Goodnight Mommy (2022)

Goodnight Mommy (2022)

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  2. 92 Minuten

Filmkritik: Lalelu, du dumme Kuh

Prime Video
So fühlen sich Formel-1-Rennfahrer.
So fühlen sich Formel-1-Rennfahrer. © Amazon Prime

Die beiden Zwillingsbrüder Elias und Lukas (Cameron und Nicholas Crovetti), die bei ihrem Vater leben, kehren nach langer Zeit in das abgelegene Landhaus ihrer Mutter (Noami Watts) zurück. Zu ihrem Schreck müssen sie feststellen, dass diese wegen einer Schönheitsoperation ständig eine Gesichtsmaske tragen muss und sich von Anfang an emotional distanziert verhält. Zudem befiehlt sie den beiden, von ihrem Schlafzimmer fernzubleiben und nachts keine lauten Geräusche zu machen.

«Nein, deine Weisheitszähne sieht man noch nicht.»
«Nein, deine Weisheitszähne sieht man noch nicht.» © Amazon Prime

Die Jungs sind durch das dominante und merkwürdige Verhalten ihrer Mutter völlig verunsichert. Als sie ihnen das geliebte Gutenacht-Lied nicht mehr vorsingen will, schöpfen Elias und Lukas einen fürchterlichen Verdacht: Ist dies überhaupt ihre Mutter oder ist dies eine Fremde? Die beiden beginnen, einen Plan zu schmieden, um der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Und als erstes müssen sie in das Schlafzimmer ihrer Mutter kommen.

Halt, stopp: Bevor hier die Augen gerollt werden, darf man dem Thriller Goodnight Mommy durchaus eine Chance geben. Das Remake des österreichischen Horrorfilms Ich seh, ich seh erledigt seine Hausaufgaben gut und macht aus einer bereits erzählten Story nochmals einen unterhaltsamen Filmabend mit Naomi Watts in der Hauptrolle.

Es wäre falsch, zu fragen, ob ein US-Remake des österreichischen Thrillers Ich seh, ich seh gerechtfertigt sei. Viel spannender wäre in diesem Kontext die Frage, warum der Unterhaltungsmarkt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten im Zeitalter der Globalisierung überhaupt noch daran festhält, europäische Filme und Serien zu recyceln. Aber keine Sorge, wer das Original kennt, muss beim Wiederaufguss von Regisseur Matt Sobel (Brand New Cherry Flavor) nicht gleich die Faust im Sack machen.

Der von Amazon produzierte Thriller trumpft auch gleich mit Naomi Watts in der Rolle der furchteinflössenden Mutter auf. Die Genre-erprobte Schauspielerin überzeugt zweifellos, auch wenn man ihre Mimik wegen der Gesichtsmaske zunächst nur erahnen kann. Das Zusammenspiel mit den beiden Zwillingsgeschwistern Crovetti funktioniert wunderbar und verspricht eine gute Ausgangslage für das Remake.

Goodnight Mommy interpretiert nur wenige Dinge neu und orientiert sich beinahe nahtlos an der österreichischen Vorlage aus dem Jahr 2014. Die simple Szenerie und der spärliche Sound untermauern das Kammerspiel, das die Story primär durch Konfliktdialoge weitererzählt. Selbstverständlich erwartet man bei Goodnight Mommy Überraschungen und Twists, die alles in neue Bahnen lenken. Und hie und da weiss man genau, dass ein Jump-Scare wartet. Der Thriller macht daraus keinen Hehl und will auch nicht mehr sein, als das Drehbuch hergibt.

Wer dem Film bereits früh auf die Schliche kommt, wird Bestätigung für seine Theorie(n) in den einzelnen Szenen suchen und diese sicher auch finden. Aber das schmälert die Unterhaltung auch dann nicht, wenn gegen Ende einige Dinge erklärt werden. An dieser Stelle könnte man beim Neuaufguss die meisten kritischen Punkte anbringen - denn manchmal braucht es keine übereifrige Erklärung. Wer's nicht gerafft hat, soll einfach nochmal nachdenken.

Goodnight Mommy ist also überhaupt kein Fail und macht seine Arbeit im Rahmen eines Remakes ganz ordentlich. Der Thriller bietet denjenigen, die das Original nicht kennen, natürlich am meisten Spass. Zugegeben, ohne Naomi Watts würde sicher das nötige Salz in der Suppe fehlen. Da haben Regisseur Matt Sobel und vor allem der Mediengigant Amazon nochmals Glück gehabt.

Christian Wolf [woc]

Christian arbeitet seit 2009 als Freelancer bei OutNow. Er mag ultradüstere Filmperlen und süffige Survival Horror Games. Animationsfilme sind ihm ein Gräuel. Christian vertritt als Einziger den smoothen Berner Dialekt im Team.

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