Scream (2022)

Scream (2022)

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  2. 114 Minuten

Filmkritik: For Wes!

Wenn der mal nicht verdächtig ist…
Wenn der mal nicht verdächtig ist… © Paramount Pictures. All Rights Reserved.

Es ist 25 Jahre her seit der grausigen Mordserie im verschlafenen kalifornischen Städtchen Woodsboro. Ein maskierter Killer machte damals Jagd auf Sidney Prescott (Neve Campbell) und ihre Clique. Durch die Verfilmung der Ereignisse als Horrorfilm «Stab» und seine Fortsetzungen sind «Ghostface» und seine Morde auch bei der Generation Z noch in aller Munde. Alleine zu Hause wird die junge Tara (Jenna Ortega) aus dem Nichts von einem neuen «Ghostface Killer» angegriffen. Dieser Schock führt Taras Schwester Sam (Melissa Barrera), welche Woodsboro den Rücken gekehrt hat, zurück in ihre Heimatsstadt.

Sorgt er sich bereits um den nächsten Wrestling-Gegner?
Sorgt er sich bereits um den nächsten Wrestling-Gegner? © Paramount Pictures. All Rights Reserved.

In Woodsboro angekommen, wird Sam und ihrem Freund Richie (Jack Quaid) schnell klar, dass es der Killer auch auf die Freundinnen und Freunde von Tara abgesehen haben könnte. Um den Fall zu lösen und die Identität des Mörders zu entlarven, wendet sich das Paar an jemanden, der schon ein paar Erfahrungen mit solchen Dingen sammeln durfte: Dwight «Dewey» Riley (David Arquette). Dieser soll ihnen dabei helfen, weitere Tote zu verhindern und die Verdächtigen unter die Lupe zu nehmen, bis der Täter gefasst ist.

Scream tut genau das, was ein Scream-Film tun muss: Er hat ein cleveres Drehbuch voller Referenzen für Genrefans, stellt eine Gruppe neuer Verdächtiger vor, bietet eine Reihe an brutalen Kills und schickt «Final Girl» Sidney erneut in den Ring gegen Ghostface. Der Film ist emotionaler und nostalgischer als alle seine Vorgänger und macht trotzdem riesig Spass. Mit seinen scharfen Beobachtungen der Popkultur und derer Fans dürfte sich das Zielpublikum immer wieder angesprochen fühlen. Es ist nicht nur ein Film für Fans, sondern auch ein Film von Fans, und dieses Herzblut und die Leidenschaft für das Franchise sind in jeder Minute spürbar. Wes würde zustimmen.

In wie vielen Foren und Message Boards wurde diskutiert, dass Scream ein doofer Titel für «Scream 5» sei. Der Film belehrt uns eines Besseren. Nach dem Release einer gefühlt unendlichen Reihe an Filmen wie Ghostbusters: Afterlife oder Spider-Man: No Way Home welche auf das Publikumsmagnet Nostalgie setzen, kommt dieser Film genau im richtigen Moment ins Kino und dekonstruiert den Wahn mit der Vergangenheit in der Popkultur auf intelligente Weise. Dabei ist das Drehbuch von James Vanderbilt und Guy Busick cleverer als viele andere, die versuchen, sich mit Meta-Humor beim Publikum anzubiedern. In vielen Aspekten des Horror-Fandoms trifft es den Nagel auf den Kopf.

Die Entscheidung, bei der Struktur des Plots keine neuen Wege zu gehen, zahlt sich aus. Einer der wichtigsten Aspekte, welche die von Scream begründete Renaissance des Slashers so erfolgreich machte, ist das Rätseln um die Identität des Killers. Die Macher haben das 1996er-Skript von Kevin Williamson ganz genau studiert und machen den ganzen Cast zu Verdächtigen. Die neuen Figuren sind gut besetzt und sympathisch. Ihre Dialoge sind klug und modern, ohne übertrieben «hip» zu sein. Jasmin Savoy Brown und Jack Quaid fallen besonders positiv aus, da sie die Stimmung immer mal wieder auflockern.

Bei Scream geht es nämlich sowohl deutlich brutaler als auch dramatischer zu als bei seinen Vorgängern. Das Regieteam Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett holte seinen Ready Or Not-Komponisten Brian Tyler ins Boot. Dieser gibt sich hörbar Mühe, den Sound von Originalkomponist Marco Beltrami nachzuahmen und macht dies auch ziemlich gut. Auch Nick Cave darf auf dem Soundtrack natürlich nicht fehlen.

Das Wiedersehen mit Gale, Sidney und Dewey ist sinnvoll in den Plot eingefügt und bringt natürlich eine grosse Dosis Nostalgie mit sich. Diese drei Charaktere gehören nun mal zu den besten, die das Slasher-Genre je hervorgebracht hat. David Arquette zeigt uns einen Dewey, wie wir ihn noch nicht gesehen haben: Er ist ein gebrochener Mann, ein Lächeln sucht man vergebens. Im Gegensatz zu den anderen Originalfiguren hat er die grösste Veränderung durchgemacht, was ihn wiederum am spannendsten macht.

Damit droht er die ikonische Sidney etwas in den Hintergrund zu drängen, die erst im letzten Akt des Filmes so richtig aufdrehen kann. Die Vermischung der «Legacy»-Charaktere und der Jungspunde wurde aber alles in allem sehr gut gelöst, und ein paar überraschende Gastauftritte dürfen auch nicht fehlen.

Marco Albini [ma]

2003 verfasste Marco seine erste Kritik auf OutNow und ist heute vor allem als Co-Moderator des OutCast tätig. Der leidenschaftliche «Star Wars»-Fan aus Basel gräbt gerne obskure Genrefilme aus, aber Komödien sind ihm ein Gräuel.

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Kommentare Total: 5

muri

Mit viel Nostalgiegefühl kommt das Ganze hier nicht schlecht. Die Neulinge sind zwar weiterhin gesichtslos und austauschbar, aber immerhin zieht man an zwischendurch auch mal schön an der Spannungsschraube.

Leider hatte ich den Killer relativ früh raus, was mir das zu lang geratene Finale etwas versaut hat. Auch waren natürlich Cox, Campbell und Arquette witzig, auch wenn ich von den beiden Damen eigentlich etwas mehr erhofft hatte.

Guinness

Wow! Der Neue ist wirklich der Beste seit dem Original. Da haben ein paar Leute alles richtig gemacht. Leute die Horrorfilme mögen und vorallem das Scream Franchise.
Clever geschrieben und effektiv inszeniert. Zudem ist es der Blutigste, ja härteste von allen.
Die Neuen Charaktere sind der heutigen Zeit perfekt angepasst ohne übertrieben Hipp sein zu wollen. Die Alten sind natürlich das non plus ultra für Uns Fans. Ich hatte sogar 2 mal tränen in den Augen, was bei einem Horrorfilm auch was aussagt.
Die Metaebene ist Fantastisch, allen voran im Finale das zwar nicht mega überraschend ist aber perfekt zum Film passend.

Für mich persönlich alles richtig gemacht!

chr

Ziemlich viele Logikfehler. Der Killer allenfalls schon recht offensichtlich. Maybe ein wenig zu viel MetaMetameta. Doch Courtney Cox und Neve Campbell verleihen dem Film in der 2. Hälfte den altbekannten Humor und sind einfach cool. Ein wenig brutal für einen Scream-Film. Aber der hat einfach sehr viel Laune gemacht. TopTopTop!

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