Elvis (2022)

Elvis (2022)

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  3. 159 Minuten

Filmkritik: Boy and business

75e Festival de Cannes 2022
Finger ab dr Röschti!
Finger ab dr Röschti! © Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Elvis Presley (Chaydon Jay) wächst im Bundesstaat Mississippi als Sohn des Landarbeiters Vernon (Richard Roxburgh) und der Textilarbeiterin Gladys (Helen Thomson) auf. Früh entdeckt er seine Liebe für die Musik. Allen voran der Blues hat es ihm angetan. Als Erwachsener tingelt Elvis (Austin Butler) durch die Clubs und bringt regelmässig die Massen zum Ausrasten. Die zuvor durch Countrymusik geprägten Weissen verlieren während seiner Auftritte die Beherrschung, die Frauen liegen dem charmanten Rebellen reihenweise zu Füssen und die jungen Männer finden in ihm ein nie dagewesenes Idol.

I cant stop loving you!
I cant stop loving you! © Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Zu dieser Zeit entdeckt ihn Manager Colonel Tom Parker (Tom Hanks) und nimmt ihn beim prestigeträchtigen Label RCA unter Vertrag. Nach diversen Auftritten ist er der amerikanischen Regierung mit seinem als vulgär empfundenen Stilmix aus Blues und Country und seinen lasziven Auftritten ein Dorn im Auge und wird verhaftet. Als einziger Ausweg wird ihm der militärische Dienst in Deutschland angeboten. Dort lernt er seine spätere Frau Priscilla (Olivia DeJonge) kennen. Zurück in Amerika, unternimmt Elvis neue Anläufe, seine Karriere wieder in Gang zu bringen. Der Erfolg, Hunderte von Shows in Las Vegas, persönliche Schicksalsschläge und Medikamente treiben seinen Niedergang voran.

«One for the money, two for the show..»: Elvis lebt! Zumindest im Biopic von Baz Luhrmann zu Ehren des legendären Rock'n'Roll-Musikers, Schauspielers, Sexsymbols und Rebellen Elvis Presley. Inhaltlich überladen und dennoch komplett, überzeugt das Biopic durch Kreativität und einen sauber gesponnenen Spannungsbogen, der auch den politischen Diskurs dieser Zeit und den amerikanischen Gesellschaftswandel nicht aussen vorlässt. Es entsteht ein interessantes Résumé, in dem die Musik fast ein wenig zur Nebensache wird.

Baz Luhrmann (The Great Gatsby, Moulin Rouge) inszeniert in Elvis einen Nachruf auf eine der grössten und populärsten Musiklegenden seit jeher. Es entsteht dabei ein wilder Ritt durch das geprägte Leben von Elvis Presley, dem King of Rock'n'Roll. Die Handlung setzt in dessen Kindheit an und behandelt die musikalische Prägung von Elvis in der von Countrymusik geprägten weissen Bevölkerung. Der Film zeigt, wie Elvis in seinen ersten Auftritten die konservative Bevölkerung regelrecht aus der Zwangsjacke lockt, Frauen und Männer verrückt macht und verzaubert mit seinem unangepasst revolutionären Stil und Auftreten. Die bis anhin noch strikte Separation von Weissen und People of Color wankt und fällt.

Diese erste Phase des Filmes überbordet völlig, funky Städte-Titel und Popart-Comiczeichnungen aus den Sechzigern werden eingeblendet, der Screen wird mehrfach gesplittet. Wer sich darauf einlässt, wird Freude finden an den verwendeten Stilmitteln, wenn diese auch zur Genüge eingesetzt werden. Die Szenen in Memphis, im Handy-Club, in dem Elvis Inspiration durch den vorherrschenden Blues, B.B King und Mahalia Jackson fand, sind grossartig. Sie münden in immer wiederkehrenden Flashbacks in ein Ereignis aus Elvis' Kindheit, das ihn massgeblich prägte. Leider untermalt Luhrmann diese Szenen mit Rap- anstelle von wesentlich authentischerer Bluesmusik, was ziemlich unpassend wirkt.

Luhrmann fokussiert auf die Entwicklung von Elvis Karriere und darauf, wie aus dem Jungen, der seiner Mutter einen pinken Cadillac und ein schönes Haus versprach, der Rockstar Elvis wurde. Der Film erzählt dies aus der Perspektive von Colonel Tom Parker, Elvis' Manager, was etwas irritiert: Erstens zieht das Biopic diese Idee nicht konsequent durch durch, und zweitens stellt nicht er den Mittelpunkt des Geschehens dar, sondern Elvis.

Eindrücklich zeigt der Film auch den Niedergang durch die permanente Vermarktung. Die Musik gerät währenddesesn leider in den Hintergrund. Hier hätte sich Luhrmann intensiver der musikalischen Karriere - Elvis spielte immerhin mehr als 800 Konzerte in Las Vegas - widmen dürfen. Zugute halten darf man ihm, dass er die wichtigen Lebensabschnitte von Elvis (zumindest kurz) behandelt, wenn auch der endgültige Niedergang des Sängers zu kurz kommt.

Austin Butler spielt seine Rolle als King überzeugend, wenn auch man ihm optisch Elvis nicht immer ganz abnimmt. Dafür wirken sein Gesicht zu knochig und das Make-up zu stark aufgetragen. Auch Tom Hanks als Colonel funktioniert gut, Elvis' Frau Priscilla kommt hingegen leider viel zu kurz in den mächtigen 159 Minuten, die der Film dauert. Baz Luhrmann verfilmt die Biografie von Elvis auf seine ganz eigene Art und Weise: Kreativ, vollgestopft und zügig. Er erschafft dadurch ein gelungenes Abbild einer erfolgreichen, aber tragischen Karriere.

Yannick Bracher [yab]

Yannick ist Freelancer bei OutNow seit Sommer 2015. Er mag (Indie-)Dramen mit Sozialkritik und packende Thriller. Seine Leidenschaft sind Filmfestivals und die grosse Leinwand. Er hantiert phasenweise noch mit einem Super-8-Projektor und lernt die alten Filmklassiker kennen und schätzen.

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