Schwarzarbeit (2022)

Schwarzarbeit (2022)

  1. 109 Minuten

Filmkritik: Es geit nur um z Portmonee

Betrüger und Betrogene, Lohndumping und Schwarzarbeit - hautnah unterwegs mit den Arbeitsmarktinspekorinnen Frédy, Regula, Marcos, Stefan und Chrümu verzweifeln wir mit ihnen an der oft fast unlösbaren Aufgabe gesetzliche Mindeststandards in der Schweizer Arbeitswelt durchzusetzen.

Ohne jegliche Längen und bevölkert mit interessanten Figuren ist Schwarzarbeit ein immens kurzweiliger Dokumentationsfilm, der viele schockierende Fakten entblösst und sich auch vor den Menschen, die in der Arbeitsmarktkontrolle arbeiten, verbeugt. Regula, Frédy und ihre Kollegen machen einen Job, den wohl niemand gerne machen möchte, da er zu viel Leid für die Betroffenen führen kann. Gleichzeitig geht es ihnen aber auch darum, Korruption aufzudecken und fairere Arbeitsbedingungen für alle zu schaffen, damit solche Kontrollen immer seltener zu Bussen führen. Das ist hochspannend mit anzusehen und gehört zu den faszinierendsten Dokumentationen dieses Jahres.

Ohne einem grossen dramaturgischen Bogen zu folgen, begleitet Regisseur Ulrich Grossenbacher Mitarbeiter von Arbeitsmarktkontrolle und Kantonspolizei. Dabei deckt er schockierende, spannende und auch einmal amüsante Geschichten auf und hat trotz ernstem Thema einen unheimlich unterhaltsamen Film inszeniert. Dies ist natürlich auch der Auswahl seiner Protagonisten zu schulden, die mit ihrer typisch schweizerischen Art aber auch einem guten Herz für Unterhaltung sorgen. Der Erzählsstrang mit Gewerkschafter Corrado Pardini mag zwar politischen Kontext bieten, bremst zuweilen aber manchmal den durch die hochspannenden Kontrollen entstandenen Fluss des Filmes.

Wenn es zu brenzligen Situationen kommt, wirkt der Film zeitweise gar wie ein Thriller und das Spannungslevel ist hoch. Die wichtige Thematik wird so auf eine nicht pädagogische- sondern durchaus filmische Weise vermittelt. Eine Szene auf einer Baustelle zum Beispiel lässt die Zuschauer so ziemlich alle Emotionen innerhalb einer kürzesten Zeit durchleben. Am Schluss bleibt aber vor allem die Wut auf die Skrupellosigkeit der Arbeitgeber, die verzweifelte Menschen in verzweifelten Situationen ohne Reue ausnutzen. Mit seinem etwas abrupten Ende macht Schwarzarbeit deutlich, dass man gerne noch viel länger zugeschaut hätte und ein Sequel vielleicht gar keine schlechte Idee wäre.

Marco Albini [ma]

2003 verfasste Marco seine erste Kritik auf OutNow und ist heute vor allem als Co-Moderator des OutCast tätig. Der leidenschaftliche «Star Wars»-Fan aus Basel gräbt gerne obskure Genrefilme aus, aber Komödien sind ihm ein Gräuel.

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