschmissen. Ihre Eltern Morticia (Catherine Zeta-Jones) und Gomez (Luis Guzmán) sehen sich gezwungen, die Teenagerin in die berühmt-berüchtigte Nevermore Academy zu bringen. Die Schule spezialisiert sich auf «Outcasts» - ein Ort, der wie perfekt für Wednesday geschaffen scheint.

Catwoman returns.
Catwoman returns. © Netflix

Der introvertierten Jugendlichen fällt es zunächst schwer, sich zu integrieren. Ihre Zimmergenossin Enid (Emma Myers) entpuppt sich als überdrehte Optimistin, Rektorin Weems (Gwendoline Christie) beobachtet sie pausenlos und die ehrgeizige Schülerin Bianca (Joy Sunday) wird zur siegessicheren Widersacherin. Ers als auf dem Campus mysteriöse Morde geschehen und Wednesday eine Verbindung zu ihrer Person sieht, entschliesst sie sich, die Academy erst zu verlassen, wenn das Geheimnis aufgedeckt ist.

Mit Wednesday erhält die Addams-Family-Franchise ein Serienformat, die sich ganz dem Töchterchen als Teenager widmet. Es ist zudem Tim Burtons Seriendebüt, bei dem ihm mit Jenna Ortega in der Hauptrolle gleich ein Glücksgriff gelungen ist. Wednesday ist bittersüss, schaurig und lustig; prädestiniert fürs Binge-Watching.

Eigentlich hätte Tim Burton bereits Regie bei The Addams Family führen sollen, welche jedoch anhand von Terminkonflikten wegen Batman Returns von Kollege Barry Sonnenfeld übernommen wurde. Dass der satirisch-düstere Stoff wie für Burton geschaffen war, beweist der Altmeister nun mit der Netflix-Serienadaption, die sich vollständig Töchterchen Wednesday Addams wildesten Teenagerjahren widmet. Es ist zudem das erste Serienformat - wenn wir die kurze Exkursion von «The World of Stainboy» bewusst ignorieren -, in dem Tim Burton auf dem Regiestuhl Platz nehmen sollte. Hier gelingt ihm ein Debüt, das Nostalgiker und neue Generationen sofort in den Bann ziehen wird.

Bereits in The Addams Family und dessen Sequel war der Charakter Wednesday ein Publikumsmagnet. Damals wurde die sadistisch veranlagte Miesepeterin von Christina Ricci gespielt, nun schlüpft Jenna Ortega (wir kennen sie aus Scream 5 und X) in die schwarzen Klamotten und setzt den grimmigen Blick auf. Allfällig gehegte Zweifel verfliegen bereits in den ersten Minuten, denn Ortega ist die perfekte Wednesday Addams: Ohne Mimik und Emotionen der Teenagerin Leben einzuhauen, bedarf grossen schauspielerischen Talents. Sie schafft es, dass der Addams-Sprössling uns begeistert und auf eine ganz spezielle Coming-of-Age-Reise mitnimmt; mit viel schwarzem Humor, bissigen Aussagen und Empathie für Menschen, die nicht der Norm entsprechen.

Wednesday entfaltet sich in den acht Episoden zur bitterbösen, spannenden und abwechslungsreisen Whodunit-Story, bei dem das ganze Charakter-Ensemble - von Jung bis Alt, vom Werwolf bis Meerjungfrau - zur Höchstform aufläuft und wir uns sogar auf ein Wiedersehen mit bekannten Gesichtern (und Händen) freuen können. Gerade in den Episoden, in denen Tim Burton Regie führt, drückt der unverkennbare Stil des Altmeisters durch. Da wird der Schultanz-Abend zum cineastischen Highlight, von dem wir uns nur allzu gerne verzaubern lassen. Zahlreiche Easter Eggs lassen es um die Fanherzen immer wieder warm werden. Und am Schluss hoffen wir ganz fest, dass wir noch mehr wilde Storys von Wednesday Addams erleben dürfen, denn diese acht Episoden gingen einfach viel zu schnell vorbei.

Christian Wolf [woc]

Christian arbeitet seit 2009 als Freelancer bei OutNow. Er mag ultradüstere Filmperlen und süffige Survival Horror Games. Animationsfilme sind ihm ein Gräuel. Christian vertritt als Einziger den smoothen Berner Dialekt im Team.

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