Arthur, malédiction (2022)

Arthur, malédiction (2022)

  1. 87 Minuten

Filmkritik: Ist das dein Ernst, Luc Besson?

«Keine Sorge Alex, fürchten musst du dich nur vor dem Drehbuch.»
«Keine Sorge Alex, fürchten musst du dich nur vor dem Drehbuch.» © Praesens Film

Alex (Mathieu Berger) und seine Freunde sind seit Kindertagen Fans der Minimoys-Reihe. Zu Alex' 18. Geburtstag fährt die Clique in die französische Pampa, wo auf einem abgelegenen Feld das verlassene Haus steht, das den Filmen einst als Kulisse diente. Die Teenager ahnen nicht, dass hier bald Blut fliessen wird.

Leider ist Arthur, malédiction trotz einer interessanten Prämisse und einigem Potenzial an Ideen ein erschreckend stümperhaft geschriebener, unterdurchschnittlich inszenierter und nur mässig gespielter Film, der sich viel zu ernst nimmt und gerade deswegen spätestens bei der hanebüchenen Auflösung komplett auf die Fresse fällt.

Erinnert ihr euch an Arthur et les Minimoys, das kunterbunte Fantasy-Spektakel für Kinder von Regie-Legende Luc Besson? Die Mischung aus Live-Action-Aufnahmen (mit Stars wie Mia Farrow und Freddie Highmore) brachte es immerhin auf ganze drei Teile - alle inszeniert und geschrieben von Besson selbst, der sonst eher für Filme wie Léon: The Professional oder The Fifth Element bekannt ist. Nun kehrt er mit Arthur, malédiction zur Reihe zurück - mit unerwarteter Form. Statt nämlich einen weiteren kindertauglichen Ableger zu präsentieren, liefert er als Drehbuchautor zusammen mit Regisseur Barthélémy Grossmann einen waschechten Horrorfilm ab.

Die Idee, eine Kinderfilm-Reihe auf die Meta-Ebene herunterzuholen und als Grundlage für einen Horrorfilm zu nehmen, ist reizvoll und hat grosses Potenzial für spannende Spielereien und Doppelbödigkeiten. Leider ist das Besson aber völlig entgangen. Zwar hat der französische Regisseur in den vergangenen Jahren immer wieder geschwächelt, aber zumindest noch ein Grundmass an Unterhaltung geboten.

Arthur, malédiction - und das kann man leider nicht anders sagen - versagt hingegen auf kompletter Linie. Was hätte Arthur, malédiction für ein absurdes Gore-Fest oder Meta-Vergnügen werden können, hätte man sich nur die Absurdität der Prämisse ordentlich zur Brust genommen! Wie spannend wäre es gewesen, süsse Zeichentrickcharaktere als Horrormonster zu inszenieren! Aber nein, das hätte wohl zu viel Kreativität erfordert. Trotz einer kurzen Lauflänge von 86 Minuten zieht sich der Film besonders in der ersten Hälfte wie Kaugummi und ist mit Szenen gefüllt, die weder etwas erzählen, noch Stimmung machen. Kommt der Film nach geschätzten 40 Minuten dann mal langsam in die Gänge, enttäuscht er mit einer uninspirierten Inszenierung und fantasielosen Gewaltspitzen. Der Horror in Arthur, malédiction ist so abgestanden, langweilig und voraussehbar, dass man den Eindruck gewinnt, die aufgebrummte Pflichtübung eines lustlosen Filmemachers anschauen zu müssen.

Wenig hilfreich ist dabei, dass fast alle Figuren absolut flach und austauschbar und obendrein mässig gespielt sind. Was dem Film noch nicht das Genick, aber zumindest mal den Rücken bricht, ist die verquaste Tonalität des Streifens. Wähnt man sich zuerst in einem - zugegeben charmanten - Teenie-Drama, verkommt der Film zu der Art Slasher-Abklatsch, den schon vor 20 Jahren niemand mehr sehen wollte.

Der Film ist nie lustig, nie spannend und nimmt sich leider viel zu ernst. Stattdessen setzt Drehbuchautor Besson auf lahme Dialoge, unlogische Handlungen und Klischees. Die Verbindung zum Arthur-Universum bleibt schnöde Dekoration. Der Gipfel der Fassungslosigkeit ist hingegen erst bei der finalen Auflösung des Geschehens erreicht. Da bleibt einem nichts anderes mehr übrig, als vor Unglauben die Hände zu verwerfen. Der «Twist» des Filmes ist derart an den Haaren herbeigezogen, dass man sich tatsächlich fragt, wie ein solches Drehbuch durchgewunken und finanziert werden konnte.

Chris Bucher [chb]

Chris ist ein Luzerner Filmemacher, Journalist und leidenschaftlicher Gamer. Er mag alles, was mit Horror zu tun hat. Seine Devise lautet: Je morbider, desto besser. Für OutNow schreibt er seit 2019 regelmässig Reviews. Er hat eine Schwäche für alte Dinosaurierfilme.

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