Prey (2022/I)

Prey (2022/I)

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Filmkritik: Knattern in alten Zeiten

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«Guguuseli!»
«Guguuseli!» © 20th Century Studios

Wir sind in den Grossen Ebenen von Nordamerika («Northern Great Plains») im Jahr 1716. Im Stamm der ansässigen Comanchen sind die Rollen zwischen Frau und Mann klar verteilt. Nur die Jünglinge und Krieger dürfen jagen und können sich mit der Tötung eines grossen Tieres ihren Platz in der Stammeshierarchie sichern. Naru (Amber Midthunder) passt das gar nicht, sie will nicht bloss sammeln und andere pflegen, sondern ihren Platz im Stamm ebenfalls durch die Jagd verdienen. Mit einer Gruppe junger Krieger macht sie sich deshalb auf, die Gegend zu erkunden und den Berglöwen zu töten.

Pfadi-Nachmittag
Pfadi-Nachmittag © 20th Century Studios

Auf ihrer Tour trifft Naru immer wieder auf mysteriöse Begebenheiten. Gehäutete Tiere, Blutspuren und eine Präsenz, die Unheimliches vermuten lässt. Bald schon ist auch klar, was für ein Monster da draussen sein Unwesen treibt und sich einmal quer durch die Tierwelt killt: Ein ausserirdischer Jäger (Dane DiLiegro) ist auf der Erde gelandet und sucht den gefährlichsten Gegner, den er besiegen muss. Naru und ihre Stammeskollegen finden sich nun plötzlich im Visier eines Gegners, der ihnen nicht nur übermächtig ist, sondern auch mit grösster Brutalität sein Ziel verfolgt.

Prey ist ein grosser Schritt in eine gute Richtung der Filmreihe, die dem etwas durchgerüttelten Predator eine tolle Plattform gibt, ohne ihn stumpf und seelenlos darzustellen. Sein Gegenüber entpuppt sich als starke junge Frau, die dem körperlich überlegenen Gegner Paroli bieten kann und in reinster Panik gute Entscheidungen fällt. Dieser Film hätte sicherlich auch im Kino geklappt und es ist zu hoffen, dass es nun mit dem Predator in diesem Stil weitergeht. Es dürfte noch einiges zu erzählen geben.

Seitdem 1987 Arnold Schwarzenegger in Predator zum ersten Mal dem Alienjäger gegenüberstand und den Film zum Hit machte, sind auch schon ein paar Jahre vergangen. Ein Sequel (Predator 2), das wir noch annehmen können und diverse, meist eher miesere Teile der Reihe um das Kultmonster sind inzwischen unter die Fans gebracht worden, wobei der Jäger selber weiterhin zu den besten Filmmonstern der Geschichte gehört. Nun hat sich Regisseur Dan Trachtenberg (10 Cloverfield Lane) dem Vieh angenommen und präsentiert uns mit Prey eine Reise in die Vergangenheit, als ein Jäger mit noch etwas roherem Look auf die Erde kam, um sich das erste Mal auszutoben.

Im Mittelpunkt steht eine junge Kriegerin, die auf den ersten Blick kaum bedrohlich aussieht und deshalb wohl auch kaum als ernstzunehmende Gegnerin unseres Jägers auftreten dürfte. Die Geschichte von Prey belehrt uns aber mit zunehmender Filmdauer eines Besseren und lässt Amber Midthunder clever, klug und ideenreich agieren. Da hat sie einiges mehr zu bieten als ihre männlichen Kollegen, die mit Muskelkraft gegen Alien-Waffen antreten und bald einen Kopf kürzer sind. Überhaupt lässt sich Prey zwar mit dem Auftauchen des Jägers etwas Zeit - es dauert knapp 45 Minuten bis zum ersten Blickduell mit Naru -, nutzt diese aber hervorragend, um die Lebensumstände der Comanchen zu zeigen und die Figuren näher zu betrachten.

Aber keine Angst, Prey ist kein softes Filmchen geworden, in dem wir Schlachtungen nur erahnen können. Fights mit der Tierwelt - die Szene mit dem Bären ist riesig! - und das Aufeinandertreffen mit den Pelzjägern lässt unserem Ausserirdischen genügend Platz, seine Waffen und Gadgets blutrünstig zu testen. Die Farbe Rot ist dann definitiv tonangebend.

Dani Maurer [muri]

Muri ist als Methusalem seit 2002 bei OutNow. Er mag (fast) alles von Disney, Animation im Allgemeinen und Monsterfilme. Dazu liebt er Abenteuer aus fremden Welten, Sternenkriege und sogar intelligentes Kino. Nur bei Rom-Coms fängt er zu ächzen an. Wobei, im IMAX guckt er auch die!

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Kommentare Total: 3

db

Nach dem stupiden The Predator von 2018 oder Aliens vs. Predator: Requiem war es überraschend, dass es überhaupt noch einen weiteren Teil gab. Prey löst sich glücklicherweise von all dem Story Chaos welches sich über die verschiedenen Filme aufgehäuft hat und kommt mit seinem Handlungsort vor 300 Jahren als Stand-Alone Produktion daher. Das tut Prey auch gut, denn so kann man sich auf das neue Setting und die neuen Charaktere konzentrieren.

Um den Kampf zwischen den Ureinwohner und dem Predator einigermassen fair zu halten, haben sie nicht nur die Story in die Vergangenheit verlegt, sondern auch den Predator entsprechend angepasst. Seien Waffen wirken lange nicht so fortschrittlich wie in den anderen Filmen und deshalb ist es überhaupt ansatzweise realistisch, dass Naru mit ihrem Pfeil und Bogen überhaupt eine Chance gegen die Killermaschinen hat. Die finale Konfrontation wirkt deshalb auch eher wie ein langer Zermürbungskampf bei welcher Naru schrittweise zu den modernen Waffen des Predators greifen muss, um ansatzweise Schaden anzurichten. Allerdings gibt es auch einige Schnitzer: Selbst wenn der Predator Wesen welche keine Gefahr darstellen leben lässt, heisst das nicht, dass er sie komplett ignoriert und sich dann in den Rücken schiessen lässt.

Das grösste Manko bleiben jedoch die Protagonisten. Naru ist schwach geschrieben und wirkt so unnahbar wie unsympathisch. Anstatt ihren Charakter natürlich wachsen zu lassen gibt es Dialoge wie «Why do you want to hunt?» / «Because you all think I can't» und dies wird dem Zuschauer mehrmals um die Ohren gehauen. Anscheinend haben sie wirklich verlernt wie man Charaktere wie Ripley schreibt. Selbst wenn man letztendlich Naru im Schlusskampf unterstützt -beruht es nicht wirklich aus Sympathie zu ihr, sondern mehr, weil ihr Überlebenskampf wirklich gut eingefädelt wurde.

Fazit: Prey ist eine willkommene Rückkehr zu den Stärken von Schwarzeneggers originalem Predator. Prey bleibt über die gesamte Laufzeit relativ kurzweilig und kann auch einen intensiven Schlusskampf bieten. Allerdings fehlt ein Sympathieträger - der trötzelnde Teenager ging primär auf die Nerven und ihr ganzer Stamm war noch schlimmer. Insgesamt viele gute Ansätze, und das Setting hat auch wirklich potential für mehr, aber falls es weitere Teile gibt, müssen sie an den Protagonisten arbeiten.

lbe

Unter «Special Features» gibt‘s die Comantschen-Synchro. ☝🏼

muri

Filmkritik: Knattern in alten Zeiten

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