Carter (2022)

Carter (2022)

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  2. 132 Minuten

Filmkritik: Pandemaction!

Netflix
Hoch oder runter?
Hoch oder runter? © Netflix

Inmitten einer tödlichen Pandemie, in deren ein DMZ-Virus, benannt nach der Demilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea, Menschen befällt, aggressiv und blutrünstig macht, erwacht ein Mann (Joo Won) in einem Hotelzimmer. Seinen Namen kennt er nicht mehr, aber der implantierte Knopf im Ohr, durch den eine Stimme zu ihm spricht, drängt ihn zur Eile. Eine Spezialeinheit ist auf dem Weg zu ihm, denn dieser Mann, später als unter dem Namen «Carter» bekannt, hat eine Verbindung zum einzigen Arzt, der das Virus stoppen kann. Der ist aber seit Tagen verschwunden und der vorerst Namenlose Hauptverdächtiger.

Vorbereitung ist alles.
Vorbereitung ist alles. © Netflix

Nachdem ihm mithilfe der Dame im Ohr die Flucht gelingt, wird der grosse Auftrag erteilt. Carter muss nach der Tochter des Doktors suchen, die scheinbar immun gegen das Virus ist. Nur mit ihrem Blut kann der Papa einen Impfstoff herstellen, der die Welt retten soll. Da Carter aber weder weiss, wo das Mädchen ist, noch warum ihm immer wieder Horden von Agenten, Feinden und kampflustigen Kerlen über den Weg laufen, wird die Sache etwas schwieriger. Denn Carter will nicht nur die Welt retten, sondern auch herausfinden, wer er wirklich ist.

Carter dauert mit über zwei Stunden Filmzeit sicherlich zu lang und obwohl die Action gnadenlos gut und brutal ist, kommt es bald zum Overkill. Ausserdem wurde den wenigen CGI-Effekten etwas geschluddert und die Darsteller bleiben kaum im Gedächtnis. Für Actionfans aber dürfte dieses Feuerwerk sicherlich mehr als ein Blick wert sein.

Actionfilme aus dem Osten sind meist etwas anders als diejenigen, die uns Hollywood vorsetzt. Der neueste Vertreter dieser Art heisst Carter und wurde vom actionerfahrenen Regisseur Byung-gil Jung gnadenlos und knallhart umgesetzt. In der Titelrolle zeigt sich Joo Won als kompromissloser Kämpfer, der sich durch einen über zweistündigen Film prügelt, schiesst, kickt und sticht. Wer hier blinzelt, könnte was verpassen!

So hält sich Carter auch nicht lange mit Vorspiel und Erklärungen auf, sondern legt bereits in den ersten Minuten los wie die Feuerwehr. Eine erste Verschnaufpause muss man sich auch als Zuschauer verdienen und danach feststellen, dass solche Momente der ruhigeren Art in einem Film wie Carter nicht wirklich oft vorkommen. Die einfache Story nach dem Motto «Such das Mädchen, rette die Welt, hol dein Gedächtnis zurück» nehmen die Filmemacher zum Anlass, Carter wie ein gross angelegtes Videospiel zu präsentieren. Eine Schlachtplatte folgt der nächsten, die Gegner kommen zu Wasser, zu Lande und in der Luft und die Kamerafahrten mit Drohne werden bis zum Gehtnichtmehr zelebriert.

Das heisst also, dass Carter inhaltlich zwar sehr einfach gestrickt ist, aber dafür in Sachen Action und Spektakel seine Stärken hat. Und die kommen im Minutentakt und ohne Gnade. Unsere Hauptfigur metzelt sich durch ganze Dampfbäder, prügelt sich durch drei (!) parallelfahrende (!!) Kastenwagen und bläst im Transportflugzeug zum Grossangriff auf die ganze Besatzung. Tja, wer sich mit Carter anlegt, der hat kaum was zu lächeln.

Leider drängen diese spektakulären Actionsequenzen die Geschichte deutlich in den Hintergrund. Da ist ein Virus, eine Konfrontation zwischen Nord- und Südkorea und ein paar Twists mit Verrätern und Falschspielern, woraus man hätte Spannung pur inszenieren können, dies aber zugunsten der fantastischen Action bleiben lässt. Irgendwie schade, denn mit zunehmender Filmdauer wird das Dauerfeuerwerk ermüdend und der Zuschauer lechzt nach Inhalt.

Dani Maurer [muri]

Muri ist als Methusalem seit 2002 bei OutNow. Er mag (fast) alles von Disney, Animation im Allgemeinen und Monsterfilme. Dazu liebt er Abenteuer aus fremden Welten, Sternenkriege und sogar intelligentes Kino. Nur bei Rom-Coms fängt er zu ächzen an. Wobei, im IMAX guckt er auch die!

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