Hebammen - Auf die Welt kommen (2022)

Hebammen - Auf die Welt kommen (2022)

  1. 90 Minuten

Filmkritik: Aus dem Bauch und mitten ins Herz

Hebamme Helena Bellwald betreut werdende Mütter vor allem im häuslichen Umfeld.
Hebamme Helena Bellwald betreut werdende Mütter vor allem im häuslichen Umfeld. © MovieBizFilms

Die Geburt eines Kindes ist ein bedeutender Moment im Leben jedes Paares. Und oft stehen ihnen Hebammen zur Seite, welche die Mütter von der Schwangerschaft über die Geburt bis zum Wochenbett mit Rat und Tat begleiten. Denn jede Geburt verläuft anders - und nicht jede führt zu einem glücklichen Ausgang.

Die Schweizer Regisseurin Leila Kühni gibt in ihrem Dokumentarfilm Hebammen - Auf die Welt kommen einen sehr persönlichen Einblick in den bewegenden Alltag verschiedener Hebammen und werdenden Eltern und zeigt auf, wie einzigartig jede Geburt ist.

Hebammen - Auf die Welt kommen bietet intime und interessante Einblicke in den Hebammenalltag, verzichtet aber weitgehend darauf, vertieft auf die einzelnen Personen einzugehen oder Wissen über den Beruftsstand zu vermitteln. Zuschauerinnen und Zuschauer, die mit der Materie weniger vertraut sind, werden so etwas im Regen gelassen. Solche, die sich hingegen für die Thematik interessieren, finden hier allerdings ein ungeschöntes, aber herzliches Porträt eines wichtigen Berufes.

Jede Geburt ist einzigartig. Diesem Kredo wird Leila Kühnis Dokumentarfilm Hebammen - Auf die Welt kommen mehr als gerecht. Der ruhige und unaufgeregt gedrehte Film begleitet verschiedene Schweizer Hebammen und werdende Eltern in ihrem Alltag. Bei Heimbesuchen, in Praxen, im Spital. Die Zuschauer werden Zeugen von Wassergeburten, Heimgeburten und Geburten im Kreissaal des Bethesda-Spitals in Basel. Kühni präsentiert das natürliche Wunder Geburt unkommentiert und in vielen Facetten. Und sie gibt auch kurze Einblicke in die Kehrseiten einer Schwangerschaft, bleibt beispielsweise nahe dran, wenn eine Mutter unter Tränen von einer vorangegangenen Fehlgeburt spricht oder von den Ängsten, dem kommenden Kind nicht gerecht zu werden.

Diese ehrliche Erzählweise zeigt zwar den ungeschönten Alltag, bei dem auch Stress, Erschöpfung und Sorgen an der Tagesordnung sind, baut aber auch eine gewisse Distanz zu den Protagonistinnen auf. Gerne hätten wir mehr über die einzelnen Hebammen erfahren, ihre Beweggründe und Herausforderungen. Zwar sehen wir die hektische aber selbstbewusste Routine eines Hebammen-Teams im Bethesda-Spital und den fast schon idyllischen Gegensatz einer Hausgeburt. Der Film verweigert sich aber grösstenteils, die Protagonistinnen direkt zu Wort kommen zu lassen. Da wäre etwas mehr drin gelegen, was den Film vielleicht auch für ein breiteres Publikum zugänglich gemacht hätte.

Trotzdem beeindrucken die intimen, aber pietätvoll gefilmten Geburtsszenen mit einer Nähe, die man nur loben kann und die bewusst machen, was für ein Wunder die Geburt eines Menschen ist. Und welche wichtige Rolle die Hebammen in diesem Wunder einnehmen.

Chris Bucher [chb]

Chris ist ein Luzerner Filmemacher, Journalist und leidenschaftlicher Gamer. Er mag alles, was mit Horror zu tun hat. Seine Devise lautet: Je morbider, desto besser. Für OutNow schreibt er seit 2019 regelmässig Reviews. Er hat eine Schwäche für alte Dinosaurierfilme.

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