The School for Good and Evil (2022)

The School for Good and Evil (2022)

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  2. 147 Minuten

Filmkritik: Instagram-Fantasy

Netflix
Friendship is magic!
Friendship is magic! © Netflix

Vor langer Zeit lebten zwei Brüder, die Zwillinge Rafal und Rhian (beide Kit Young), denen ein mächtiges magische Objekt anvertraut wurde: der Storian (Stimme: Cate Blanchett), eine Schreibfeder, welche die Märchen aller Kulturen aufschreibt. Gemeinsam erschufen die beiden Brüder eine Schule für zukünftige Märchenheldinnen, -helden und -bösewichte, in der Rhian die gute Seite und Rafal die Seite des Bösen vertrat. Doch nach einem Streit kam es zum Duell, an dessen Ende der böse Rafal zu Tode kam.

Good hair day!
Good hair day! © Netflix

Viele Jahre später leben die hübsche blonde Sophie (Sophia Anne Caruso) und die als Hexe verschriene Agatha (Sofia Wylie) in dem kleinen Städtchen Gavaldon. Trotz ihrer Unterschiede sind sie seit ihrer Kindheit beste Freundinnen. Als die beiden von der Schule für Gut und Böse hören, möchte Sophie unbedingt dahin, denn sie ist davon überzeugt, dass sie zur Prinzessin taugt. Tatsächlich werden die beiden in der Nacht von einem monströsen Vogel entführt und in die Schule gebracht, wo sie als Leserinnen eine besondere Rolle im Kampf zwischen Gut und Böse bekommen. Dumm ist nur, dass Sophie auf der Seite des Bösen und Agatha bei den Guten landet, was ihre Freundschaft hart auf die Probe stellt.

Nach Komödien wie Bridesmaids und Spy versucht sich Regisseur Paul Feig an einer aufwendig inszenierten Fantasy-Kiste - und verbrennt sich dabei ein bisschen die Finger. Mit opulentem Kostümdesign und den gefeierten Hollywoodstars Theron, Washington und Yeoh wäre The School for Good and Evil wohl gerne ein beeindruckendes Filmspektakel. Leider verfehlt die Netflix-Produktion fast sämtliche Töne und ist mit unpassenden Popsongs, oberflächlichen Figuren und schwacher Story weder bezaubernde Fantasy noch augenzwinkernde Parodie.

Schon klar, warum sich Hollywood nur zu gern an einer Verfilmung der erfolgreichen Buchreihe von Soman Chainani versucht, bietet diese doch wie ein gewisser berühmter Zauberschüler eine magische Schule - Moment, sogar deren zwei! -, in der jungen, gutaussehenden Menschen das Zauber- und Heldenhandwerk beigebracht wird. Wenn dann obendrauf noch eine gehörige Portion «Mädchenfaktor» draufgesetzt wird, mit aufwendigen Kostümen, turmhohen Frisuren und hübschen Gesichtern, muss das doch fast ein Hit werden, oder?

Tatsächlich weiss The School for Good and Evil mit seiner Optik durchaus zu überzeugen. Zwar gibt es immer wieder erstaunlich schlechte CGI-Effekte - so wirken etwa die Wächter mit Wolfsköpfen wie Visual-Effects-Importe aus den Nullerjahren -, doch Ausstattung und Kostüme sitzen tadellos. Die Schulen wirken mit ihrer Art-Nouveau-Architektur perfekt durchgestylt, wobei die gute und die böse Seite jeweils ganz eigene Farb- und Texturkonzepte aufweisen.

Ein Blickfang sind vor allem die Kostüme, besonders die unzähligen Gewänder der Professorinnen und Prinzessinnen. Unter der Leitung von Kostümdesignerin Renée Ehrlich Kalfus wurden fast 1000 Kostüme als Spezialanfertigungen hergestellt, dazu noch 750 Paar Schuhe und Schmuck. Im Fall von Charlize Theron und Sofia Wylie, die die «gute» Hälfte des Hauptdarstellerinnen-Duos darstellt, sehen auch die wuchtigen Lockenfrisuren phänomenal aus.

Vor lauter äusserlichem Hui muss natürlich gewährleistet sein, dass der Film inhaltlich nicht zum Pfui abdriftet. Leider schafft Paul Feig das nur bedingt, was einerseits vielleicht schon an der nicht unbedingt genialen Buchvorlage liegen mag, andererseits aber auch schlicht daran, dass er sich offensichtlich nicht für einen bestimmten Ton entscheiden konnte.

Denn The School for Good and Evil will beides sein, cool inszenierte epische Fantasy und lustige Märchendekonstruktion, schafft aber keines von beidem wirklich gut. Für ersteres hätte es vielleicht doch eine Serie mit besser ausgearbeiteten Figuren werden müssen; letzteres funktioniert nicht, weil man sich eben doch zu ernst nimmt und auch viel zu wenig mit den Erzählkonventionen spielt, wie es etwa Mirror, Mirror oder sogar billigere Produktionen wie Ella Enchanted und die Descendants-Filme von Disney erfolgreich getan haben.

Wenn ewig lange Sequenzen wie Videoclips inszeniert werden, dabei moderne Songs wie «Rock'n'Roll Queen», «You Should See Me In A Crown» oder der ESC-fast-Gewinner «Space Man» zu hören sind, die aber auch vom Text her überhaupt nicht in die Szenen passen, mag das cool tönen, gutes Filmemachen geht aber anders. So ertappt man sich immer wieder dabei, wie man den Kopf ungläubig schüttelt und das Ganze schlicht doof findet. Fragwürdig ist nicht zuletzt der Umgang mit Gut und Böse, denn das eigentlich Böse wird auf genau eine Figur konzentriert, was gerade der Charakterentwicklung von Sophia Anne Carusos Figur Sophie einen Bärendienst erweist.

Petra Schrackmann [pps]

Petra arbeitet seit 2007 für OutNow und haut auch für Lektorat und Listicles in die Tasten. Als Genrefan verbringt sie ihre Film- und Serienabende lieber mit Zombies, Hobbits oder RVAGs als mit Rom-Coms. Als Leseratte ist sie fasziniert von Comic- und Buchverfilmungen (sogar den schlechten!).

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