The Umbrella Academy - Season 3 (2022)

The Umbrella Academy - Season 3 (2022)

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  2. 60 Minuten

Filmkritik: Doppelt gemoppelt hält nicht immer besser

Netflix
Schöne Frisur! Nein, Du! Nein, Du!
Schöne Frisur! Nein, Du! Nein, Du! © Netflix

Staffel drei von The Umbrella Academy - Season 3 setzt genau da an, wo Staffel zwei geendet hat. Adoptivvater Reginald Hargreeves (Colm Feore) herrscht im Haus, erkennt aber seine Kinder aus der Umbrella Academy nicht. Und vor allem hat er neue Kinder, die Sparrows. Der kräftige Marcus ist ihr Anführer, der stets miesepetrige Ben sein Stellvertreter. Ja genau, derselbe Ben, der das tote Mitglied bei den Umbrellas war. Dazu kommt Fei (Britne Oldford), die nicht nur eine erstklassige Krähen-Dompteurin ist, sondern praktisch aus Krähen besteht. Alphonso (Jake Epstein) mit deformiertem Gesicht und Jayme (Cazzie David), die in der Lage ist, Gegner in kurze Tagträume zu versetzen, sind auch nicht wirklich sympathisch.

Spieglein, Spieglein an der Wand - wer ist die Verrückteste im ganzen Land?
Spieglein, Spieglein an der Wand - wer ist die Verrückteste im ganzen Land? © Netflix

Bleibt Sloane (Génesis Rodríguez), die sich offenbar schockverliebt in Luther. Sie muss in dieser Truppe fast schon als Sympathiebolzin bezeichnet werden. Und nicht zu vergessen Nummer sieben, Christopher, ein fliegender, vor sich hinmurmelnder Würfel. Nach einem kurzen Wortgefecht greifen sich die beiden Truppen an und es wird schnell klar, dass die Sparrows den Umbrellas haushoch überlegen sind - sie richten sie übel zu. Diego erhält überraschenden Besuch von Lila (Ritu Arya). Und ganz nebenbei ist die nächste Apokalypse im Anmarsch.

Einiges ist schlechter geworden in Staffel drei. Die Intros, in den ersten beiden Staffeln noch sehr liebevoll inszeniert, fehlen in der neuen Staffel im Prinzip gänzlich. Und sogar der aussergewöhnliche Soundtrack lässt in der zweiten Staffelhälfte nach. Und erneut, wie schon in Staffel zwei, braucht die Geschichte bis zur Staffelmitte, bis das Tempo anzieht. Immerhin in den letzten drei Episoden erreicht die Serie dann doch noch ein sehr hohes Niveau.

Gleiche Geschichte in schlechterem Gewand. Möglicherweise ist das die berühmte Serien-Staffel zu viel. Nachdem sich Fans bei der Bewertung der ersten beiden Staffeln noch uneins waren, welche die stärkere ist, lässt die neue Staffel einige der alten Stärken fast gänzlich vermissen und kriegt vor allem keine neuen Stärken hinzu.

Die neuen Schauspieler rund um die neue Sparrows-Crew bleiben dann schauspielerisch auch klar hinter der Original-Crew zurück. Dass aus Vanya (früher Ellen Page, nun Elliot Page) ziemlich rasch Victor wird, war zu erwarten. In der deutschen Synchronisation hat Elliot Page bereits eine männliche Stimme, obwohl er im Original diese Wandlung erst in Episode zwei durchlebt. Und dass sich alle ihre Geschwister ausnahmslos auch sogleich an Victor als Bruder gewöhnen, ist dann auch recht erstaunlich. Beileibe nicht das einzig Erstaunliche an der Serie: Dass sich einige der Superhelden erst dann dazu entschliessen, ihre Superkräfte einzusetzen, wenn sie einfach davon «genervt» sind, von den (gesichtslosen) Feinden davonzurennen, entbehrt jeglicher Logik.

Gerne würde man mehr von Allisons Psychosen sehen, die aber leider nur vereinzelt aufploppen und dann so unvermittelt verschwinden, wie sie aufgetaucht sind. Immerhin bietet die Serie gegen Staffelende dann doch noch einige Highlights, die Dialoge zwischen Victor und Allison gehören dazu. Ebenso das «Wiederauferstehungs-Training» von Klaus.

Die ganze Inszenierung ist immerhin weiterhin grossartig und sehr einfallsreich. An die orchestrierten Kampfszenen aus Staffel eins reicht die Inszenierung trotzdem nicht heran. Insgesamt fehlt es der Serie auch an interessanten Figuren. Kate Walsh wird nicht gleichwertig ersetzt und das grossartige Duo Cha-Cha (Mary J. Blige) und Hazel (Cameron Britton) aus Staffel eins findet in der neusten Staffel immer noch kein auch nur annähernd gleichwertiges Pendant.

Immerhin kann man wohl mit dem Abschluss von Staffel drei (von einigen Fragezeichen abgesehen) als Serien-Abschluss leben. Oder aber man fürchtet sich vor einer möglichen Staffel vier. Ob es eine weitere Staffel geben wird, ist bislang aber noch nicht bekannt.

Christoph Reiser [chr]

Christoph arbeitet seit 2020 als Freelancer für OutNow. Er weiss, dass man Animationsfilme nicht hassen darf, dafür liebt er Sergio-Leone-Western. Der Besuch eines Filmfestivals ist zuoberst auf seiner Bucket-List, naja fast. Und er mag kein Popcorn im Kino, denn er steht auf Chips.

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Kommentare Total: 2

philm

Habe erst drei Folgen gesehen und muss Christoph leider recht geben. Eine bemühte Staffel 3 bis jetzt.
Zäh wie Kaugummi und vieles ergibt nicht Sinn (Verhalten von den Umbrellas gegenüber den Sparrows. Wer gebärt schon einen Würfel? Woher das Geld für weitere kostenpflichtige Sachen ausser der Uhren-Eintausch für den (unbegrenzten?) Hotelaufenthalt? Warum hat die «Tante» von Klaus ein Dossier mit ALLEN Müttern?)

chr

Filmkritik: Doppelt gemoppelt hält nicht immer besser

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