Troll (2022)

Troll (2022)

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  2. 101 Minuten

Filmkritik: Der Berg ruft!

Netflix
Da kommt was Grosses!
Da kommt was Grosses! © Netflix

«Rettet den Berg» rufen die Demonstranten im norwegischen Hinterland, als eine Baufirma die Sprengladung anbringt und tief im Innern des Berges eine Explosion auslöst. Dass sie damit eine Kreatur geweckt haben, die sich dort befand, merken erst die Spezialisten in Oslo, als sie Handyfilme des Tatortes untersuchen. Zur Hilfe bei den Untersuchungen wird die Professorin Nora Tiedemann (Ine Marie Wilmann) eingeflogen, die bald schon darauf kommt, dass man es hier mit einem waschechten Bergtroll zu tun haben könnte. Diese Viecher, in Märchen und Legenden fester Teil der Geschichte des Landes, sollen aus Stein sein und das direkte Sonnenlicht nicht gut vertragen.

Heeere's Trolli!
Heeere's Trolli! © Netflix

Bald schon hat man Fussabdrücke gefunden und reist in die Bergwelt, wo Nora und ihre Gruppe persönlich auf ein gigantisches Ungetüm stossen, das nicht zu bekämpfen ist. Und dieser Riese macht sich quer durchs Land auf die Reise nach Oslo, wo seine Art vor langer Zeit eine düstere Begegnung mit Menschen hatte und noch immer Artgenossen vermutet. Dabei stellt ihm die norwegische Regierung allerlei Militär in den Weg, was den grossen Kerl aber wenig stört. Kann Oslo noch gerettet werden? Professor Tiedemann hätte noch eine Idee…

Troll ist ein herrlicher Film geworden, der den Vergleich über den grossen Teich nicht zu scheuen braucht. Der Riese ist stark umgesetzt, die menschlichen Darsteller agieren überzeugend und die Geschichte ist so nah an der Realität wie nur möglich. Selbstverständlich muss man ein Flair für solche Produktionen haben, um den grösstmöglichen Genuss aus dem Ganzen ziehen zu können. Wir freuen und jetzt schon, wenn die Story irgendwann mal weitergeht!

Was für die Filmemacher in Hollywood King Kong und Asien Godzilla sind, lassen die Filmemacher aus Norwegen als Troll auferstehen. Diese Steinwesen sind vor allem durch den tollen Trolljegeren noch im Gedächtnis und kriegen nun einen richtig tollen «Monsterfilm» spendiert. Unter der Regie von Rar Uthaug (Tomb Raider) entstand dabei ein gewaltiges Ding, das aber mehr bietet als stupide Zerstörung. Der Troll hat nämlich, wie der Riesenaffe aus Hollywood, durchaus seine tragische Geschichte.

Über zwanzig Jahre sei dieser Film schon in seinem Hinterkopf gewesen, so der Regisseur in einem Interview. Und erst jetzt wurden die finanziellen Mittel gesprochen, um Troll wunderbar und spektakulär umzusetzen. Dabei lässt man den Riesen nicht einfach plump alles kaputtmachen, sondern schreibt ihm eine kleine Backstory ins Drehbuch, was natürlich die Chance auf ein Sequel heftig erhöht. Wer nach dem Film übrigens noch ein wenig in den Abspann schaut, bekommt eine Sequenz zu sehen, die eine Fortsetzung andeutet.

Die Darsteller sind durch diverse Film und Fernsehauftritte allesamt in Norwegen bekannt und hinterlassen in Troll einen sehr soliden und souveränen Eindruck. Man setzt auf Authentizität, sofern das in einer Story um einen Bergriesen überhaupt möglich ist, verzichtet aber auf unglaubwürdige Hollywood-Effekte. Selbst dann, wenn der Grosse durch die Gegend schreitet und sich keinen Deut drum kümmert, wen oder was er da grad niedertrampelt. Der Troll selber ist dafür wunderbar in Szene gesetzt, und die Sequenz der ersten Begegnung mit den Wissenschaftlern könnte spannender kaum sein.

Storytechnisch lässt man das grosse Ding nach einer halben Stunde auf die Zuschauer los, nachdem man bis dahin gerätselt hat, was denn so grosse Fussabdrücke in der Bergwelt hinterlassen könnte. Dinosaurier? Macht euch nicht lächerlich! Danach zieht der Film seine Spannung aus den menschlichen Reaktionen, dem wiederholten Auftauchen des Trolls und natürlich der Geschichte, die hinter dem ganzen Durcheinander steht. Denn dass da einige Herrschaften Dreck am Stecken haben, dürfte bald einmal klar sein.

Dani Maurer [muri]

Muri ist als Methusalem seit 2002 bei OutNow. Er mag (fast) alles von Disney, Animation im Allgemeinen und Monsterfilme. Dazu liebt er Abenteuer aus fremden Welten, Sternenkriege und sogar intelligentes Kino. Nur bei Rom-Coms fängt er zu ächzen an. Wobei, im IMAX guckt er auch die!

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