Le Chêne (2022)

Le Chêne (2022)

Die Eiche - Mein Zuhause
  1. , ,
  2. 80 Minuten

Filmkritik: Rund um dem Baum

Der Rüsselkäfer hat viel zu tun.
Der Rüsselkäfer hat viel zu tun. © JMH

Am Rand des grossen Waldes, am Ufer des Teichs steht eine alte Eiche. Mächtig, tief verwurzelt und Mittelpunkt im Leben einiger spezieller Vertreter der Tierwelt. So krabbeln Eichelbohrer (oder Rüsselkäfer) in grosser Anzahl auf dem Stamm und auf den Ästen auf der Suche nach Brutplätzen in den hängenden Eicheln. Da ist das herzige Eichhörnchen, das eben diese Eicheln für sein Überleben braucht und deshalb auf grosse Sammeltour geht. Und da sind Ameisen, Mäuse, Vertreter der Vogelwelt und viele mehr, die in dieser Eiche ein Zuhause haben oder in ihr Zuflucht finden.

Auf der Flucht vor Obelix
Auf der Flucht vor Obelix © JMH

Während die Jahreszeiten sich ändern, steht die Eiche unbeeindruckt. Ob Sonnenschein oder krachender Donnersturm, der Baum bleibt stehen und bietet seinen Bewohnern Schutz gegen allerlei Gefahren. Und während das Wetter seine Kapriolen schlägt, finden im Innern des Stammes und hoch oben in der Krone die kleinen Tragödien und Freuden statt, die zum weltbekannten Kreislauf des Lebens gehören.

La Chêne ist ein ruhiger Film, der auf die Töne der Natur setzt und zwischendurch mit passender Musik untermalt wird. Daraus ergibt sich eine knapp 80-minütige Dokumentation, die viele schöne und faszinierende Bilder bietet und dabei recht gemütlich daherkommt. Ein Film für die komplette Familie, wobei vor allem die jüngeren Kids mit grossen Augen dem Treiben auf der Leinwand folgen dürften.

Die preisgekrönten französischen Filmemacher Laurent Charbonnier (auch für die Bildgestaltung von Le peuple migrateur) und Michel Seydoux (produzierte Cyrano de Bergerac) haben sich für ihr neuestes Projekt dem Naturfilm angenommen und nehmen in La Chêne mit zu einem einzelnen und mächtigen Baum, bei dem sie off-kommentarlos und nur mit Musik untermalt, tolle Geschichten und wunderbare Bilder liefern.

Natürlich sind vor allem die Bilder herausragend und dürften die Familien mit (Klein-)Kindern ins Kino holen. Beim Eichhörnchen praktisch zwischen den Ohren sitzend, im Mausbau zwischen den Jungen oder den Eichelbohrer mit seinem lustigen Rüssel in Grossaufnahme sehen. Das packt und interessiert, zumal man sich das Gesehene selbst zurechtpacken muss, weil auf Kommentare verzichtet wurde. Also nicht einfach zuhören und kopfnicken, sondern zuschauen, kombinieren und erleben.

Natürlich sind auch in La Chêne nicht alle kleinen Geschichten gleich gut und interessant. Während die Verfolgungsjagd der Vögel durch den dichten Wald packt und temporeich angelegt ist, muss man bei den Eichlhähern und deren Auftreten eher durchschnaufen. Dafür sind Eichhörnchen, Wildschweine und Ameisen umso sehenswerter und der Rüsselkäfer bleibt ein Höhepunkt des Films.

Dani Maurer [muri]

Muri ist als Methusalem seit 2002 bei OutNow. Er mag (fast) alles von Disney, Animation im Allgemeinen und Monsterfilme. Dazu liebt er Abenteuer aus fremden Welten, Sternenkriege und sogar intelligentes Kino. Nur bei Rom-Coms fängt er zu ächzen an. Wobei, im IMAX guckt er auch die!

  1. Artikel
  2. Profil
  3. E-Mail
  4. facebook
  5. Instagram
  6. Website