Gigi & Nate (2022)

Gigi & Nate (2022)

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Filmkritik: Gigi ist Gaga

18. Zurich Film Festival 2022
Der Affe macht sich mal wieder zum Affen.
Der Affe macht sich mal wieder zum Affen. © The Hunters Will Find Productions Ltd

Der junge Nate (Charlie Rowe) ist an Meningitis erkrankt und lebt seit vier Jahren im Rollstuhl. Nachdem er versucht hat, sich umzubringen, beschliessen seine Eltern (Marcia Gay Harden und John Belushi), ihm ein Diensttier zu besorgen, das ihn sowohl körperlich als auch seelisch unterstützen soll. Nate entscheidet sich für die aus einem verwahrlosten Zoo gerettete Gigi, eine Kappuzineräffin.

Das ungewohnte neue Familienmitglied stellt zuerst einmal alles auf den Kopf, doch es entwickelt sich auch eine tiefe Freundschaft zwischen der Äffin und ihrem «Patienten». Schon bald ist Nathan wieder besser gelaunt, und auch seine Physiotherapie macht plötzlich enorme Fortschritte. Doch nicht alle im Quartier sind begeistert von Nathans neuer Freundin.

Mangelnden Unterhaltungswert kann man dem Film nicht vorwerfen. Die unfreiwillige Komik dieses kitschigen Dramas sorgt für Lacher und Stirnrunzeln am Laufband. Wäre statt Nick Hamm im Abspann Paul Feig als Regisseur genannt worden, es hätte nicht erstaunt. Über lange Strecken fühlt sich Gigi & Nate nämlich wie eine Parodie eines Hallmark- oder Lifetime-Filmes an, komplett mit aufgedrehtem Klaviergeklimper und politischen Ambitionen, die gewisse Red States stolz machen würden. Ernstnehmen kann man keine Sekunde dieses Affentheaters. Man muss dieses unglaublich manipulative Werk aber fast gesehen haben, um es zu glauben.

Die Bösewichte dieses überraschend (rechts-)politischen Filmes sind fiese Tierschützerinnen und Tierschützer, die Affen als Diensttiere per Gesetz verbieten möchten. Auf der Seite der «Helden» ist eine stinkreiche Familie, die ausschliesslich People of Color als Hausangestellte beschäftigt und deren Lieblingsfeiertag der 4. Juli ist.

Der Film treibt es aber nicht nur politisch, sondern auch in Sachen Machart auf die Spitze. Alles ist sonnengetränkt, weichgezeichnet und wird mit ohrenbetäubendem Kitsch-Score begleitet. Für den Humor ist das von Diane Ladd gespielte «lustige Grosi» zuständig, was in ausgeleierten Gags resultiert, die in ihrer Debilität beinahe damit flirten, wieder lustig zu sein. Jim Belushi und Marcia Gay Harden als fürsorgliche Eltern agieren derart übertrieben, dass es zum Fremdschämen ist.

Der Beziehung zwischen Äffchen Gigi und Nate wird zu wenig Zeit gegeben, da die anderen Familienmitglieder sich immer wieder ins Lampenlicht drängen. Äffchen Gigi hat zwar einige süsse Momente, doch die Chemie zwischen Mensch und Tier hat in unzähligen Filmen schon besser funktioniert. Besser klappt es zwischen Hauptdarsteller Charlie Rowe und seiner Filmschwester Josephine Langford. In ihren gemeinsamen Szenen kommt es zu kurzen Momenten echter, nachvollziehbarer Charakter-Interaktion, und die beiden machen das beste aus dem Stoff.

Wie der grosse Konflikt im letzten Akt gelöst wird, ist das Tüpfelchen auf dem i eines immens seltsamen Filmes, der mehr an die Fake-Trailer eines Kirk Lazarus-Filmes (Robert Downey Jr. in Tropic Thunder) erinnert als an ein seriös gemeintes Dramas. Da Regisseur Nick Hamm aus Irland stammt, kann es ja vielleicht sogar sein, dass er hier die USA ein wenig auf die Schippe nehmen wollte? Man kann es zumindest hoffen und ihm im Zweifelsfalle als Ausrede empfehlen.

Marco Albini [ma]

2003 verfasste Marco seine erste Kritik auf OutNow und ist heute vor allem als Co-Moderator des OutCast tätig. Der leidenschaftliche «Star Wars»-Fan aus Basel gräbt gerne obskure Genrefilme aus, aber Komödien sind ihm ein Gräuel.

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