Candy (2022)

Candy (2022 / Mini-Serie)

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  2. 257 Minuten

Miniserie-Review: Texas Axe Massacre

Disney+
«Bitte nicht lächeln.»
«Bitte nicht lächeln.» © Hulu

Wylie, Texas, Juni 1980: Die Mutter und Hausfrau Betty Gore (Melanie Lynskey) scheint spurlos verschwunden, als Ehemann Allan (Pablo Schreiber) während einer Geschäftsreise hoffnungslos versucht, sie zu erreichen. Als sich helfende Nachbaren Zutritt zum Haus der Gores verschaffen, kommt die schreckliche Wahrheit ans Licht: Betty wurde brutal ermordet.

«Ich mach' dich kalt, Schätzchen.»
«Ich mach' dich kalt, Schätzchen.» © Hulu

Sofort checkt die ermittelnde Polizei den Kreis von möglichen Verdächtigen - darunter auch Candy Montgomery, eine Freundin von Betty, und ein stark integriertes Mitglied der Kirchen-Community in Wylie. Die Ehefrau und Mutter von zwei Kindern hat zwar ein Alibi, aber bald wird klar, dass ihr scheinbar perfektes Leben dunkle Geheimnisse verbirgt.

Jessica Biel schlüpft in die Rolle von Candy Montgomery, die Anfang der Achtzigerjahre verdächtigt wurde, ihre Freundin Betty mit einer Axt ermordet zu haben. Der Mini-Serie kann man in punkto Stil nichts anhaben. Aber den fünf Episoden fehlt es an erzählerischer Substanz und einem Spannungsbogen, der uns trotz der texanischen Hitze erschaudern lassen würde. Es wirkt fast so, als hätte man Candy auf Biegen und Brechen realisiert, um ein Stück vom True-Crime-Kuchen zu ergattern.

Der Fall von Candy Montgomery gehört zu den Mordfällen, die hierzulande weniger für Furore gesorgt haben. Obschon es bereits Anfang der Neunziger eine Verfilmung gab und HBO gerade in der Planung für eine weitere Adaption ist, erleben wir die tragische Story rund um den Mord von Betty Gore in der Hulu-Mini-Serie zum ersten Mal.

Candy erläutert die Geschehnisse vom Juni 1980 in Texas in fünf Episoden. Dabei stehen die Hauptcharaktere im Fokus - allen voran natürlich Candy Montgomery. Jessica Biel schlüpft in die Rolle der ambivalenten Texanerin, ganz stilecht mit südöstlichem Akzent, monströser Pilotenbrille und schicken Schlaghosen. Melanie Lynskey mimt die introvertierte Betty, die ihr Leben lassen muss. Wie bei vielen True-Crime-Formaten wird auch hier gerätselt, wie akkurat die Charaktere und ihre Handlungen für die Mini-Serie aufgenommen wurden.

Neben dem stilechten Settings und starken schauspielerischen Leistungen fehlt es Candy jedoch an Substanz, und - wenn man das bei realen Storys überhaupt sagen darf - an dramaturgischer Spannung: Obschon sich der Mord an Betty vorerst im Dunkeln abspielt und man wie bei einer Folge Derrick darauf hofft, am Schluss den Tathergang in einem Flashback zu sehen, lässt es uns ziemlich kalt. Candy hütet sich davor, Charaktere als gut oder böse darzustellen, und so fällt es uns schwer, selber eine Meinung zu bilden. Nicht nur der Plot, sondern auch die Gerichtsverhandlung werden emotionslos und unspektakulär abgehandelt. Selbst, als wir Justin Timberlake in der Rolle eines ermittelnden Polizisten erkennen, reicht das höchstens für ein müdes Lächeln.

Christian Wolf [woc]

Christian arbeitet seit 2009 als Freelancer bei OutNow. Er mag ultradüstere Filmperlen und süffige Survival Horror Games. Animationsfilme sind ihm ein Gräuel. Christian vertritt als Einziger den smoothen Berner Dialekt im Team.

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