The Swimmers (2022)

The Swimmers (2022)

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  3. 134 Minuten

Filmkritik: Just Keep Swimming

47th Toronto International Film Festival
© Courtesy of TIFF

Damaskus, Syrien, 2015: Die beiden Schwestern Sara (Manal Issa) und Yusra Mardini (Nathalie Issa) abreiten hart an ihrem Traum, an den Olympischen Spielen in Rio 2016 im Schwimmen eine Medaille zu holen. Gecoacht werden sie dabei von ihrem Vater - selber ein ehemaliger Profi-Schwimmer. Während Yusra von Bestleistung zu Bestleistung schwimmt, kämpft Sara mit den strengen Erwartungen ihres Vaters, was zuweilen für Reibereien zwischen den Schwestern sorgt.

© Courtesy of TIFF

Trotz der instabilen politischen Lage im Nahen Osten scheint ihr Leben sonst idyllisch: Die beiden haben eine blühende Zukunft vor sich und eine liebevolle Familie. Als sich jedoch der syrische Bürgerkrieg zuspitzt und sie zunehmend um ihre Sicherheit bangen müssen, heckt Sara einen kühnen Plan aus: Da Yusra noch unter 18 ist, könnte sie beim Asylgesuch in Deutschland einen Familiennachzug beantragen. Doch die Reise nach Europa ist im besten Fall äusserst beschwerlich und im schlimmsten Fall tödlich. Als ihre Eltern schliesslich in ihrer Verzweiflung einwilligen, begeben sich die beiden Schwestern mit einem Cousin auf die Reise ins Ungewisse.

Regisseurin Sara El Hosaini zeigt mit The Swimmers ein zutiefst menschliches Porträt zweier junger Frauen, die sich Unsagbarem aussetzen müssen für eine Chance auf ein Leben ohne Krieg und eine bessere Zukunft. Der Film trumpft vor allem mit seinen starken Bildern und tollen Darbietungen. Seine Längen und der nicht immer stilsichere Seiltanz zwischen grossen Emotionen und Pathos vergibt man gerne.

Es gibt Geschichten, die klingen fast zu unglaublich, um wahr zu sein. So haben wohl viele von uns die bewegende Geschichte in den Nachrichten gehört oder gelesen, wie zwei syrische Schwestern nach der Flucht auf der Heimat auf der gefährlichen Reise übers Mittelmeer in Seenot gerieten, darauf ein grosses Stück nach Lesbos schwammen und gleichzeitig das kenternde Gummiboot mit unzähligen Flüchtlingen in Sicherheit zogen.

Aus der Geschichte hätte man locker ein Kriegsdrama, einen Actionfilm, ein Immigrationsdrama und einen Sportfilm machen können. Die Drehbuchautoren haben sich dabei entschieden, möglichst viele Aspekte der wahren Geschichte im Skript zu integrieren - was zwischendurch zu repetitiven Szenen führt und auf Kosten eines kohäsiven Storytellings geht. Da die Geschichte auf wahren Gegebenheiten basiert, können viele Plotpoints nicht zu Gunsten eines organischer wirkenden Spannungsbogens umgestellt werden.

Viele Szenen fühlen sich daher etwas aneinandergereiht an, und es fehlt ein bisschen die Kausalität, die oft gutes Storytelling ausmacht - ein verbreitetes Problem im Biopic-Genre, das nur wenige Filme (z.B. Steve Jobs) gut lösen. Langeweile kommt bei The Swimmers trotzdem kaum auf: Besonders die Geschehnisse in der ersten Hälfte des Filmes sind derart haarsträubend, dass man zwischendurch sogar gerne mal vergessen dürfte zu atmen.

Neben den überragenden Darbietungen der Schwestern Manal und Nathalie Issa, die im Film Sara und Yusra verkörpern, lebt The Swimmers von kraftvollen Bildern. Beispielsweise, als Yusra und Sara in Damaskus Party machen und nebenbei den Explosionen in ihrer Heimatstadt zuschauen, als ob sie ein Feuerwerk wären; oder als sie, frisch auf Lesbos (Griechenland) angekommen, durch ein Meer entsorgter Schwimmwesten waten müssen, um in die Zivilisation zu gelangen. Solche Bilder vergegenwärtigen stets den grossen Umfang der humanitären Katastrophe, die im Zentrum des Filmes steht, ohne die Einzelschicksale von Yusra, Sara und ihren Leidensgenossen aus dem Blick zu verlieren.

Mit The Swimmers hat Sally El Hosaini ein bewegendes Drama über zwei starke junge Frauen geschaffen, die sie mich Mut, Menschlichkeit und viel Herz dem Düstersten stellen, was die Menschheit zu bieten hat.

Linda Mullan [ljm]

Wollte wegen Indiana Jones eigentlich Archäologin werden, gräbt heute aber vor allem Perlen (manchmal auch Relikte) an Filmfestivals aus. Mag religiöse Filme von Alderaan, Hogwarts und Mittelerde und fand Jane-Austen-Adaptionen schon vor «Bridgerton» cool. Macht gerne zu Geschichtsdokus Nickerchen.

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Kommentare Total: 2

chr

FEin Film der die Situation von Flüchtlingen hervorragend einfängt, da ebenso hervorragend inszeniert. Zutiefst bewegend, guter Soundtrack, hervorragende (zumeist unbekannte) Schauspielerinnen. Die beiden libanesischen Hauptdarstellerinnen harmonieren hervorragend, als wären sie auch im richtigen Leben. Und wie sich im Nachhinein herausstellt: Sie sind in Real Life Schwestern. Selbst die Länge von über zwei Stunden merkt man nicht.

Der einzige Kritikpunkt: Schon ein wenig seltsam, wenn die beiden Schwestern unter sich sind, und meistens Englisch miteinander sprechen.

Für mich definitiv einer der Filme des Jahres 2022.

ljm

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