How I Learned to Fly - Leto kada sam naucila da letim (2022)

How I Learned to Fly - Leto kada sam naucila da letim (2022)

Wie ich fliegen gelernt habe
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  2. 87 Minuten

Filmkritik: Kroatien im Sommer

Was luegsch?
Was luegsch? © Helse Kulturverein

Sofija (Klara Hrvanovic) möchte nichts lieber, als ihren Urlaub mit ihren Freunden und ihrem heimlichen Schwarm Marko im Zeltlager zu verbringen. Doch anstelle eines Camping-Urlaubs wird sie dazu verdonnert, mit ihrer Grossmutter Marija (Olga Odanovic) von Zagreb in deren ursprüngliche Heimat Hvar zu fahren. Nach einer anstrengenden Reise kommen sie bei Sofijas Grosstante Luce (Snjezana Sinovcic) an. Die Grossmutter und Luce diskutieren viel, Marija erlaubt ihrer Enkelin nur wenig, es scheint der absolute Horror-Urlaub für die 12-Jährige zu werden.

Love, love, love
Love, love, love © Helse Kulturverein

Als Marija einen alten Bekannten trifft, erlaubt Luce Sofija, alleine auszugehen. Sofija freundet sich mit den Jugendlichen im Ort an, verbringt ihre Zeit fortan mit den Teenagern und auch Marija scheint etwas lockerer zu werden. Als Luce ein medizinischer Zwischenfall zu schaffen macht und Marija sich fortan um den Krankenhausaufenthalt von Luce kümmern muss, wird Sofija bei ihrem Grossonkel (Zarko Lausevic) einquartiert, mit welchem Marija über 25 Jahre kein Wort mehr gesprochen hat. Alte Familiengeschichten und -tragödien kommen ans Tageslicht. Sofija ist hin und hergerissen zwischen der Freude über neue Freundschaften, aufflammender Liebe und den tragischen Familiengeschichten und Ereignissen, welche die Familie noch ereilt.

How I Learned to Fly ist Sommer, Freundschaft, Erwachsenwerden und zeigt das langsame Entdecken der ersten Liebe. In das sommerliche Feeling mischen sich aber auch Trauer und die Konfrontation mit der Vergangenheit, unausgesprochene Worte und die Gewissheit, dass Vergangenem nicht nachgetrauert werden muss. Erzählt werden all jene Erfahrungen aus der Sicht eines Teenager-Mädchens. Der Coming-Of-Age-Film ist ungestüm, überdreht und doch ein berührendes Feelgood-Movie.

Wer erinnert sich nicht an seine erste Liebe? Das Prickeln im Bauch, wie aufregend sogar ansonsten alltägliche Situationen waren? An den Schmerz und die Enttäuschung, wenn daraus doch nichts wurde? An Urlaubs-Flirts als Teenager, mit heimlichen Treffen am Strand?

How I Learned to Fly greift genau diese Themen auf und erzählt sie aus der Perspektive der 12-jährigen Sofija, welche ihren Sommer nicht wie ihre Freunde im Zeltlager, sondern zusammen mit ihrer Grossmutter bei ihrer Grosstante auf der Insel Hvar verbringen muss. Keine einfache Situation für einen Teenager, wenn dann auch die Grossmutter noch als Spassbremse auftritt und Sofija bei jeder Gelegenheit öffentlich wirksam bemuttert, sodass Sofija am liebsten im Erdboden versinken möchte.

So entsteht eine Story rund um diesen Urlaub von Sofija und die damit verbundenen Erlebnisse. Klar werden hier einige Stereotypen bedient: Die Oma ist eher altbacken von den Einstellungen her, die Grosstante die gute Seele, es steckt einiges an Familiengeschichte und Vergangenheit im Ort, was aufgearbeitet werden möchte, schliesslich verliess die Oma ihre Heimat Hvar nicht grundlos.

Wenn auch die Erzählweise nicht all zu viel Neues bietet und durchaus vorhersehbar ist, hat How I Learned to Fly das Herz am rechten Fleck und erzählt mit kindlicher Naivität von der erster Liebe, Rückschlägen und den Tücken des Erwachsenwerdens. Der Film zeigt eine südländische Coming-Of-Age-Geschichte, welche ihren kroatischen Wurzeln wunderbar frönt. Das Leben am Meer, die alten Plätze, kroatisch-gesungene Rezepte und der Familienzusammenhalt konkurrieren dabei nicht mit Modernität und Selfie-Filtern. Der Film schiesst hin und wieder über das Ziel hinaus, gerade die musikalische Untermalung und gewisses Overacting sind etwas wild und turbulent.

Die Wiedergabe von Gedanken Sofijas und ihre Sichtweise auf die Geschehnisse macht die Handlung relativ realistisch und zeigt schlussendlich, dass es um mehr als blosse Liebeleien geht. Stattdessen stehen der familiäre Zusammenhalt und Freundschaft im Mittelpunkt. Die vor den Ferien erstellte To-Do-Liste, welche erst unmöglich zu erfüllen schien, erweist sich für Sofija dann als nicht unüberwindbare Hürde, da aus anfänglicher Langeweile schnell Tatendrang und Abenteuerlust entsteht.

Wiederkehrende Running-Gags und eine rasant vorgetragene Story machen Spass und lassen darüber hinwegsehen, dass How I Learned to Fly phasenweise ungestüm und lebhaft daherkommt - beispielsweise bei den Diskussionen zwischen Grossmutter und Grosstante -, was den Film in diesen Passagen etwas anstrengend macht.

Yannick Bracher [yab]

Yannick ist Freelancer bei OutNow seit Sommer 2015. Er mag (Indie-)Dramen mit Sozialkritik und packende Thriller. Seine Leidenschaft sind Filmfestivals und die grosse Leinwand. Er hantiert phasenweise noch mit einem Super-8-Projektor und lernt die alten Filmklassiker kennen und schätzen.

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