Die Känguru-Verschwörung (2022)

Die Känguru-Verschwörung (2022)

  1. 96 Minuten

Filmkritik: Schnapspraline Reloaded

Augen zu und durch
Augen zu und durch © Filmcoopi

Kleinkünstler Marc-Uwe (Dimitrij Schaad) ist immer noch in seine Nachbarin Maria (Rosalie Thomass) verknallt. Doch das eigentlich romantisch geplante Date in einem Dunkelrestaurant geht auch wegen der Anwesenheit von Marc-Uwes Mitbewohner, des Kängurus (Stimme: Marc-Uwe Kling), mächtig in die Hose. Um ein weiteres Date zu bekommen, geht Marc-Uwe eine Wette mit Maria ein. Wenn er es schafft, dass Marias Mutter Lisbeth (Petra Kleinert) die Klimakrise nicht mehr leugnet, soll es zu einem gemeinsamen Abendessen nach Paris gehen.

Mit dem Zweiten sieht man besser.
Mit dem Zweiten sieht man besser. © Filmcoopi

Sollte Lisbeth aber weiterhin auf dem Verschwörungstheoriekurs bleiben, dann muss Marc-Uwe seine grosszügige Wohnung mit der kleinen Bleibe von Maria tauschen. Da dies besonders auch für das Känguru eine Katastrophe wäre, machen sich das Beuteltier und Marc-Uwe nach Bielefeld auf, um an der Conspiracy Convention ihre Wette zu gewinnen. Bei ihrem Vorhaben geraten die beiden aber ins Visier von Verschwörungsguru Adam Krieger (Benno Fürmann) und dessen fanatischen Anhängern.

Der Schnapspralinen-Fan ist zurück! Autor Marc-Uwe-Kling schickt dieses Mal als Regisseur sein Känguru auf einen Roadtrip, um es in kurzen Episoden Blödsinn treiben zu lassen. Das gefällt zu grossen Teilen, krankt jedoch wie der erste Teil an einer etwas gar dünnen Haupthandlung und auch an einigen humoristischen Rohrkrepierern. Für Fans sicher Pflicht, als Einstieg aber auch ganz gut geeignet.

Dieses Känguru ist ein echter Pechvogel. Gerade einmal elf Tage konnte das von Marc-Uwe Kling erdachte Beuteltier in Die Känguru-Chroniken auf Schweizer Leinwänden Schabernack treiben. Dann kam der erste durch das Coronavirus ausgelöste Kinolockdown, der dann auch dazu führte, dass die vom Schweizer Regisseur Dani Levy umgesetzte Adaption der bekannten Buch- und Podcast-Reihe wenig später im Streaming angeboten wurde. Als würde jetzt das Känguru Rache nehmen wollen, bekämpft es in der Fortsetzung die durch die Pandemie erstarkten Verschwörungstheoretikerinnen und Verschwörungstheoretiker. Das führt zu einigen lustigen Konfrontationen.

Doch wie schon beim Erstling mag auch die für Die Känguru-Verschwörung erdachte Handlung nicht über die volle Laufzeit zu überzeugen. Vieles fühlt sich hier wie Stückwerk an und nicht wie aus einem Guss. Man merkt da schon, dass sich das Känguru am wohlsten in Miniepisoden fühlt, wo es wenige Konsequenzen für sein anarchisches Verhalten fürchten muss.

Im Gegensatz zum Erstling wurde die Fortsetzung aber nicht zu sehr in ein grosses Handlungskorsett gezwängt. Zwar gibt es die Haupthandlung mit der Verschwörungsmesse in Bielefeld, doch das Känguru und Marc-Uwe müssen sich ja zuerst dorthin begeben. Auf ihrem Roadtrip gibt es immer wieder unvorhergesehene Stopps, bei denen auch der aus der Buchserie bekannte und beliebte Wehrdienstleistende Axel Krapotke auftritt. So gelingt es Känguru-Erschaffer Marc-Uwe Kling, der hier selbst Regie geführt hat, die Stärken seiner Welt besser auszuspielen. Ein Roadtrip ist zwar nicht gerade die neuste Erfindung, was Fortsetzungen angeht - ein einfacher Weg, um die Figuren aus ihrer Komfortzone zu holen -, doch funktioniert sie eben auch hier sehr gut.

Und zudem gibt es immer wieder etwas zu lachen. Wenn sich das ungleiche Duo mit Gegnern und auch untereinander fetzt, dann ist dies schon sehr amüsant. Doch nicht alle Gags wollen zünden, da einige mit dem Megafon angekündigt werden. Da hätten die Macher dem Publikum mit humorvollen Überraschungen schon öfters den Teppich unter den Füssen wegziehen können.

Letzten Endes ist Die Känguru-Verschwörung aber leicht besser als der vorherige Teil. Bleibt zu hoffen, dass bei einem dritten Teil die Handlung komplett weggelassen wird. Das wäre dann zwar näher an einer YouTube-Videoplaylist als an einem Kinofilm, aber das anarchische Känguru hätte sicher seine Freude daran. Und das ist ja am Ende des Tages am wichtigsten.

Chris Schelb [crs]

Chris arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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Trailer Deutsch, 01:55