Mad Heidi (2022)

Mad Heidi (2022)

  1. , ,
  2. 92 Minuten

Filmkritik: Hei-ei-eidi

18. Zurich Film Festival 2022
Do you feel mad, Punk?
Do you feel mad, Punk? © Swissploitation Films

Die unschuldige Heidi (Alice Lucy) lebt vergnügt und zufrieden mit ihrem Freund dem Geissen-Peter (Kel Matsena) auf der Alp. Während sie jedoch verliebt in die Augen ihres Peters schaut, gerät dieser immer mehr ins Kreuzfeuer rund um Käse-Mogul und Schweizer Präsident Meili (Casper Van Dien). Er handelt nämlich mit eigens kreiertem Geissenkäse, was dem Monopol «Meili» natürlich nicht gefällt. Als Strafe wird Peter vor Heidis Augen von Kommandant Knorr (Max Rüdlinger) hingerichtet und Heidi wird aufgrund ihrer Geschichte in ein in den Bergen gelegenes Frauengefängnis verschleppt.

Dieser Schuss geht nicht nach hinten los.
Dieser Schuss geht nicht nach hinten los. © Swissploitation Films

Heidi leidet. Nicht nur, weil sie Peter verloren hat, sondern weil sie gezwungen wird, den Käse der Käserei «Meili» zu essen. Mit diesem soll sie stärker werden, um an einem brutalen Schwingfest teilzunehmen. Seelisch unterstützt wird sie von ihrer Zellengenossin Klara (Almar G. Sato), welche ebenfalls versucht, dem grausamen Schicksal zu entrinnen. Als Heidis Grossvater (David Schofield) erfährt, dass seine Enkelin in Gefahr ist, will er sie befreien. Was er nicht weiss: Heidi befindet sich mittlerweile selbst auf ihrem Rache-Feldzug gegen den grössenwahnsinnigen Präsidenten und sein teuflisches Vorhaben.

Oh, läck du mir, oh, läck du mir, oh, läck du mir am Tschöpli, was für ein Wahnsinn! Ab der ersten Minute unterhält Mad Heidi bestens und lässt einen bis zum grossen Finale nicht mehr los. Ein Swissploitation-Film voller lustiger Gags und Klischees über die Schweiz und eine Parodie auf fehlgeleitete Monarchie und Grössenwahn, bei dem man sich ins Edelweisshemd lacht. Selbst dann, wenn die vereinzelten Splatter-Szenen zum Ekeln einladen. Die Flachwitze mit und über Schweizer Produkte dürften vor allem beim heimischen Publikum für mehr als nur einen Schmunzler sorgen. Tell war gestern! Heute regiert Heidi!

VORSICHT! Dieser Film ist nichts für schwache Nerven. Wer bei Filmblut bereits ins Taumeln gerät oder bei Witzen unter der Gürtellinie zum Lachen in den Keller geht, ist hier falsch. Mad Heidi spricht ein Trash-Movie liebendes Publikum an, welches sich für Parodien aller Art begeistern lässt. Mit einem gesellschaftskritischen Augenzwinkern bietet der Film pausenlose Action und viel Humor in einem rasanten Erzähltempo, welches aber zur perfekt abgeschmeckten Geschichte passt.

Angefangen hat alles im Jahr 2017. Die Nachwuchsregisseure Johannes Hartmann und Sandro Klopfstein veröffentlichten mit Produzent Valentin Greutert auf den sozialen Medien ein gezeichnetes Artwork mit dem Titel «Heidiland», auf dem eine junge blonde Frau einem Gegner heftigst die Fresse polierte. Das von Johanna Spyri erdachte herzige Mädchen aus den Bergen als brutale Rächerin? Yes, please!

Der im Post ankündigte erste «Swissploitation Film», zu dem damals noch keine Minute gedreht war, wollte mit dem Poster vor allem Investoren anlocken, welche mittels einer Crowdfunding-Kampagne dann auch zusammenkamen. Auch mit dem Verkauf von Merchandise und der Möglichkeit, im Film mitzuwirken, kamen am Ende 538 Personen aus 19 Ländern zusammen, die über 2 Millionen Schweizer Franken in das Projekt steckten und bei einem Erfolg direkt an den Einnahmen des Films beteiligt werden.

Wen die Filmemacher alles mit dem Geld an Bord holen konnten, ist beachtlich. Neben der grossartig aufspielenden Britin Alice Lucy in ihrer ersten grossen Hauptrolle - in der sie für einige epische Momente sorgt -, waren auch internationale Stars am Set vertreten. So ist in der Rolle des Alpöhi der schon seit Jahrzehnten verlässliche Charakterdarsteller David Schofield zu sehen, dessen markantes Gesicht einem schon in Ridley Scotts Epos Gladiator sowie zwei Piratenabenteuer mit Johnny Depp begegnet ist. Als Oberbösewicht Meili darf Caspar van Dien herrlich übertrieben agieren, wobei es sich die Macher nicht verkneifen konnten, mit einer Referenz dessen bekanntestem Film (Starship Troopers) zu huldigen.

Allgemein ist Mad Heidi vollgestopft mit Verweisen - darunter natürlich an viele Filme aus der Exploitation-Ära der Siebziger. Gefängnisquälereien à la Female Prisoner #701: Scorpion und Kung-Fu-Trainingsmontagen dürfen dabei genauso wenig fehlen wie deftige Splattereffekte wie bei Joe D'Amato. Man merkt da richtig, dass hier Fans dieser Filme am Werk waren und sich mächtig ausgetobt haben, was auch von Max Rüdlinger behauptet werden kann. Der Schweizer Schauspeler hinterlässt bei den Zuschauerinnen und Zuschauern mit seiner fiesen Lache einen bleibenden Eindruck und sorgt für einige Badass-Momente.

Am besten schaut man sich diesen Knaller von Film direkt im Kino an und hilft so, weitere Schweizer Filmprojekte dieser Art zu ermöglichen. Für Heidi! Und für wildere Filme aus dem «geliebten Mutterland»!

Sandro Götz [goe]

Sandro bringt seit 2021 für OutNow seine Worte auf den Bildschirm. Sein erster Kinofilm, «The Lion King», hat den Löwen in ihm geweckt. Seither liebt und lebt er alles, was mit dem Thema Film zu tun hat. Auch für Videospiele ist er stets zu begeistern und daddelt gerne auf Controllern rum.

  1. Artikel
  2. Profil
  3. facebook
  4. Instagram