Kings of the World - Los reyes del mundo (2022)

Kings of the World - Los reyes del mundo (2022)

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  2. 103 Minuten

Filmkritik: Rás rastlose Reise

18. Zurich Film Festival 2022
Einmal zum Mitnehmen, bitte.
Einmal zum Mitnehmen, bitte. © Xenix Filmdistribution GmbH

Der junge Rá lebt ein raues Leben auf den Strassen von Medellín. Seine besten Freunde und Wahlbrüder Sere und Winny unterstützen ihn bei Strassenkämpfen oder kleinkriminellen Aktivitäten. Dass dieses Leben auf Dauer nicht gesund ist, ist ihnen zu jeder Zeit bewusst. Doch die Hoffnung auf ein normales Leben scheint zum Greifen nah zu sein.

Dieser «Chlapf» hat einige PS.
Dieser «Chlapf» hat einige PS. © Xenix Filmdistribution GmbH

Rá erhält die Nachricht, dass er sein von seiner Oma vererbtes Stück Land von der Regierung zurückfordern darf. Eine grosse Freude kommt auf, und so machen sie sich gemeinsam mit zwei weiteren Freunden, Culebro und Nano, auf den Weg ins kolumbianische Hinterland. Dabei heften sie sich an alles, was Räder hat, um irgendwie vorwärts zu gelangen. Auf ihrem Weg begegnen die Freunde diversen fremden Menschen, die den Jungen teilweise mit offenen Armen begegnen. Dieser steinige Weg birgt aber auch viele Gefahren. Je länger die Reise dauert, desto mehr wird ihre Freundschaft auf die Probe gestellt.

Kings of the World bietet einen spannenden Beginn mit tollen Aufnahmen von Medellín. Furchtlose Teenager, die sich in gefährlichen Eins-gegen-Eins-Kämpfen messen und die Armut, die der Zuschauerin oder dem Zuschauer regelrecht ins Gesicht springt. Der Film erinnert einige womöglich an die eigenen, wilden Phasen in der Jugend. Sobald die Jungs aber Medellín verlassen, zieht er sich in die Länge und versucht, den eher ereignisarmen Roadtrip mit der schönen Landschaft Kolumbiens zu verbinden. Dieses Vorhaben versinkt aber leider in der Dunkelheit.

Einen Vorwurf kann man den jungen Schauspielern zumindest nicht machen: Ganz im Stile von Francis Ford Coppolas The Outsiders versuchen die Teenager, ihren von Armut geprägten, wilden Zeiten hinter sich zu lassen und dann gegen ein glücklicheres, normales Leben einzutauschen. Und sie machen dies überzeugend. Man spürt die Freundschaft, die zwischen Rá, Winny und Sere in voller Stärke blüht. Vor allem der freche Winny versucht, seine eher geringe Körpergrösse mit Wagemut zu überspielen.

Regisseurin Laura Mora Ortega zeigte bereits mit Killing Jesus am Zurich Film Festival, dass sie einen guten Draht zu jungen Schauspielern hat. Diesmal steht dem Filmvergnügen aber eine eher unspektakuläre Geschichte im Weg.

Zwar versucht sie, mit einem mystischen weissen Pferd die Spannung aufrechtzuerhalten. Das hat doch auch bei Jordan Peeles drittem Mystery-Movie wunderbar geklappt (Stichwort: Sneaker). Dieses Unterfangen geht aber ziemlich nach hinten los. Man ärgert sich als Zuschauer nur noch darüber, dass das Pferd wie aus dem Nichts wieder auftaucht und kaum etwas zur Geschichte beiträgt.

Auch von der Landschaft Kolumbiens ist nur wenig zu sehen, da gefühlte 80 Prozent des Filmes bei Nacht oder dichtem Nebel spielen. Da hat Laura Mora Ortega einige Trümpfe verspielt. Am Ende des Filmes bleibt man ratlos zurück. Was wollte die eigentlich so talentierte Regisseurin mit diesem Film aussagen? Will sie die Ungerechtigkeit und Armut in Kolumbien zeigen? Das gelingt ihr tatsächlich nicht schlecht. Die Szenen bei Nacht laden aber eher zu einem Nickerchen ein.

Sandro Götz [goe]

Sandro bringt seit 2021 für OutNow seine Worte auf den Bildschirm. Sein erster Kinofilm, «The Lion King», hat den Löwen in ihm geweckt. Seither liebt und lebt er alles, was mit dem Thema Film zu tun hat. Auch für Videospiele ist er stets zu begeistern und daddelt gerne auf Controllern rum.

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