Utama (2022)

Utama (2022)

  1. , ,
  2. 87 Minuten

Filmkritik: Drama mit Lama

Mal lahmt der Mann…
Mal lahmt der Mann… © trigon-film

Virginio (José Calcina) und Sisa (Luisa Quispe) leben in der bolivianischen Hochebene Altiplano. Das alte Paar lebt nach traditionellen Rollenbildern. Er hütet eine stattliche Lama-Herde. Sie schält zuhause die Kartoffeln. So war es schon immer - und so könnte es bleiben. Wären da nicht, die immer länger werdenden Dürreperioden, die nicht nur den beiden zu schaffen machen. Das ganze Dorf merkt, dass das Wasser immer knapper wird.

… mal das Lama.
… mal das Lama. © trigon-film

Ein weiteres Problem, das sich im beschwerlichen Alltag stellt, ist ein übler Keuchhusten, der sich bei Virginio vorerst in der Nacht bemerkbar macht. Er möchte das Gebrechen zwar so gut es geht vor seiner Frau verheimlichen. Doch die anstrengenden Tage als Hirte zollen ihren Tribut. Als der Enkel Clever (Santos Choque) zu Besuch kommt, möchte dieser seinen Opa zum Spitalbesuch in der Stadt bewegen. Doch die Heimat zu verlassen kommt für Virginio nicht in Frage.

Komm, wir gehen nach Bolivia! Wenn das Geld nicht reicht für Reisen nach Südamerika, darf man sich getrost diesen Lama-Film anschauen. Der Kamerafrau Barbara Alvarez (Whisky, Que Horas Ela Volta?) und dem Regie-Debütanten Alejandro Loayza Grisi gelingen prächtige Bilder zu einer warmherzigen Story, die nebenbei auch Auswirkungen des Klimawandels streift.

Das Altiplano, das sich vom Südosten Perus bis in den Westen Boliviens erstreckt, ist eine beeindruckende Landschaft. Die Hochebene liegt zwischen zwei Bergketten der Anden und erstreckt sich über 170'000 Quadratkilometer. Ein karge, trockene Landschaft, in der die Berge isoliert voneinander stehen. Perfekt fürs Breitbild im Kino. Was wohl auch dem Bolivianer Alejandro Loayza Grisi aufgefallen ist.

Der Regisseur schildert nicht nur das Leben eines alten Paares, das Quechua spricht und sich den Traditionen verpflichtet fühlt, weil es nichts anderes kennt. Er zeigt auch diesen Teil des südamerikanischen Kontinents in all seinen Facetten: die bolivianischen Zipfelmützen; richtig viele Lamas mit pinken Überzügen über ihren Ohren; den Andenkondor als erhabenes Wappentier Boliviens; und immer wieder die Weite des Altiplano.

Doch auch auf über 3000 Metern über Meer macht sich der Klimawandel bemerkbar. Er trifft auch dort zuerst die Ärmsten und sorgt für eine Dürre. Die Laiendarsteller mit ihrem zerfurchten Gesichtern leiden wohl auch im echten Leben unter dem Wassermangel. Und deshalb ist José Calcina als Virginio gleich doppelt dem Tod geweiht. Sein rasselnder Keuchhusten gehört zum Soundtrack des Films wie das Maulen der Lamas - und ist von der ersten Filmminute an das Indiz für sein baldiges Ableben.

Bei aller Tragik ist das immer auch fein anzuschauen. Der uruguayischen Kamerafrau Barbara Alvarez gelingen bildstarke Impressionen aus einer Gegend, in der sogar das Abserbeln schmuck sein kann. Utama gewann beim Sundance Film Festival 2022 den Hauptpreis in der «Sparte World Cinema Drama». Das schleckt kein Lama weg!

Roland Meier [rm]

Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom blue TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.

  1. Artikel
  2. Profil
  3. E-Mail
  4. Twitter

Trailer Originalversion, mit deutschen und französischen Untertitel, 01:53