Tausend Zeilen (2022)

Tausend Zeilen (2022)

  1. 93 Minuten

Filmkritik: Verdammte Lügenpresse! Fake News!

Bravo zum Haarschnitt!
Bravo zum Haarschnitt! © 2022 UFA Fiction GmbH/Gesellschaft für Feine Filme mbH/Warner Bros. Entertainment GmbH

Im Verlagshaus der «Chronik» werden Nachrichten und Meinungen nicht nur beschrieben, sondern gemacht. Man wähnt sich an der Spitze der journalistischen Nahrungskette, und mit dem jungen Lars Bogenius (Jonas Nayr) schreibt der talentierte und von der Branche gefeierte Star exklusiv fürs Haus. Der Kerl trifft mit seinen Reportagen den Nerve der Leser, ist überall mittendrin statt nur dabei und holt sich dafür Preise im Multipack ab. Dagegen ist das Leben des freien Mitarbeiters Juan Romero (Elyas M'Barek) ein Krampf, denn mit vier Töchtern und engagierter Gattin hat der gute Mann daheim einiges um die Ohren.

Vor dem grossen Rumpeln
Vor dem grossen Rumpeln © 2022 UFA Fiction GmbH/Gesellschaft für Feine Filme mbH/Warner Bros. Entertainment GmbH

Nun müssen ausgerechnet beide für eine Reportage zusammenarbeiten und schon bald fallen Romero Ungereimtheiten in den Texten seines Kollegen auf. Passagen, die nicht so recht erklärbar sind und anscheinend wiederverwendete Fotos werden der Chefredaktion gemeldet, was das Verlagshaus ins Rumpeln bringt. Die «Chronik», stolz auf ihre bekannte Abteilung der Fakten-Checker, sieht sich mit einem grösseren Problem konfrontiert. Hat sie ihr Vorzeigereporter an der Nase herumgeführt oder müssen sie sich mit einem neidischen Kollegen abmühen? Der Fall hat das Potenzial, zum grossen Journalismus-Skandal zu werden.

Mit Tausend Zeilen ist Bully Herbig ein toller, interessanter und vor allem spannender Film gelungen, der einen öffentlichen Skandal absolut sehenswert erzählt. Getragen von starken Figuren, ist der Film angelegt wie ein Thriller und spielt in einer Branche, die sich selbst zerfleischen kann. Das passt zusammen, kommt geschmeidig daher und lässt die Laufdauer im Nu passieren. Bravo!

Grundsätzlich ist Michael «Bully» Herbig ja ein glatter Kerl, der mit Komödien wie Der Schuh des Manitu und Bullyparade: Der Film auch als Regisseur seinen kommerziellen Durchbruch schaffte. Viel interessanter als diese Komödien sind jedoch die Projekte, die Herbig ohne Geblödel auf die Reihe bringt. Ein solches ist Tausend Zeilen, basierend auf dem Buch «Tausend Zeilen Lüge» von Juan Moreno, das den Skandal um den Spiegel-Reporter Claas Relotius lesenswert wiedergibt.

So ist denn Tausend Zeilen kein reiner Thriller oder gar ein Drama, sondern etwas dazwischen. Immer wieder spricht M'Barek direkt in die Kamera, erklärt Vorgänge und nimmt die Zuschauer somit mitten rein in die Story. Diese entwickelt sich in durchgehend passendem Tempo und lässt kaum Platz zum Verschnaufen. Vielleicht hätte man den Familienteil von M'Bareks Charakter etwas kürzen können, aber das dient natürlich dazu, die Figur zu stärken. Ansonsten sitzen wir gespannt vor der Leinwand und folgen interessiert der Story um den Starjournalisten, der ja eigentlich nur das macht, was von ihm verlangt wird: Leser fesseln - aber zu welchem Preis?

Darstellerisch liegt der Fokus auf dem Duo M'Barek und Nayr, das zwar nicht die grossen gemeinsamen Szenen hat, aber die Storyline hervorragend verkauft und die jeweiligen Charaktere stark darstellt. Für eine leichte Auflockerung sorgt jeweils der Österreicher Michael Ostrowski als Fotograf mit Wiener Schmäh und witzigen Momenten. Auch die Chef-Etage ist überzeugend und zeigt auf, dass man sich dort halt eben doch hauptsächlich um den eigenen Arsch kümmert, wenn's heiss wird.

Dani Maurer [muri]

Muri ist als Methusalem seit 2002 bei OutNow. Er mag (fast) alles von Disney, Animation im Allgemeinen und Monsterfilme. Dazu liebt er Abenteuer aus fremden Welten, Sternenkriege und sogar intelligentes Kino. Nur bei Rom-Coms fängt er zu ächzen an. Wobei, im IMAX guckt er auch die!

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Kommentare Total: 2

Heavenio

Echt guter Film und die Zeit vergeht im Kino echt schnell. Der Film schafft es super zwischen ernst/lustig/spannend hin und her zu wechseln und manchmal zu vereinen.

muri

Filmkritik: Verdammte Lügenpresse! Fake News!

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