Don't Worry, Darling (2022)

Don't Worry, Darling (2022)

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  2. 122 Minuten

Filmkritik: Nur nicht die Fassade verlieren

79. Mostra Internazionale d'Arte Cinematografica 2022
Hat den Laden im Griff: CEO Frank alias Chris Pine.
Hat den Laden im Griff: CEO Frank alias Chris Pine. © Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Die geheimnisumwobene Tech-Firma Victory Project hat eine Siedlung gebaut für ihre Mitarbeiter und deren Gattinnen. Ein Traum von einer Wohnanlage, die man gar nicht mehr verlassen muss, weil alles da ist, was man braucht. Die Männer düsen morgens in ihren schicken Autos zur Arbeit, während die Frauen zuhause den Haushalt sauber halten, am Pool rumfläzen oder alle zusammen die gleichen Ballettstunden nehmen. Ersonnen hat sich das konservative Wunderland Frank (Chris Pine), der guruhafte Victory-CEO.

Alice hat zwar Eier, aber leider ohne Füllung.
Alice hat zwar Eier, aber leider ohne Füllung. © Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Auch Alice (Florence Pugh) und Jack (Harry Styles) haben sich eines der Häuschen ergattert. Ihr Leben ist seither eine nicht enden wollendende Swing-Party mit Sonntagsbraten auch unter der Woche und ein alle Involvierten sehr beglückendes Sexleben. Als sich aber Margaret (KiKi Layne), eine der Nachbarinnen, etwas seltsam zu verhalten beginnt, nagen an Alice Zweifel am zauberhaften Wohntraum. Ist ihre beste Freundin Bunny (Olivia Wilde) nur fake-freundlich? Und was macht der Göttergatte eigentlich, wenn er im Büro «progressive Materialien entwickelt»?

Schatz, wir müssen reden! Don't Worry Darling ist prächtig anzuschauen und - vor allem wenn man Florence Pugh mag - eigentlich auch spannend. Olivia Wilde scheitert bei ihrem ersten grösseren Projekt nach dem Geheimtipp Booksmart aber daran, dem Film ein passables Dénouement zu verpassen. Die Auflösung ist weder ganz frisch noch gänzlich unvorhersehbar. Und sie geht vor allem logisch nicht richtig auf. Wer nur Harry Styles anschmachten möchte, kann darüber hinwegsehen.

«Don't worry Darling» galt bei diesem Projekt schon lange nicht mehr. Die Gerüchteküche brodelte. Am Set wechselte man den männlichen Hauptdarsteller: Shia LaBeouf gab seine Rolle ab - warum genau, war auch bei der Premiere in Venedig noch Gegenstand von sich widersprechenden Berichten. Florence Pugh beklagte Lohnungleichheit - auch das nicht offiziell bestätigt. Und zu guter Letzt machte Pugh nicht mit bei der gemeinsamen Pressekonferenz zur Weltpremiere. Ob man hier eine aufstrebende Regisseurin diskreditieren möchte, oder Olivia Wilde ihr erstes grösseres Projekt entglitt, sei dahingestellt. Man kümmere sich um den Film!

Der sieht in erster Linie schlicht blendend aus. Die Mad Men-Welt unter Palmen ist attraktiv und sexy. Nie war der Berufsverkehr bunter, als wenn sich die Victory-Mannen an die Arbeit machen und mit ihren bonbonfarbenen Autos durch die streng symmetrische Szenerie düsen. Die Damen vor Ort sind allesamt Trophäen, die den Staubsauger mit Freude selber bedienen und ihre Männer anhimmeln. Nicht nur die Musik zum Film ist aus den Fünfzigern, auch die Rollenbilder sind es. Dass da etwas nicht stimmen kann, ist schnell klar.

Erster Anhaltspunkt zur Sorge ist der aalglatte Auftritt von Chris Pine als diabolisch grinsender Gemeindevorsteher mit seinen HSG-Plattitüden. Bald danach startet Pugh den Panikmodus, den sie in Midsommar schon brillant verkörperte. Derweil macht Harry Styles nicht viel anderes, als man es auch von Shia LaBeouf erwartet hätte. Er steht oft nur schick rum, wenn er nicht gerade seine Wut unterdrückt. Er hat aber eine Tanzszene, die LaBeouf nicht ganz so elegant hinbekommen hätte. Überhaupt scheint Olivia Wilde ziemlich tanzfreudig zu sein: Einen Cameo-Auftritt von Dita von Teese, der wiederum bestens ins letzte Jahrhundert passt, gibt's obendrauf.

Richtig problematisch ist aber, dass die Auflösung des Mysteriums nur halb funktioniert; sowohl logisch als auch als rein mechanische Einbindung innerhalb des Films. Sie kommt relativ abrupt und ist im Zeitalter von Black Mirror und wenn man bedenkt, dass The Stepford Wives schon ein Remake bekam, nicht unbedingt neu. Man hätte sich gewünscht, Don't Worry Darling hätte mehr zu sagen zur Incel-Kultur und der Huscheli-an-den-Herd-Debatte, die immer noch nicht ganz verschwunden ist. So bleibt am Ende nur das gebannte Bangen um die toughe Pugh, die sich am bravouröseten aus der ganzen Affäre zieht. Spannendes Filmfinale und PR-Desaster im Nachgang mitgemeint.

Roland Meier [rm]

Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom blue TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.

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Kommentare Total: 2

muri

Schräger Film mit guten Momenten und einem Ende, das nicht funktioniert. Aber auch mittendrin gibt es immer wieder Leerlauf, welcher die Spannung stoppt.

Nur im Ansatz sehenswert, aber halt doch am Ende zu wenig.

rm

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