My Imaginary Country - Mi país imaginario (2022)

My Imaginary Country - Mi país imaginario (2022)

  1. 83 Minuten

Filmkritik: Aufruhr in Chile

18. Zurich Film Festival 2022
Gefährlich schön und schön gefährlich
Gefährlich schön und schön gefährlich © trigon-film

Im Oktober 2019 ist Chile in Aufruhr, weil die öffentlichen Verkehrsmittel ihre Metro-Preise um 30 Pesos erhöht haben. Dieser Tropfen bringt das Fass einer ganzen Nation zum Überlaufen. Menschen verschiedener Altersgruppen stellen sich mutig dem staatlichen Militär und der Polizei entgegen und liefern sich eine Strassenschlacht nach der anderen.

Fast wie Sechseläuten
Fast wie Sechseläuten © trigon-film

Doch diese Schauplätze sind nicht die einzigen Brandherde, welche die Feuer des Krieges schüren. Der Fokus liegt zu einem grossen Teil auf dem Recht der Frauen. Viele Frauen werden interviewt und berichten vom Kampf um die Freiheit und um ihre Rechte. Unter anderem sollen sie endlich das Recht über ihren eigenen Körper und ihre Sexualität erhalten. Gemeinsam stehen sie zusammen, dichten Lieder und sorgen dafür, dass ihre lauten Stimmen durch das ganze Land hallen.

Es ist dem Regisseur Patricio Guzmán Respekt zu zollen für seinen Mut, sich im eigenen Land für die Rechte der Frauen einzusetzen. Bildgewaltige Szenen von Strassenschlachten zeigen, wie fest die Bewohnerinnen und Bewohner Chiles für die Menschenrechte kämpfen müssen. Leider bieten die gezeigten Aufnahmen nicht viel Neues, das man nicht schon aus den TV-Nachrichten kennt.

Regisseur Patricio Guzmán ist es schon zu Beginn von My Imaginary Country wichtig, seine anderen Filme zu erwähnen. Er erzählt mehrmals, welche Bedeutung seine Filme El primer año und seine Freiheits-Trilogie um Chile für ihn haben. Und bei den Nahaufnahmen zu Beginn erkennt man auch Guzmáns filmerische Fähigkeiten und die Liebe zum Detail.

Auch dass er ab und zu die Frauen in den Fokus stellt, ist ein zusätzliches Plus. Das obligate «Aber»: Während ein paar wenige Frauen etwas genauer porträtiert werden, werden die anderen im Eiltempo interviewt und man erhält als Zuschauerin oder Zuschauer unzählige Informationen. Einige davon wiederholen die gleichen Infos, was wegen des schnellen Übergangs zur Schlachtszenerie etwas ermüdend und belastend wirkt. Man lernt die Ideologie der kämpfenden Frauen zwar kennen, wer sie aber sind, bleibt leider nicht im Gedächtnis.

Was den Film jedoch unbedingt sehenswert macht, sind die Fotografien, die ab und zu kommentarlos eingeblendet werden. Sie schreien das Leid und den Kampf der Menschen förmlich heraus. Das Sprichwort «Bilder sagen mehr als tausend Worte» passte selten so gut wie hier. Mehr davon hätten diesen Wortfluten im Film wohl gutgetan.

Sandro Götz [goe]

Sandro bringt seit 2021 für OutNow seine Worte auf den Bildschirm. Sein erster Kinofilm, «The Lion King», hat den Löwen in ihm geweckt. Seither liebt und lebt er alles, was mit dem Thema Film zu tun hat. Auch für Videospiele ist er stets zu begeistern und daddelt gerne auf Controllern rum.

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