Anatomy of a Scandal (2022)

Anatomy of a Scandal (2022 / Mini-Serie)

Anatomie eines Skandals
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  3. 60 Minuten

Miniserie-Review: Hochmut kommt vor dem Fall

Netflix
Gute Miene zum bösen Spiel
Gute Miene zum bösen Spiel © Netflix

Der Westminster-Abgeordnete James Whitehouse (Rupert Friend) hat alles, was er braucht. Er hat genug Geld, er ist mit seiner wunderschönen Frau Sophie (Sienna Miller) verheiratet - auch im Bett ist keineswegs Flaute - und die beiden haben zwei kleine Kinder, Emily (Amelie Bea Smith) und Finn (Sebastian Selwood). Doch eines Tages beginnt die Idylle zu bröckeln. Denn die Presse hat Wind davon bekommen, dass James eine Affäre mit Olivia Lytton (Naomi Scott), einer Mitarbeiterin, geführt hat. Vor der Veröffentlichung der Story gesteht er dies seiner Frau.

Gutes Spiel, böse Miene
Gutes Spiel, böse Miene © Netflix

Doch damit nicht genug: Olivia Lytton bezichtigt ihn auch noch der Vergewaltigung. Ist das die Rache dafür, dass James mit Olivia kurz zuvor Schluss gemacht hat? Und welche Rolle spielt James' bester Freund, der Premierminister? Staatsanwältin Kate Woodcroft (Michelle Dockery) ist das alles egal, sie hat nur ein Ziel: James Whitehouse hinter Gitter zu bringen.

Anatomy of a Scandal ist eine grundsolide Thriller-Miniserie mit guten DarstellerInnen, allen voran Sienna Miller. Alles ist der Frage «War er's oder lügt sie?» untergeordnet, bis in der vierten Episode eine sehr unerwartete Wendung eintritt, die die Dynamik in der Serie ziemlich verändert. Die vierstündige Miniserie kann man gut wegbingen, wenngleich man die Geschichte aber auch in drei Stunden hätte erzählen können.

Regisseurin S. J. Clarkson ist für alle Episoden in Anatomy of a Scandal verantwortlich. Sie hat in diversen Serien schon bei einzelnen Episoden Regie geführt, so zum Beispiel bei Succession oder Dexter. Mit Anatomy of a Scandal, welche auf dem gleichnamigen Roman beruht, ist ihr eine gute Thriller-Serie gelungen, die wohl bald wieder in Vergessenheit geraten wird. Dafür bewegt sich die Story zu sehr auf ausgetretenen Pfaden - trotz des einen Twists.

Und dafür sind auch die schauspielerischen Darbietungen nicht herausragend genug. Sienna Miller (American Sniper) zeigt sicher eine ihrer besseren Leistungen, doch Rupert Friend (The Death of Stalin, Hitman: Agent 47) ist doch etwas gar blass in der männlichen Hauptrolle.

Handwerklich vorwerfen kann man der Serie nicht viel. Die Gerichtsszenen sind nicht zu langatmig, genausowenig die diversen Rückblenden, die der Charakterzeichnung dienen. Ein wenig befremdlich ist in der Serie sicherlich, dass das mutmassliche Vergewaltigungsopfer fast nie zu sehen ist und meist in der dritten Person über dasselbe gesprochen wird. Zudem werden einige wichtige Themen angekratzt, aber irgendwie schafft es die Serie dann doch nicht, daraus wirklich etwas zu machen. Insgesamt begegnen wir hier einer etwas unterkühlten Serie, welche von Charakteren berichtet, die einem am Ende fast so egal wie zu Beginn sind.

Christoph Reiser [chr]

Christoph arbeitet seit 2020 als Freelancer für OutNow. Er weiss, dass man Animationsfilme nicht hassen darf, dafür liebt er Sergio-Leone-Western. Der Besuch eines Filmfestivals ist zuoberst auf seiner Bucket-List, naja fast. Und er mag kein Popcorn im Kino, denn er steht auf Chips.

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