Lyle, Lyle, Crocodile (2022)

Lyle, Lyle, Crocodile (2022)

Lyle - Mein Freund, das Krokodil
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  2. 103 Minuten

Filmkritik: New York mit Mami, Papi, Javi und Schnappi

«Draw me like one of your French girls.»
«Draw me like one of your French girls.» © Sony Pictures Releasing Switzerland GmbH

Auf der Suche nach einem neuen Show-Act findet der Entertainer Hector P. Valenti (Javier Bardem) in einer Tierhandlung das singende Krokodil Lyle (Stimme: Shawn Mendes). Ein Star ist geboren, so ist sich Valenti sicher. Nur blöd, dass Lyle dann auf der Bühne vor lauter Nervosität keinen einzigen Ton herausbringt. So wird die Nummer zu einem Flop und Valenti muss versuchen, auf andere Weise Geld zu verdienen. Lyle lässt er in der Zwischenzeit auf dem Dachboden seiner New Yorker Bleibe.

Ungewiss: Das Schicksal der anderen Passagiere
Ungewiss: Das Schicksal der anderen Passagiere © Sony Pictures Releasing Switzerland GmbH

18 Monate später wird die Wohnung an die dreiköpfige Familie Primm vermietet. Papa Joseph (Scoot McNairy) tritt im Big Apple einen Lehrer-Job an, während Mutter Katie (Constance Wu) hofft, in der Metropole Inspiration für ein neues Kochbuch zu finden. Der schüchterne Sohnemann Josh (Winslow Fegley) hat derweil Mühe an seiner neuen Schule Freunde zu finden. Als er eines Tages in den eigenen vier Wänden auf Lyle trifft, entsteht eine wunderbare Freundschaft. Eine, die jedoch durch den fiesen Nachbarn Mr. Grumps (Brett Gelman) bedroht wird.

Lyle Lyle Crocodile bietet kurzweilige Familienunterhaltung, bei der die von Shawn Mendes gesungenen Songs sowie die Animation der Titelfigur die Highlights sind. Die vorhersehbare Story ist kaum der Rede wert und Javier Bardem hampelt etwas gar übertrieben durch die Szenerie. Familien werden aber aufgrund des Slapsticks und der Musik auf ihre Kosten kommen.

Errate den Film anhand der folgenden Inhaltsangabe: Ein exotisches Tier wird in einer Metropole Teil einer einfachen Familie, muss sich aber auch gegen einen fiesen Nachbarn wehren. Die Antwort: Paddington! Nur «Paddington»? Nein, auch Lyle Lyle Crocodile ist richtig! Diese Parallelen lassen sich jedoch nicht etwa auf etwas zu bequeme Drehbuchautorinnen und -autoren zurückführen, sondern auf sehr ähnliche Kinderbuchvorlagen, die von Michael Bond und Bernard Waber zum ersten Mal 1958 («A Bear Called Paddington»), bzw. 1962 («The House on East 88th Street») erschienen sind.

In Filmform macht Lyle rein vom Kuschelfaktor her natürlich klar Zweiter. Zwar ist er als Baby-Kroki zu Beginn noch niedlich, doch als ausgewachsenes Tier ist er keine Konkurrenz zum schnuffigen Bären aus England. So muss der Film der Comedy-Regisseure Josh Gordon und Will Speck (Blades of Glory, Office Christmas Party) andere Stärken finden - und hat diese in Form von peppigen Musicalnummern, die von den gefeierten Komponisten Benj Pasek und Justin Paul (La La Land, The Greatest Showman) geschrieben wurden. Performt werden diese durchaus eindrücklich und schmissig vom kanadischen Popsänger Shawn Mendes. Schauspielern musste Mendes übrigens nicht, da Lyle zwar singen, aber nicht sprechen kann. Das mag seltsam klingen - und ist es ja auch -, doch bewahrt sich das Krokodil so noch etwas von seinem Tiersein, da er nicht wie ein Mensch seine Sorgen einfach kommunizieren kann. So bekommt auch das erarbeitete Vertrauen für alle Involvierten einen höheren Stellenwert.

In puncto Story gibt es wenig Überraschendes. Zwar schreien zu Beginn noch viele beim Anblick von Lyle und laufen davon, trotzdem wird er dann von den meisten ins Herz geschlossen. Constance Wu, Scoot McNairy und Winslow Fegley geben eine überzeugende Familie ab, doch ist es Oscarpreisträger Javier Bardem, der beim Cast am meisten in Erinnerung bleibt. Seine wilde Kasperlitheater-Performance als Valenti ist fast störend, da sie nicht wirklich zum Rest des Filmes und dessen Figuren passt. Damit verspielt sich Lyle Lyle Crocodile einiges an Charme, wie auch mit einer etwas verwirrenden Botschaft zum Schluss. Doch dürfte dies den Kindern wohl recht egal sein. Diese erfreuen sich einfach an dem lustigen und toll animierten Krokodil, das durch die Szenerie torkelt und so das Zielpublikum zum Lachen bringt - ohne dabei die Magie seines tierischen Freundes aus London zu erreichen.

Chris Schelb [crs]

Chris arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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